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Die rechtgeleiteten Khalifen!!

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Die rechtgeleiteten Khalifen!!

Beitragvon AbuBakr » Di Jun 29, 2010 9:39 am

bismillah

assalamu

Das sind Auszüge aus dem Buch "Die rechtgeleiteten Khalifen" von Ahmad Fazl übersetzt von Muhammad Rasoul:

Das Buch ist im folgenden Link kostenlos als pdf zu runterladen:
http://www.way-to-allah.com/dokument/Di ... alifen.pdf

Im folgenden Link findet ihr weitere interessante Bücher zum Thema Sahaba:

http://way-to-allah.com/Buecher-Verleih/sahaba.html

Ich fange inschaAllah an, die Texte hier hinzufügen:

Der erste Khalif Abu Bakr ra.:


Abu Bakr ra.: Der Schwiegervater des Propheten saw., und sein Gefährte vor und nach dem Islam. Der Prophet saw. hat ihn als Begleiter bei der Auswanderung nach Medina und als Vorbeter der Muslime vor seinem Tode ausgewählt, und ohne Zweifel wusste der Prophet saw., wen er da ausgewählt hat.

„Niemand ist ein besserer Gefährte für mich gewesen, als Abu Bakr“, sage der
Prophet Muhammad, Allahs Segen und Friede mit ihm, in seiner letzten Predigt.
Wirklich ein großes Lob! Abu Bakr ( r ) hatte es verdient. Sein ganzes Leben lang
stand er auf der Seite des Propheten, Allahs Segen und Friede auf Ihm. Er sorgte
sich weder um sein eigenes Leben noch um seinen eigenen Besitz. Es kümmerte ihn
nicht, was andere über ihn sagten. Sein einziges Anliegen war, dem Gesandten
Allahs mehr als sonst jemandem beizustehen. Dieses Ziel erreichte er. Abu Bakr
wurde dafür voll belohnt. Allahs Gesandter war mit ihm sehr zufrieden. Er räumte ihm
den ersten Platz unter seinen Sahaba (Gefährten) ein. Abu Bakr ( r ) sollte der erste
Mann sein, nach dem Tode des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, dessen
Botschaft zu erfüllen. Er sollte auch in ewiger Ruhe an seiner Seite liegen.

Seine Jugend
Abu Bakr war zwei Jahre jünger als der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm.
Seine Eltern nannten ihn „Abdul Al-Ka`ba“, was „Diener der Al-Ka’ba“ bedeutet. Als
er Muslim wurde, änderte der Prophet diesen heidnischen Namen in
„’Abdullah“(=Diener Allahs) um. Da er sich bereits in früher Jugend zum Islam
bekannte, bekam er den Beinamen „Abu Bakr“, der eine solche Bedeutung
wiedergibt. Unter diesem Namen ist er bekannt geworden; und auch heute noch
kennt ihn die Welt als „Abu Bakr“.
Der Name seines Vaters war ‚Uthman; er war jedoch bekannt als „Abu Quhafa“. Abu
Bakrs Mutter war Salma; sie war auch unter dem Namen „Ummu-l-Hair“ (=Mutter der
guten Dinge) bekannt. Abu Bakr gehörte einem Zweig des Stammes der Quraiš an.
Von früher Jugend an galt Abu Bakr als gutmütig und aufrichtig. Er war ehrlich und
wahrheitsliebend und kam aus einer edlen Familie. Diese Eigenschaften verschafften
ihm großes Ansehen. Durch seine guten Charaktereigenschaften gewann er auch
die Freundschaft des jungen Muhammad. Beide wurden schon in früher Jugend
treue Freunde. Diese Freundschaft hielt ein Leben lang und machte Geschichte.
Nachdem Abu Bakr herangewachsen war, wurde er ein reicher Kaufmann. Doch
benutzte er seinen Reichtum, um den Armen zu helfen. Er war sehr gutherzig. Wenn
er jemanden in Schwierigkeiten sah, wurde sein Herz weich, und er half ihm nach
Kräften. Wenn sein Geld Leid abschaffen konnte, sah er nicht darauf, wie viel er
ausgab. Einmal gab er von seinem Gesamtvermögen von 40.000 Dirham 35.000 ab.
In seinen Geschäften war er so ehrlich, dass die Leute ihm ihr Geld zur
Aufbewahrung überließen. Vor allem hatte Abu Bakr ein aufrichtiges Herz und einen
festen Willen. Nichts konnte ihn davon abhalten, etwas zu tun, was er für richtig hielt.
Diese wertvollen Eigenschaften sollten bald dem höchsten Ziel dienen, das die Welt
kennt. Abu Bakr ( r ) sollte die stärkste Stütze des Retters der Menschheit werden.
Er sollte Arabien und dadurch die Welt nach dem Tod des Gesandten Allahs für den
Islam sichern.

In der Nähe des Propheten saw.
Abu Bakr war dem Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, immer sehr nahe. Er
kannte ihn besser als jeder andere und wusste, wie ehrlich und aufrecht sein Freund
immer gewesen war. Er war der erste Mann, der den Islam annahm. Nach der ersten
Offenbarung teilte ihm der Prophet mit, was in der Höhle des Berges Hira geschehen
war. Er sagte ich, dass Allah (t) ihn zu Seinem Gesandten gemacht habe. Abu Bakr
dachte nicht lange nach und wurde sofort Muslim. Der Prophet, Allahs Segen und
Friede auf ihm, sagte einmal selbst:
„ICH RIEF DIE MENSCHEN ZUM ISLAM AUF. JEDER DACHTE DARÜBER NACH,
MINDESTENS EINE WEILE. BEI ABU BAKR WAR DIES JEDOCH NICHT DER
FALL. ER NAHM DEN ISLAM OHNE JEDES ZÖGERN IM GLEICHEN
AUGENBLICK AN, ALS ICH IHM ERÖFFNETE.“
Abu Bakr tat noch mehr. Sobald er Muslim geworden war, begann er, anderen den
Islam zu predigen. Er hatte viele Freunde. Sie wussten, dass Abu Bakr aufrichtig und
wahrheitsliebend war und niemals eine schlechte Sache unterstützen würde. Er rief
sie zum Islam auf, und sie wurden Muslime. Unter ihnen waren Männer wie ‚Uthman,
Zubair, Talh, ‚Abdurrahman Ibn ‚Auf und Sa’d ibn Abi Waqqas. Diese Männer wurden
später bedeutende Kräfte für den Islam. Der Prophet, Allahs Segen und Friede auf
ihm, suchte Abu Bakrs Haus täglich auf. Dann saßen die beiden zusammen und
besprachen Möglichkeiten, den Islam zu verbreiten. Miteinander gingen sie zu den
Treffpunkten der Menschen und verkündeten die Botschaft Allahs. Abu Bakr
begleitete den Propheten dabei auf Schritt und Tritt.

Abu Bakr risikiert sein Leben:
Die Botschaft des Islam verärgerte die Makkaner über alle Massen; denn sie
verehrten Götzenbilder. Der Prophet (s), kritisierte öffentlich diese Abbilder. Er
erklärte, dass sie weder Gutes noch Böses bewirken können.
Unter den Anführern von Makka war einer, Abu Gahl, der der größte Feind des
Propheten (s) wurde. Er trachtete immer danach, ihm zu verletzen oder zu töten. Abu
Bakr behielt diesen Mann im Auge, da er dem Islam großen Schaden zufügen
könnte. Eines Tages betete der Prophet (s), in der Al-Kaba. Er war völlig versunken
im Gedanken an Allah (t). Abu Gahl und einige andere Anführer von Makka saßen im
Vorhof der Al-Kaba.
"Heute muss ich Muhammad erledigen", sagte Abu Gahl. Er nahm einen langen
Stoffstreifen und legte ihn um den Hals des Propheten, dann zog er ihn zusammen.
Er war im Begriff, den Gesandten Allahs zu erdrosseln. Die anderen Anführer sahen
im zu und lachten. Abu Bakr sah dies zufällig aus einiger Entfernung. Er sprang dem
Propheten (s), sofort zu Hilfe. Er stieß Abu Gahl zur Seite und riss das Tuch vom
Hals des Propheten. Darauf stürzten sich Abu Gahl und die anderen nun auf Abu
Bakr. Sie schlugen ihn so arg, dass er bewusstlos niederfiel. Man trug ihn heim, und
erst nach einigen Stunden erlangte er das Bewusstsein wieder. Als er wieder zu sich
kam, war seine erste Frage: "Ist der Gesandte Allahs unverletzt?"
Seine eigenen Schmerzen beachtete er nicht. Er war froh darüber, dass es ihm
gelungen war, das Leben des Propheten zu retten. Abu Bakr war sich darüber im
Klaren, dass die einzige Hoffnung der Menschheit dahin sein würde, wenn dem
Propheten (s), ein Leid zustoßen würde. Dieser Gedanke ließ ihn alles für die
Sicherheit des Propheten und die Ausbreitung seiner Botschaft tun.

Sklavenbefreiung:
Von Jahr zu Jahr setzten die Makkaner den Muslimen mehr und mehr zu und
machten ihnen das Leben schwer. Muslimische Sklaven, die keinen muslimischen
Herrn hatten, mussten am meisten leiden. Sie konnten weder ihren grausamen
Herren davonlaufen, noch wollten sie ihren Glauben aufgeben. Die herzlosen Herren
versuchten alle Arten von Foltern, damit sie den Islam verleugneten. Sie legten sie
nacht auf brennendheißen Sand und beschwerten ihnen dann die Brust mit großen
Steinen. Die armen Sklaven ertrugen das alles ruhig. Für sie gab kein Entkommen;
der Tod war der letzte Ausweg.
Abu Bakrs Reichtum war für viele muslimische Sklaven die Rettung. Er kaufte sie
ihren unmenschlichen Herren ab und gab ihnen die Freiheit. Bilal, der Neger, war
einer dieser Sklaven. Er war Sklave von Umayya ibn Halaf. Umayya war ein
herzloser Mann. Er ließ Bilal entkleiden, zur Mittagszeit auf den heißen Sand legen
und gnadenlos auspeitschen. Trotz dieser Tortur hörte Bilal nicht auf zu rufen:
"Ahadun ahad, Ahadun ahad! (Allah ist der Einzige, Allah ist der Einzige!)"
Als Abu Bakr eines Tages vorbeikam und dies sah, war er von diesem Anblick heftig
bewegt."Warum bist du so grausam gegen diesen hilflosen Menschen?" fragte er
Umayya."Warum kaufst du ihn nicht, wenn du Mitleid mit ihm hast?" erwiderte
Umayya.Da kaufte Abu Bakr Bilal zu einem hohen Preis und gab ihm die Freiheit.
Später wurde Bilal (r) der bekannte Gebetsrufer der Propheten-Moschee in Al-
Madina. Seinen Namen trägt heute die Moschee des Islamischen Zentrums in
Aachen.

Auswanderung nach Abessinien:
Als das Leben für die Muslime in Makka zu schwer wurde, dachten sie daran, in ein
anderes Land zu gehen. Mit der Genehmigung des Propheten (s), wanderte ein Teil
von ihnen nach Abessinien aus. Dort lebten sie in Frieden, und viele Muslime folgten
ihnen. Als einer der ersten Anhänger des Islam zog sich Abu Bakr den besonderen
Zorn und Hass der Oberen von Makka zu. Unter dem starken Druck, dem er sich
bald ausgesetzt fühlte, bat er den Propheten (s), um die Erlaubnis, nach Abessinien
gehen zu dürfen. Der Prophet erteilte ihm die Genehmigung, und er trat seine Reise
an. Unterwegs traf er Ibnu-d-Dagna, das Oberhaupt des Stammes der Qara.
"Wohin geht die Reise?" fragte er. Das Volk von Makka hat mich vertrieben",
antwortete Abu Bakr, "ich gehe nach Abessinien. Dort werde ich in der Lage sein,
dem Allmächtigen Gott auf die Weise zu dienen, wie ich es möchte."
"Ein Mann wie dich sollte man nicht vertreiben", sagte Ibnu-d-Dagna, "du hilfst den
Armen, du bist gütig zu denen, die in Nöten sind, du bist liebenswürdig zu deinen
Gästen. Ich will dich auf meine eigene Verantwortung nach Makka zurückbringen."

So kam Abu Bakr nach Makka zurück. Ibnu-d-Dagna erklärte dem Volk, dass Abu
Bakr unter seinem Schutz stehe und niemand ihm ein Leid zufügen dürfe. Die
Makkaner sagte, sie würden Abu Bakr in Ruhe lassen, wenn er seinen Glauben nicht
öffentlich predigte.
Abu Bakr (r) konnte jedoch dieser Bedingung nicht lange Folge leisten. Bald predigte
er den Islam so öffentlich wie zuvor. Die Makkaner beklagten sich bei Ibnu-d-Dagna.
Dieser bat Abu Bakr, seine Lage nicht zu erschweren. Darauf antwortete Abu Bakr
(r):"Ich brauche deinen Schutz nicht. Allah schützt mich."

Der Titel "As-Siddiq"
Im zehnten Jahr seiner Botschaft erlebte der Prophet (s), das wunderbare Ereignis
des "Isra und Mi'rag". Der Engel Gabriel (a.s.) kam eines Nachts mit der
Aufforderung Allahs des Allmächtigen, der Prophet solle in den Himmel auffahren.
Der Prophet unternahm zunächst die Reise von Makka nach Jerusalem in einer
einzigen Nacht; dann stieg er von dort mit Gabriel in den Himmel empor.
Am nächsten Morgen berichtete der Prophet (s), dem Volk nur über seinen Besuch in
Jerusalem. Das zog ihm den Hohn seiner Feinde zu.
"Hört nur", schrieen sie, "was für einen Unsinn er schwatz! Jetzt werden wohl auch
seine Anhänger über ihn lachen. Wer glaubt schon an einen solchen
Mittsommernachttraum?" Das Gerede hielt noch an, als Abu Bakr (r) erschien.
"Weißt du auch, Abu Bakr, welche Neuigkeiten dein Freund heute morgen für dich
hat?" fragte einer der Männer. "Er sagte, er sei lezte Nach in Jerusalem gewesen.
Glaubst du das?".“Ich glaube alles, was der Gesandte Allahs sagt", entgegnete Abu
Bakr. Als der Prophet (s), Allahs Segen und Friede auf ihm, dies erfuhr, sagte er
gleich: "Abu Bakr ist ein Siddiq"
Ein "Siddiq" ist ein Mann so aufrichtigen Herzens, dass niemals ein Zweifel seine
Lieb beeinträchtigen kann. Abu Bakr (r) bekam diesen Titel, weil sein Glaube zu fest
war, um durch irgendetwas erschüttert zu werden.

Auswanderung nach Al-Madina:
Da die Makkaner die Absicht zeigten, das Licht des Islam ein für allemal
auszulöschen, befahl Allah (t) dem Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm,
nach Al-Madina zu ziehen.
In der brennenden Hitze der Mittagssonne klopfte es an Abu Bakrs Tür. Als er
öffnete, stand draußen der Gesandte Allahs. "Ich muß heute Nacht nach AI-Madina
reisen", sagte er. "Erlaubst du, daß ich mit dir gehe?" fragte Abu Bakr begierig.
"Natürlich", war die Antwort, "mache alles fertig für die Reise."
Abu Bakr (r) war außer sich vor Freude. "Schon seit Monaten habe ich auf diesen
Tag gewartet", rief er aus.
"Ich habe zwei Kamele bereitgestellt, die uns nach Al- Madina bringen sollen."
Alle Vorbereitungen für diese historische Reise wurden von Abu Bakr (r) getroffen.

Drei Tage lang lagen er und der Prophet. Allahs Segen und Friede auf ihm. versteckt
in der Höhle des Berges Taur.
Abu Bakrs Diener kümmerte sich täglich um die Ziegenherden in der Nähe der Höhle
und versorgte die beiden Männer mit frischer Milch.
Abu Bakrs Sohn ' Abdullah brachte Neuigkeiten über die Makkaner; denn diese
suchten den Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, wie versessene
Jagdhunde.
Einmal kamen sie vor den Eingang der Höhle. Abu Bakr wurde bleich vor Schreck. Er
fürchtete nicht für sich, sondern für den Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm.
Dieser blieb jedoch vollkommen ruhig. "Fürchte dich nicht", sagte er zu Abu Bakr,
"Allah ist gewiß mit uns."
Abu Bakr hatte die Ehre, die schwierigsten Tage im Leben des Propheten mit ihm zu
teilen. Er war sich sehr wohl bewußt, was diese Ehre bedeutete. Und er rechtfertigte
das in ihn gesetzte Vertrauen voll und ganz.

Beteiligung an Kämpfen:
Abu Bakr (r) nahm an allen Kämpfen teil, die der Prophet, Allahs Segen und Friede
auf ihm, zu bestehen hatte. Sein Leben lang schlug er sich tapfer unter dem Banner
des Islam. Bei Uhud und Hunain zeigten einige Männer Schwäche. Sie vergaßen,
ihre Pflicht zu tun. Aber Abu Bakrs Glauben schwankte niemals. Er stand immer wie
ein Fels an der Seite des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm.
In Badr kämpfte einer von Abu Bakrs Söhnen, der den Islam noch nicht
angenommen hatte, auf der Seite der Makkaner. Als er später Muslim geworden war,
sagte er eines Tages: "Vater, bei Badr war dein Leben zweimal in meiner Hand. Aber
meine Liebe zu dir hielt mein Schwert zurück."
"Mein Sohn", bemerkte Abu Bakr, "wenn ich eine solche Gelegenheit auch nur
einmal gehabt hätte, wärst du nicht mehr."
Bei den Friedensgesprächen in Al-Hudaibiya saß Abu Bakr an der Seite des
Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm. Während der Verhandlung zupfte der
Sprecher der Qurais - wie es in Arabien üblich war, wenn man jemanden ärgern
wollte - immer wieder den Bart des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm. Das
war für Abu Bakr schließlich zuviel. Er zog sein Schwert und sah den Mann zornig
an. "Wenn diese Hand den Bart des Propheten noch einmal berührt", warnte er,
"werde ich verhindern, daß du sie zurückziehst!"
Dies setzte die Unterhändler von Makka in Erstaunen.
"Was für ein Wandel in Abu Bakr!" flüsterten sie sich zu. "Er ist als weichherzig
bekannt. Wie hart und fest ist er jetzt geworden! Er ist nicht mehr derselbe Abu
Bakr."

Der Feldzug nach Tabuk war die letzte Unternehmung des Propheten, Allahs Segen
und Friede auf ihm. Sie sollte ein großer Erfolg werden. Er bat die Leute, dabei zu
helfen, so gut sie konnten. Diesmal übertraf Abu Bakr (r) alles bisher Geleistete: Er
nahm all sein Hab und Gut und häufte es vor die Füße des Propheten, Allahs Segen
und Friede auf ihm. "Hast du auch etwas für deine Frau und deine Kinder
zurückbehalten?“fragte der Prophet.
"Allah und Sein Gesandter genügen ihnen", entgegnete Abu Bakr ruhig.
Die Umstehenden waren verblüfft. Es war unmöglich, Abu Bakr im Dienst für den
Islam zu übertreffen. Dem Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, gefiel diese
Antwort, und er machte Abu Bakr zum Bannerträger des Feldzuges. Abu Bakrs
Anhänglichkeit an den Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, und seine
grenzenlose Ergebenheit in den Willen Allahs verschafften ihm allgemeine Achtung.
Er war nicht nur der erste Mann, der den Islam angenommen hatte, sondern auch die
beste Stütze des Islam unter den Muslimen.

Abu Bakr vertritt den Propheten:
Makka fiel im 8. Jahre n.H. Die Al-Kaba befand sich jetzt erstmals in den Händen der
Muslime; sie mußte von allen Spuren des Götzendienstes und alberner Übungen
heidnischer Tage gereinigt werden. Denn bis dahin hatten heidnische Araber in der
Zeit der Pilgerfahrt (Hagg) absurde Dinge getan. Sie gingen nackt um das Haus
Allahs und taten viele andere närrische und unreine Dinge. All dies mußte aufhören.
Der erste Hagg der Muslime fiel in das 9. Jahr n.H. Der Prophet, Allahs Segen und
Friede auf ihm, war in Al-Madina sehr beschäftigt, um den Hagg selbst zu leiten. So
sandte er Abu Bakr als seinen Stellvertreter, der alles für ihn erledigen sollte. Mit ihm
wurde auch ' Alyy gesandt. Abu Bakr las die Predigt (Hutba) des Hagg.Dann stand
'Alyy auf und las der Gemeinde die Befehle Allahs vor, die die Götzenanbeter
betrafen; von diesem Jahr an war es ihnen verboten, die AI-Ka'ba zu betreten.
Der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, leitete gewöhnlich selbst die
gemeinsamen Gebete in seiner Moschee in Al-Madina. Es waren ungewöhnlich
schöne Gebete. Während seiner letzten Krankheit konnte der Prophet, Allahs Segen
und Friede auf ihm, aber die Gebete nicht mehr selbst leiten. Er war zu schwach
geworden, um in die Moschee zu gehen. Er mußte jemanden ernennen, der seinen
Platz einnahm. Diese Ehre fiel Abu Bakr zu. 'A'ischa (r), die Tochter Abu Bakrs und
eine Frau des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, meinte, daß diese Bürde
für ihren weichherzigen Vater zu schwer sei. Sie bat den Propheten, Allahs Segen
und Friede auf ihm, ihren Vater von dieser Pflicht zu entbinden. Aber der Prophet
blieb bei seiner Entscheidung.
So kam Abu Bakr (r) zu Lebzeiten des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm,
zur höchsten Würde des Islam. Als Abu Bakr eines Tages geschäftlich unterwegs
war, leitete 'Umar (r) in seiner Abwesenheit das gemeinsame Gebet. "Das ist nicht
Abu Bakrs Stimme", sagte der leidende Gesandte Allahs, "Niemand außer ihm sollte
die Gebete vorsprechen." Denn Abu Bakr war die am meisten geeignete Person für
dieses hohe Amt.

Am letzten Tage seines Lebens besserte sich der Zustand des Propheten, Allahs
Segen und Friede auf ihm, für kurze Zeit. Es war früh am Morgen. Abu Bakr leitete
das Gebet in der Moschee. Der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, hob den
Vorhang vor seiner Tür und richtete den Blick auf die Betenden. Sie waren unter Abu
Bakrs Leitung im Gebet vertieft. Ein Lächeln erleuchtete das blasse Gesicht des
Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm. Er ließ den Vorhang fallen, als seine
schwache Hand ihn nicht mehr halten konnte. Aber er war glücklich bei dem
Gedanken, daß er den besten Mann zu seinem Stellvertreter bestimmt hatte.

Abu Bakr wird Kalif:
Ein kritischer Augenblick
Der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, nahm einen einmaligen Platz in den
Herzen der Menschen ein. Er bedeutete ihnen alles. Aus sich bekämpfenden,
unwissenden Heiden hatte er ein friedvolles, gottesfürchtiges Volk gemacht. Sie
waren "tot", wie es im Qur'an heißt, und der Prophet, Allahs Segen und Friede auf
ihm, hatte sie "zum Leben erweckt". So sahen sie mit Recht in diesem Sinne auf ihn
als den Spender des Lebens. Das Leben ohne ihn erschien ihnen leer.
Die Nachricht vom Tode des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, war ein
niederschmetternder Schock für jeden. Wie konnte das sein? Alle wußten, daß er
einige Tage krank gewesen war. Aber sein Tod war unvorstellbar. Das durfte einfach
nicht wahr sein! Eine riesige Menge versammelte sich in der Moschee. Niemand
wußte, was man tun sollte. Es herrschte äußerste Verwirrung. 'Umar (r) war so
übermannt von seinem Schmerz, daß er sein Schwert zog und erklärte:
"Wenn jemand sagt, der Gesandte Allahs sei tot, werde ich ihm den Kopf
abschlagen!"
In diesem Augenblick betrat Abu Bakr (r) die Moschee. Am frühen Morgen hatte er
sich einige Meilen von AI-Madina entfernt, weil es dem Propheten, Allahs Segen und
Friede auf ihm, besser gegangen war. Aber als er zurückkam, hörte er die traurige
Nachricht. Er stellte sich in einer Ecke des Hofes auf und rief die Menschen zu sich.
Alle Augen waren auf ihn gerichtet. Da begann er seine berühmte Ansprache:
"O ihr Menschen! Falls einer von euch Muhammad verehrt hat, so soll er wissen, daß
Muhammad tot ist; aber wer Allah angebetet hat, der soll wissen, daß Allah lebt und
unsterblich ist. Laßt uns alle die Worte des Qur'an ins Gedächtnis zurückrufen, die
heißen: »Und Muhammad ist nur ein Gesandter; schon vor ihm gingen die
Gesandten dahin. Und ob er stirbt oder getötet wird, werdet ihr auf euren Fersen
umkehren? Und wer auf seinen Fersen umkehrt - nimmer schadet er Allah etwas;
aber Allah wird wahrlich die Dankbaren belohnen.«" (Sura 3:144).
Diese Worte Abu Bakrs wirkten Wunder. Im Nu war die Verwirrung verschwunden.
Die Worte des Qur'an fegten alle Zweifel aus den Gedanken der Menschen hinweg.
Sie waren bereit, den Tatsachen ins Auge zu sehen.

Abu Bakrs Wahl:
Die erste Aufgabe war die Wahl eines neuen Führers. Der Staat mußte ein
Oberhaupt haben, sonst konnte es nicht weitergehen. Die Sache war zu dringend,
um aufgeschoben zu werden. Ein Aufschub hätte Unordnung bedeutet und alles
zunichte gemacht, was der Gesandte Allahs geschaffen hatte. Allahs Prophet, Allahs
Segen und Friede auf ihm, war gestorben, aber der Islam und sein Staat mußten
weiterleben. Die beiden großen Gruppen der Muslime waren die Muhagirun und die
Ansar. Die Ansar sammelten sich in Taqifat Bani Sa'ida, ihrem Treffpunkt nahe beim
Hause des Sa'd Ibn 'Ubada. Das Gespräch drehte sich natürlich um die Wahl des
Kalifen. Sa'd, der Führer der Ansar, stand auf und sagte, daß der Kalif aus ihren
Reihen stammen müsse. Viele Stimmen pflichteten ihm bei. Ein Mann jedoch stand
auf und fragte:
"Aber was ist mit den Muhagirun? Sie haben vielleicht einen größeren Anspruch."
"Dann sollen es eben zwei Kalifen sein", schlug einer vor, "einer von den Ansar und
einer von den Muhagirun." Jemand erzählte Abu Bakr (r), was bei dieser
Zusammenkunft gesprochen worden war. Er erkannte die Notwendigkeit, schnell zu
handeln, um eine neue Verwirrung zu verhindern. Daher ging er mit einer Gruppe
von Muslimen nach Taqifat Bani Sa'ida. Er wandte sich mit folgenden Worten an die
Versammelten:

"Beide, Muhagirun und Ansar, haben große Verdienste um den Islam erworben. Aber
die Muhagirun waren als erste zum Islam gekommen. Sie waren immer sehr eng mit
dem Gesandten Allahs verbunden. Daher, Leute der Ansar, laßt den Kalifen aus ihrer
Reihe sein!" Darauf erwiderte ein Mann aus dem Stamm Al-Hazrag: "Wenn du
keinen Kalifen aus unserer Mitte willst, dann laß es doch zwei Kalifen geben, einen
Ansaryy, und einen Muhagir."
"So geht es nicht", sagte Abu 'Ubaida Ibn Al-Garrah, "Ansar, ihr seid diejenigen, die
den Islam stark gemacht haben. Jetzt tut nichts, was eure Arbeit zunichte machen
könnte!" Als er das hörte, stand ein anderer Mann aus dem Stamm Al-Hazrag auf
und sagte:
"O Ansar! Was wir auch für den Islam getan haben, geschah zu Ehren Allahs und
Seines Gesandten. Wir taten es nicht, um damit irgend jemand zu verpflichten. Es
sollte kein Vorwand sein, um ein Amt zu erlangen. Hört, der Prophet gehörte zum
Stamm der Qurais. Die Qurais haben ein größeres Recht, seinen Platz einzunehmen.
Bei Allah, ich halte es nicht für richtig, mit ihnen darüber zu streiten. Fürchtet Allah
und widersprecht ihnen nicht!"
Diese Rede eines Mannes aus ihrer Mitte brachte die Ansar zum Schweigen. Sie
stimmten zu, daß ein Muhagir Kalif werden sollte.
Abu Bakr sagte:
"Freunde, ich denke, entweder 'Umar oder Abu 'Ubaida sollte Kalif werden. Wählt
einen von den beiden! "
Als sie das hörten, sprangen 'Umar und Abu 'Ubaida auf und riefen:
"O Siddiq, wie kann das sein? Wie kann ein anderer dieses Amt ausüben, solange
du unter uns bist? Du bist der erste Anwärter unter den Muhagirun. Du warst der
Gefährte des Propheten in der Höhle des Berges Taur. Du leitetest die gemeinsamen
Gebete an seiner Stelle während seiner letzten Krankheit. Das Gebet steht an erster
Stelle im Islam. Mit all diesen hervorragenden Voraussetzungen bist du die am
besten geeignete Person als Nachfolger des Propheten. Strecke deine Hand aus,
daß wir dir die Bai'a geloben können."
Aber Abu Bakr streckte seine Hand nicht aus. 'Umar sah, daß dieses Zögern alle
Fragen erneut aufrollen würde. Das hätte leicht neue Schwierigkeiten schaffen
können. So ergriff er selbst Abu Bakrs Hand und gelobte ihm seine Bai'a. Andere
folgten seinem Beispiel, und dann strömten von allen Seiten die Männer herbei, um
dem Nachfolger des Propheten ihre Bai'a zu bekunden. So wurde Abu Bakr (r) Kalif
mit allgemeiner Zustimmung der islamischen Gemeinde.


Die erste Ansprache:
Am folgenden Tag ging Abu Bakr (r) in die Propheten-Moschee. Hier legte das Volk
die Bai'a ab. Danach bestieg Abu Bakr das Podest als Kalif des Islam und sprach zur
versammelten Menge:
"O ihr Menschen! Ich bin zu eurem Führer gewählt worden, obgleich ich nicht besser
bin als irgendeiner von euch. Wenn ich etwas Gutes tue, gebt mir eure
Unterstützung! Tue ich etwas Falsches, dann macht mich darauf aufmerksam! Hört,
Wahrheit ist Ehrlichkeit, und Unwahrheit ist Unehrlichkeit. Die Schwachen unter euch
sind in meinen Augen so lange mächtig, bis ich ihnen das gegeben habe, was ihnen
zusteht, wie Allah es will. Die Mächtigen unter euch dagegen sind so lange schwach
in meinen Augen, bis ich ihnen das genommen habe, was den anderen zusteht, wie
Allah es will. Ich sage euch, wenn die Menschen aufhören, den Willen Allahs zu
erfüllen, läßt Allah sie in Ungnade fallen. Wenn die Menschen zu Übeltätern werden,
schickt Allah Unglück über sie. Merkt euch, ihr müßt mir so lange gehorchen, wie ich
Allah und Seinem Gesandten, Allahs Segen und Friede auf ihm, gehorche. Wenn ich
Allah und Seinem Gesandten nicht gehorche, braucht ihr mir auch nicht zu
gehorchen!"

Usamas Feldzug nach Syrien:
Einige Wochen vor seinem Tod hatte der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm,
Usama zum Führer eines Feldzuges gegen Syrien ernannt. Usama sollte den Tod
seines Vaters Zaid, des freigelassenen Dieners des Propheten, rächen. Zaid (r) war
von den Syrern in der Schlacht von Mu'ta getötet worden. Während der Vorbereitung
des Feldzuges wurde der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, ernstlich krank
und starb. Dadurch verzögerte sich Usamas Aufbruch um einige Wochen. Sobald
nachdem Abu Bakr Kalif geworden war, dachte er daran, den Feldzug
durchzuführen.
Der Tod des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, brachte einige Leute auf
den Gedanken, daß mit seinem Ende auch das Ende des Islam gekommen sei. Viele
Stämme waren erst vor kurzer Zeit in die Gemeinde des Islam aufgenommen
worden. Doch waren sie keinesfalls fest im neuen Glauben.
Bei vielen von ihnen wurden Anzeichen bemerkt, daß sie aus der Gemeinschaft des
Islam ausbrechen wollten. Abu Bakr sah sich in einer schwierigen Lage. Er mußte die
Befehle des Propheten um jeden Preis ausführen und den vom Gesandten Allahs
geplanten Feldzug unternehmen. Einige der Sahaba meinten jedoch, daß es besser
sei, diesen Gedanken in dieser Lage fallen zu lassen.
"Überall braut sich Unruhe zusammen", sagten sie. "Es sei unklug, Truppen in ein
fremdes Land zu senden, wenn sie dringend im eigenen Land gebraucht würden."
Aber Abu Bakr wollte nicht auf sie hören.
"Wie kann ich die Flagge einziehen, die der Gesandte Allahs selbst entfaltet hat?"
fragte er. "Es ist einfach undenkbar!" Dann wandten einige ein, daß Usama noch zu
unerfahren sei -er war noch keine 20 Jahre alt -, um den Feldzug zu führen. Es sei
klüger, einem erfahreneren Mann das Kommando zu übertragen. Diese Bedenken
erregten Abu Bakrs Zorn. "Welches Recht habe ich", fragte er, "einen Mann
abzusetzen, der vom Gesandten Allahs ernannt worden ist?"

So brach die Expedition unter Usama ungefähr drei Wochen nach dem Tod des
Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, auf. Abu Bakr begleitete Usama ein
Stück des Weges. Der jugendliche Befehlshaber war zu Pferde, während der Kalif
neben ihm zu Fuß ging. Usama sagte: "O Nachfolger des Gesandten Allahs, nimm
doch auch ein Pferd oder erlaube mir, abzusitzen!"
"Bei Allah ", entgegnete Abu Bakr, "ich stimme keinem der beiden Vorschläge zu.
Was macht es schon, wenn meine Füße staubig werden, während ich einige Schritte
auf Allahs Wegen schreite? Jeder Schritt auf Allahs Wegen wiegt so viel wie 700
gute Taten."
Auch 'Umar war unter Usamas Kommando. Aber Abu Bakr brauchte ihn in AI-Madina
als Berater. Deshalb bat er Usama um die Einwilligung, daß 'Umar in AI-Madina
bliebe. Usama war einverstanden.
Ehe der Kalif sich von Usama trennte, gab er ihm viele wertvolle Ratschläge, unter
anderem:

"Sei nicht unehrlich! Täusche niemanden! Verstecke deine Kriegsbeute nicht!
Verstümmele niemanden! Töte nicht Frauen, Alte und Kinder! Verbrenne keine
Dattelpalmen! Schlage keine Obstbäume um! Schlachte eine Ziege, eine Kuh oder
ein Kamel nur als Nahrung! Du wirst Menschen antreffen, die der Welt entsagt und
sich in ein Kloster zurückgezogen haben; laß sie in Frieden!"
Usamas Feldzug war sehr erfolgreich. Er fiel in die Grenzbezirke Syriens ein und
kehrte nach 40 Tagen nach Al-Madina zurück. Das Unternehmen brachte noch einen
weiteren Erfolg. Es öffnete denen die Augen, die glaubten, daß der Islam am Ende
sei. Sie erhielten den klaren Beweis dafür, daß der Islam es mit den größten Mächten
der damaligen Welt aufnehmen konnte. Dies beeindruckte die schwankenden
Stämme. Einige von ihnen, die erst kürzlich vom Islam abgefallen waren, kehrten in
seine Gemeinschaft zurück.

Kampf gegen Schwindler und Abtrünnige:
Die Schwindler
Bald geriet das Land in einen Bürgerkrieg. Die entlegenen Provinzen, wie Nagd,
waren die ersten, in denen Schwierigkeiten entstanden. Sie hatten den Islam
angenommen, als ihnen der Anschluß an die Muslime die größte Sicherheit bot. Sie
wußten nichts vom wahren Geist des Islam. Jahrhundertelang waren sie von keiner
fremden Macht beherrscht worden. Sie waren es gewohnt, so frei zu sein wie der
Wind, der über die Wüste weht. Der Islam legte ihnen Disziplin auf» und sie mußten
nach seinen moralischen Gesetzen leben. Alkohol und Glücksspiel wie in den Tagen
der "Gahiliya" gab es nicht mehr. Der freie Geist der Wüste lehnte sich gegen diesen
moralischen Zwang auf. Der Tod des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm,
schien ihnen eine günstige Gelegenheit zu sein: Jetzt war die Zeit gekommen, das
vermeintliche Joch des Islam abzuschütteln. Besonders lästig war den Oberhäuptern
dieser Stämme die Zakah. Die Regierung von Al-Madina nahm ihnen jedes Jahr 2,5
% ihres gesamten Besitzes. Gewiß wurde dieses Geld für die Armen ihres eigenen
Stammes verwendet. Aber es wurde trotzdem als Belastung empfunden. Sie wollten
Muslime bleiben, falls AI-Madina die Zakah abschaffen würde. Viele
Stammesoberhäupter ließen den Kalifen diese Entscheidung wissen.

Gleichzeitig tauchte eine noch ernstere Schwierigkeit auf. Menschen, die den
Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, weder persönlich gekannt noch genau
über ihn Bescheid wußten, sahen in ihm nichts anderes als einen Herrscher.
DieSchlaueren unter ihnen begannen, von einem ähnlichen "Aufstieg" zu träumen.
"Alles, was wir tun müssen", dachten sie bei sich, "ist, Prophet zu werden und ein
Gefolge zu haben."
Auf diese Weise hofften sie, zu Macht und Ruhm zu gelangen. Mancher tüchtige
Mann fiel diesem Wunschtraum zum Opfer, und schließlich tauchte eine Unmenge
von Schwindlern in verschiedenen Teilen Arabiens auf. Alle behaupteten von sich,
Propheten zu sein.

Die Lage war ernst, und deshalb war äußerste Umsicht notwendig. Abu Bakr (r) rief
seine Ratgeber zusammen, um ihre Ansichten zu hören. Viele befürworteten
behutsames Vorgehen.
"Es ist nicht klug“, sagten sie, "den Kampf an allen Fronten zur gleichen Zeit
aufzunehmen. Gehe im Augenblick nicht gegen die vor, die sich weigern, die Zakah
zu zahlen. Wir können uns mit ihnen noch befassen, wenn wir mit den Schwindlern
fertig sind."
Aber Abu Bakr wollte nicht auf diesen Rat hören. "Bei Allah ", erklärte er, "selbst
wenn einer nur ein Zicklein schuldig ist, muß er es hergeben, auch wenn er sich
weigert.
Ich werde ihn deshalb bekämpfen Wenn andere mich dabei nicht unterstützen,
werde ich es allein tun. Niemand ist befugt, ein Gebot Allahs abzuwandeln."
Die Lage war wirklich äußerst schwierig. Zu den Verweigerern der Zakah
gehörten die Nachbarstämme der 'Abs und Dubyan, der Asad und Tay'. Sie wollten
ein Zugeständnis des Kalifen erzwingen, ehe Usamas Streitmacht nach Al-Madina
zurückkäme. Sie sandten deshalb eine Abordnung zum Kalifen mit dem
Angebot, in der Gemeinschaft des Islam zu bleiben, wenn ihnen die Zakah
erlassen würde.
Wie zu erwarten war, wies Abu Bakr den Vorschlag entschieden zurück. Gleichzeitig
veranlaßte er die Verstärkung der Verteidigung AI-Madinas; denn er erwartete einen
hinterhältigen Angriff der aufrührerischen Stämme.

In der dritten Nacht kam der tückische Schlag. Aber Abu Bakr war darauf vorbereitet.
Er schlug so heftig zurück, daß die Feinde Hals über Kopf flohen.
Einige Tage später kehrte Usama nach AI-Madina zurück. Der Kalif entschied nun,
persönlich gegen die verräterischen Stämme in den Kampf zu ziehen. Das Volk bat
ihn, sein Leben nicht aufs Spiel zu setzen. Aber Abu Bakr hörte nicht darauf. Er ließ
Usama als seinen Stellvertreter in AI-Madina zurück, führte ein Heer gegen Abs und
Dubyän und besiegte diese Stämme endgültig. Ihre Weiden wurden dem Heer zur
Nutzung überlassen.

Diese entschlossene Tat überzeugte manchen Schwankenden davon, daß es
unmöglich ist, einen Teil des Islam anzunehmen und den anderen abzulehnen. Sie
bestätigte, daß der Islam das ganze Leben als Einheit durchdringt. Und so wurden
durch den unbesiegbaren Glauben Abu Bakrs die Grundlagen des Islam gesichert.

Krieg gegen die Schwindler

Nun war die Zeit gekommen, gegen die Schwindler vorzugehen. Usamas Heer war
ausgeruht und bereit zu neuen Taten. Abu Bakr (r) ließ es etwa 12 Meilen auf den
Weg zum Nagd marschieren. Hier teilte er es in 11 Bataillone. Jede dieser
Abteilungen wurde unter den Befehl eines erfahrenen Anführers gestellt und sollte
gegen einzelne Schwindler vorgehen.
Vor Aufbruch dieser Streitmacht wurden die Schwindler und ihr Anhang gewarnt.
Ihnen wurde Vergebung zugesichert, wenn sie zum Islam zurückkehrten. Der Kalif
gab folgende Anweisung an seine Befehlshaber:
"Ich verlange von den Soldaten des Islam, unter allen Umständen Allah zu fürchten
und Seine Gebote einzuhalten. Sie sollen gegen diejenigen kämpfen, die vom Islam
abgefallen und in die Fänge Satans geraten sind. Aber ehe sie ihr Schwert ergreifen,
müssen sie die Botschaft des Islam verkünden. Wenn die Abtrünnigen sie
annehmen, sollen die Soldaten sofort einhalten und die Waffen senken. Aber wenn
die Botschaft zurückgewiesen wird, müssen sie angreifen und solange kämpfen, bis
die Gegner ihren Unglauben ablegen. Wenn die Abtrünnigen zum Islam
zurückfinden, muß der Befehlshaber des muslimischen Heeres ihnen die Rechte und
Pflichten im Islam erklären, man soll ihnen dann ihre Rechte geben und sie
veranlassen, ihre Pflicht zu tun. Der Befehlshaber soll seine Männer von übereilten
Handlungen und Untaten zurückhalten. Er soll vermeiden, daß sie blindlings in
feindliche Siedlungen einfallen. Sie sollen mit der gebotenen Vorsicht eindringen,
damit die Muslime keinen Verlust erleiden. Sowohl auf dem Marsch als auch im
Lager soll der Kommandierende gütig und rücksichtsvoll zu seinen Männern sein. Er
soll darauf achten, daß sie mit allem Nötigen versorgt sind, und freundlich mit ihnen
sprechen." Der Kalif erläuterte den Hauptleuten diese Anweisungen; dann führten sie
ihre Bataillone gegen die verschiedenen Schwindler.
Abu Bakr (r) kehrte nach Al-Madina zurück. Er hatte bereits die Schwankenden unter
den Muslimen gezwungen, Zakah zu zahlen. Jetzt unternahm er einen umfassenden
Angriff gegen die Schwindler und ihre Anhänger.

Einer der Schwindler war Tulaiha. Er gehörte zum Stamme Banu Asad. Nach seiner
letzten Pilgerreise erhob er Anspruch darauf, ein Prophetzu sein, und alle seine
Stammesgenossen wurden seine Anhänger. Die Stämme Tay' und Gatafan, die
Verbündeten der Banu Asad, schlössensich auch dem Schwindler an. Mit dieser
großen Anhängerschaft lagerte Tulaiha bei der Quelle Bazaha im Nagd. Halid Ibn Al-
Walid besiegt ihn, und Tulaiha floh nach Syrien. Später wurde er wieder Muslim. Er
diente in der muslimischen Armee während des irakischen Feldzugesund versuchte,
für seine vergangenen Sünden Buße zu tun.

Malik Ibn Nuwaira:
Halid (r) marschierte dann gegen Malik Ibn Nuwaira, das Stammesoberhaupt der
Banu Tamim. Dieser hatte die Zahlung der Zakah eingestellt und die Muslime seines
Stammes bekämpft. Als er von Halids Anmarsch hörte, löste er seine Truppen auf.
Halid stellte ihn und seine Männer unter Arrest. Nun war es in dieser Nacht
ungewöhnlich kalt, und die Gefangenen begannen zu frieren. Halid ordnete daher an,
daß sie gewärmt werden sollten. Aber das arabische Wort für "wärmen" bedeutet
auch "erschlagen" Da die Wachen den Befehl mißverstanden, töteten sie Malik und
seine Männer mit dem Schwert.
Als Halid am nächsten Morgen von Maliks Schicksal erfuhr, wurde er sehr traurig.
Aber er konnte die Tat nicht ungeschehen machen.
"Was Allah fügt, geschieht", sagte er. Den Kalifen erreichten Klagen darüber, daß
Halid in diesem besonderen Fall nicht nach dessen Anweisungen gehandelt habe.
Man verlangte, daß Halid für diese übereilte Handlung bestraft werden solle. Aber
Abu Bakr zahlte selbst das Blutgeld für Malik Ibn Nuwaira.
Er sagte:
"Halid ist das Schwert Allahs. Dieses Schwert hat Ungläubige wie ein Blitz getroffen.
Wie kann ich dies ungeschehen machen?"

Musailima, der Lügner:
Musailima war der listigste aller Schwindler. Er gehörte zu den Yamama. Als er von
der schweren Krankheit des Propheten Muhammad, Allahs Segen und Friede auf
ihm, erfuhr, schrieb er ihm einen Brief:
"Allah hat mich zum Teilhaber an deinem Prophetentum gemacht. Laßt uns die Erde
unter uns beiden aufteilen! "
Darauf entgegnete der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm:
"An Musailima, den Lügner! Gewiß ist, daß die Erde Allah gehört. Er gibt sie denen
Seiner Diener zum Besitz, die Er liebt."
Beim Tode des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, sah Musailima seine
Gelegenheit gekommen. Er sammelte ein großes Heer.
Diese Armee mußte er zuerst mit einer Betrügerin namens Sagah, einer Christin
teilen. Nach dem Tode des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, wollte sie
auch als Prophetin gelten.
"Warum sollen alle Propheten Männer sein?" fragte sie. "In mir hat Allah nun eine
Frau als Prophetin gesandt." Sie stellte eine große Armee auf und marschierte in
Richtung Al-Madina. Unterwegs stieß sie auf Musailimas Streitkräfte. Der gerissene
Betrüger erkannte sofort, daß Sagah eine ernstzunehmende Rivalin war und daß er
sie auf dem Schlachtfeld nicht besiegen konnte. So fing er eine Liebesgeschichte mit
ihr an. Sagah ging ihm leicht in die Falle und heiratete ihn. Nun hatte Musailima ein
großes Heer von 4000 Mann unter seinem Kommando.
Das Bataillon unter Ikrima Ibn Abu Gahl sollte Musailima angreifen, das Bataillon
unter Surahbil war als Verstärkung gedacht. 'Ikrima hatte den Befehl, auf die
Verstärkung zu warten. Aber in der Hoffnung, den Ruhm für sich allein zu gewinnen,
wartete 'Ikrima nicht ab. Er griff Musailima an und wurde geschlagen. Diese
Nachricht stimmte Abu Bakr traurig. Er beauftragte sofort Halid Ibn Al-Walid,
Musailima anzugreifen. Die vereinigten Bataillone von Halid und Surahbil fielen nun
über den Schwindler her. Musailima kämpfte verzweifelt. Einer seiner Leute erreichte
sogar Halids Zelt. Aber Halid behielt die Nerven. Er sammelte seine Leute erneut und
führte selbst einen letzten Angriff. Verblüfft über den plötzlichen Ansturm ergriffen
Musailimas Männer die Flucht. Der Schwindler und einige seiner Begleiter verbargen
sich in einem befestigten Garten. Aber die Krieger des Islam rannten seine Tore ein,
und der niederträchtige Schwindler und seine Freunde fielen dem Schwert zum
Opfer.

Unter denen, die Musailima niedermachten, befand sich auch Wahsyy, der
Negerdiener, der Hamza, den Onkel des Propheten, bei Uhud getötet hatte. Er hatte
dies getan, um seine Freiheit zu erlangen. Hind, die Frau Abu Sufyans, hatte ihm
versprochen, ihn freizukaufen, wenn er Hamza (r) erschlüge. Nach dem Fall von
Makka wurde Wahsyy Muslim. Der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm,
vergab ihm, sagte aber:
"Wahsyy, geh bitte aus meinen Augen. Du erinnerst mich an meinen lieben Onkel"
Wahsyy war immer traurig wegen seiner Sünde und wollte sich davon reinwaschen.
Die Schlacht gegen Musailima gab ihm hierzu Gelegenheit: Mit seinem Wurfspeer
versuchte er, ihn zu treffen. Geschickt stieß er die vergiftete Spitze in seinen Körper,
und der Schurke fiel mit einem Aufschrei zu Boden. Im nächsten Augenblick wurde
ihm der Kopf abgetrennt.
"Alles Lob gebührt Allah!" rief Wahsyy aus. "Ich habe damit meine Sünde wieder
gutgemacht!"
Musailima gehörte zum Stamm der Banu Hanifa. Der Kalif ordnete an, daß alle
Männer des Stammes, die die Waffen gegen den Islam erhoben hatten, getötet
werden sollten. Aber Halid (r) hatte bereits versprochen, ihr Leben zu schonen.
Deshalb galt sein Wort, und der ganze Stamm nahm den Islam wieder an.

Al-Bahrain:
Das Volk von Al-Bahrain nahm den Islam zu Lebzeiten des Propheten, Allahs Segen
und Friede auf ihm, an. Nach seinem Tod warf der mächtige Stamm der Banu Bakr
den von ihnen als Joch empfundenen Islam jedoch ab und begann, gegen die
Muslime zu kämpfen. Abu Bakr sandte ein Bataillon unter 'Ala Ibn Al-Hadramyy, um
den aufrührerischen Stamm zu unterwerfen. Die Banu Bakr wurden besiegt und ihr
Anführer Hatim getötet - Al-Bahrain war wieder fest unter muslimischer Herrschaft.
Auch einige Stämme von 'Uman fielen vom Islam ab, Abu Bakrs Heeresführer
brachten sie aber alle in die Gemeinschaft des Islam zurück.
So gelang es Abu Bakr in wenigen Monaten, den Aufruhr zu unterdrücken, den die
Schwindler im ganzen Land verursacht hatten. Halid Ibn Al-Walid (r) trug hierzu mehr
bei als jeder andere.

Krieg mit Persien:
Das Zeitalter der Eroberungen beginnt
Die Kaiser Persiens hatten alles, was sie konnten, getan, um den Islam zu
vernichten. Der schändliche Khusro Pravez hatte sogar befohlen, den Propheten,
Allahs Segen und Friede auf ihm, einzusperren. Aber einige Tage darauf wurde er
von seinem Sohn Scharuya getötet. Von diesem Tag an kannte Persien keinen
Frieden mehr, und Abu Bakr mußte mit einer ständigen Gefahr an den östlichen
Grenzen rechnen.
Im ersten Monat des Jahres 12 n.H. wurde Halid Ibn Al-Walid ausgesandt, um die
persischen Streitkräfte anzugreifen. Ein anderes Heer unter Al-Qa'qa' Ibn 'Amr sollte
ihn unterstützen. Halid sollte Ramla, den südlichen Vorposten des persischen
Reiches, angreifen, ein zweites Heer unter 'Ayaz Ihn Gannam sollte an der
Nordgrenze des Irak kämpfen. Nach islamischer Gepflogenheit richtete Halid
folgenden Brief an Hurmuz, den persischen Befehlshaber:

"Nimm den Islam an, und du bist sicher. Tust du es nicht, dann stimme zu, die Gizya
zu bezahlen, oder du wirst es zu bereuen haben! Ich führe gegen euch ein Volk, das
den Tod so liebt wie ihr das Leben."
Der stolze persische Befehlshaber beachtete diese Warnung jedoch nicht. Er fiel in
der darauffolgenden Schlacht, und das persische Heer wurde vernichtend
geschlagen. Danach kämpften noch einige bekannte persische Generäle gegen
Halid. Zwei von ihnen waren Bahman und Dschahan. Aber sie wurden alle besiegt,
und die persischen Verluste waren schwer.
Die Stadt Al-Hira an der persischen Grenze war die Hochburg der christlichen
Araber. Halid eroberte diese, woraufhin sich auch die anderen Oberhäupter der
Grenzregionen unterwarfen.
Nach Al-Hira eroberte Halid die beiden wichtigen Außenposten des persischen
Reiches Al-Anbar und 'Ainu-t- Tamr. Da erhielt er einen Brief von Ayaz, der ihn in
den Norden des Irak um Hilfe rief: In Daumatu-1-Gandal war er in harter Bedrängnis.
Halid kam ihm eilends zu Hilfe und sandte ihm folgende Botschaft:
"Halte noch eine Weile aus! Kamele mit löwenhaften Kämpfern sind bald bei dir; wie
Wellen nähern sich unsere Truppen."

Akidar, einer der feindlichen Generäle, wußte aus eigener Erfahrung, daß es sicher
unmöglich war, einen Angriff Halids aufzuhalten. Er schlug den anderen Generälen
deshalb vor, den Kampf gegen die Muslime einzustellen. Als sie seinen Vorschlag
nicht beachteten, ließ er sie ruhig gewähren, aber seine Freunde sahen die
Richtigkeit seines Vorschlags ein, als sie eine demütigende Niederlage durch Halids
Hand erlitten. Ein anderes wichtiges Ereignis fand in Faraz statt. Eine starke
Streitmacht aus Persern und Arabern überquerte den Euphrat. Am 15. des Monats
Du-1-Qa'da im Jahre 12 n.H. vertrieb Halid dieses Heer. Von hier kehrte er nach Al-
Hira zurück.

Halid Ibn Al-Walid:
Halids Heldentaten:

Als er Kalif wurde, hatte Abu Bakr (r) nicht mehr als 10.000 Mann. Mit dieser
Heeresstärke mußte er einen landesweiten Aufstand niederwerfen. Diese Aufgabe
schien hoffnungslos, aber Abu Bakr meisterte sie mit erstaunlichem Erfolg. Er
verdankte dies hauptsächlich seinem unerschütterlichen Glauben an Allah (t).
"Islam ist der Weg der Wahrheit, offenbart durch Allah ", sagte er. "Daher verteidigt
Allah ihn gegen alle Feinde."

Abu Bakr wußte, daß er nicht so sehr von der Stärke seiner Truppen als von Allahs
Hilfe abhängig war. Die Ergebnisse bewiesen, daß sein Glaube richtig war.
Eine wichtige Hilfe war ihm auch Halid Ibn Al-Walid (r), der größte Feldherr des
Islam. Sein militärisches Geschick und sein Mut ließen mit Allahs Macht die geringen
Streitkräfte des Islam zehnmal stärker erscheinen. Die Ergebnisse waren
überwältigend: Halid war mit einer Handvoll Truppen in der Lage, nicht nur mit allen
inneren Feinden fertig zu werden, sondern auch Arabien für den Islam zu sichern. Er
konnte auch den Irak in Kürze für den Islam gewinnen. Vom Irak aus marschierte er
gegen die byzantinischen Streitkräfte und vertrieb sie. Dies geschah alles im
Zeitraum von zwei Jahren. Während dieser Feldzüge erlitt Halid keine einzige
Niederlage. Er überraschte den Feind durch Gewaltmärsche und gab sich erst mit
dessen vollständiger Niederwerfung zufrieden. Dies machte Halid zum Schrecken für
seine Feinde. Die Wahrheit ist, daß Halids Heldentaten die Siege Alexanders des
Großen oder Napoleons weit in den Schatten stellen.

Allahs Schwert
Halid Ibn Al-Walid war der geborene Feldherr. Bei Uhud kämpfte er auf der Seite der
Qurais". Er war es, der den Gang der Schlacht entschied: Der Sieg der Muslime war
schon in naher Sicht, die Führer der Qurais wichen schon zurück. Plötzlich sah Halid
den Engpaß im Rücken der muslimischen Armee unverteidigt - an der Spitze eines
Stoßtrupps stürmte er über den Paß und griff die islamische Armee überraschend an.
Nach dem Frieden von Al-Hudaibiya nahm Halid den Islam an. Sein militärisches
Talent überstrahlte bald die anderen. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede
auf ihm, erkannte sofort seinen Wert und gab ihm den Titel "Saifullah" (Schwert
Allahs). Aber die übrige Welt bemerkte seine unerreichte Begabung für die
Kriegskunst erst, als der Islam über die Grenzen Arabiens hinausdrang.
Auch Abu Bakr erkannte gleich Halids Fähigkeiten. Er übertrug ihm den Oberbefehl
für den irakischen Feldzug. Halids Heldentaten in diesem Unternehmen haben in der
Geschichte wenig ihresgleichen. In etwa elf Monaten überrannte er den ganzen Irak
und brachte ihn unter das Banner des Islam, obwohl er nicht mehr als 10.000 Mann
hatte. Mit dieser kleinen Streitmacht besiegte er Massen, die zwanzigmal größer
waren. Ihre Waffen und ihre Ausrüstung waren den seinigen überlegen, aber mit
seinem Glauben an Allah (t) wußte Halid, wie man mit einer kleineren Streitmacht
und weniger guten Waffen gewinnt.
Im Irak schlug Halid insgesamt 15 Schlachten. In allen war sein Sieg vollständig, und
die Fahne des Islam durfte das Schlachtfeld niemals verlassen, ehe der Feind
endgültig geschlagen war. So wurde Halid gegen Ende des Feldzuges zum
Schrecken des Feindes: Schon allein die Tatsache, daß Halid ein Heer befehligte,
ließ den Feind erzittern.

Ein guter Verwalter:
Halid war aber nicht nur ein großer Eroberer, sondern auch ein erstklassiger
Verwalter, Er achtete darauf, daß in den von ihm eroberten Städten und Gebieten
alles wohl geordnet wurde. Er zog nie weiter, ehe dies erledigt war. Er ließ einen
Stellvertreter zurück, der auf alles aufpassen mußte. Auch ernannte er einen Richter,
der die Streitigkeiten der Bevölkerung schlichtete.
Halid (r) war äußerst gutherzig und gerecht. Sein Heer hatte strikte Anweisung,
Bauern und Bürgern kein Leid zuzufügen. "Sie sind die Stärke der Gesellschaft",
sagte er. "Sie sollen immer mit Güte und Achtung behandelt werden."
Dies war etwas Neues für das eroberte Land. Die persischen und byzantinischen
Hauptleute waren sehr hart zum Volk gewesen. Halids Behandlung gewann die
Herzen der Bevölkerung in dem Maße, wie sie ihre früheren Herren haßte.
Liebe zu Allah
Halids Liebe zu Allah (t) war so groß wie sein Haß gegen Allahs Feinde.
Im Monat Du-l-Qa`da des Jahres 12 n.H. war sein Feldzug im Irak zu Ende. In der
Mitte dieses Monats errang er den letzten Sieg. Halid gönnte seinem Heer eine
Ruhepause von zehn Tagen. Dann befahl er den Rückmarsch zu seinem
Hauptquartier in Al-Hira. Aber da war noch die Pilgerreise, auf die Halid nicht
verzichten wollte. Er gab bekannt, daß er die Nachhut bilden wolle. Und mit einigen
Männern hetzte er dann auf einer Abkürzung durch die leblose Wüste nach Makka.
Unmittelbar nach seinen Siegen war er nun in der heiligen Stadt und erklärte:
"Labbaika-llahumma labbaik (Hier bin ich, o Herr, hier bin ich zu Deinem Dienst!)"
Selbst auf dem höchsten Gipfel seines Ruhmes vergaß Halid nicht, daß er im
Dienste Allahs stand.

Halid war sehr hart gegen die Menschen, die die Waffen gegen den Islam erhoben.
Er meinte, daß man solchen Leuten nur zwei Möglichkeiten lassen sollte: Sie sollten
entweder nachgeben oder bis zum Tode kämpfen. Wenn sie vom Schlachtfeld
flohen, verfolgte er sie überall hin, bis sie um Gnade baten oder getötet wurden.
Diese Strategie Halids erwies sich als nützlich. Er wurde mit dem geschlagenen
Feind ein für allemal fertig. Er ließ nicht zu, daß er die Waffen ein zweites Mal erhob;
denn die Streitkräfte der Muslime waren zu klein, um wiederholte Aufstände
niederschlagen zu können.

Es gibt in der Geschichte kaum einen Feldherrn, der so viele hervorragende
Eigenschaften in sich vereinigte wie Halid (r). Er ist nach dem Propheten
Muhammad, Allahs Segen und Friede auf ihm, unbestreitbar der größte Heeresführer
des Islam.

Krieg gegen Byzanz:
Schon zu Lebzeiten des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, ergab sich die
Notwendigkeit zu kriegerischen Handlungen gegen Byzanz. So war Abu Bakr (r)
gezwungen, etwas gegen diese Gefahr zu tun.
Im Jahre 13 n.H. rüstete er eine große Streitmacht aus und teilte sie in vier
Abteilungen, die jeweils einem Befehlshaber unterstellt wurden. Jede von ihnen sollte
an einem anderen Abschnitt der syrischen Grenze losschlagen. Abu 'Ubaida Ibn Al-
Garrah hatte den Befehl, nach Hims zu marschieren,' Amr Ibn AI-'As nach Palästina,
Yaild Ibn Abu Sufyan nach Damaskus und Surahbil Ibn Hasna an den Jordan.
Diese Bataillone sollten den Feind gleichzeitig angreifen. Das Ziel war, ihn daran zu
hindern, eines der Bataillone mit voller Stärke anzugreifen.
Goldene Regeln für die Kriegsführung
Vor dem Aufbruch der Heere gab Abu Bakr (r) die folgenden Anweisungen an ihre
Befehlshaber: "Fürchtet stets Allah! Er sieht in die Herzen der Menschen.
Seid freundlich zu den Männern, die euch unterstellt sind, und behandelt sie gut!
Gebt kurze Anordnungen; denn wenn sie zu lang sind, werden sie vergessen!
Geht anderen mit gutem Beispiel voran! Sie werden sich nach euch richten.
Achtet die Vertreter des Feindes!
Haltet eure Pläne geheim!
Seid immer wahrhaftig, dann werdet ihr gute Ratschläge bekommen!
Sitzt abends, wenn ihr frei seid, unter euren Männern! Das hält euch in Verbindung
mit ihnen.
Teilt den Wachdienst zum Schutz des Heeres gut ein!
Meidet unaufrichtige Menschen und haltet euch an ehrliche und gläubige Sahaba!
Seid offen zu allen, mit denen ihr zu tun habt!
Hütet euch vor Feigheit und Ehrlosigkeit!
Ihr werdet Menschen begegnen, die der Welt entsagt und sich in die Einsamkeit zum
Gebet zurückgezogen haben. Laßt sie in Frieden!"

Vereinignung der vier Heeresabteilungen:
Die Nachricht vom Einmarsch der Muslime brachte Kaiser Heraklios aus der
Fassung. Er hielt sich zu dieser Zeit gerade in Jerusalem auf. Er fragte seine Fürsten
um Rat. Da er selbst sich gern mit den Muslimen geeinigt hätte, sagte er:
"Es ist besser, halb Syrien aufzugeben, als das ganze Reich zu verlieren." Seine
Ratgeber waren damit aber nicht einverstanden. Es wurden also vier mächtige
Armeen gegen die Muslime ausgesandt. Eine davon wurde vom Bruder des Kaisers
befehligt. Jede Armee war siebenmal so stark wie die muslimische, die sie zu
bekämpfen hatte. Darüber machten sich die muslimischen Heeresführer Sorgen und
trafen sichdeshalb zur Beratung. Einer wies darauf hin, daß es töricht sei, getrennt zu
kämpfen.
"Wir werden vom Übergewicht zerschmettert werden, wenn wir getrennt kämpfen",
sagte er.
Die anderen Befehlshaber sahen das ein, und sie beschlossen, die vier Abteilungen
zu einer einzigen Armee zu vereinigen. So würde das Heer auch den muslimischen
Soldaten selbst größer erscheinen. Sie teilten dem Kalifen ihren Entschluß mit.
Dieser billigte ihn und sandte ihnen folgende schriftliche Botschaft:
"Muslime können nie deshalb besiegt werden, weil sie zu gering an Zahl sind; aber
wenn ihre eigenen Sünden sie überwältigen, werden sie eine Niederlage erleiden.
Deshalb haltet euch fern von Sünden aller Art!"

Die Schlacht am Al-Yarmuk:
Als Heraklios erfuhr, daß die vier islamischen Armeen zu einer vereinigt worden
waren, befahl auch er eine ähnliche Zusammenfassung, und die vier byzantinischen
Armeen schlössen sich zu einer gigantischen Masse von Menschen zusammen. Im
Tal des Al-Yarmuk hoben sie Schützengräben aus. Nach dem Befehl des Kalifen
bezogen die Muslime Stellungen auf der gegenüberliegenden Seite. Wochenlang
lagen sich die beiden Heere gegenüber, und keines der beiden wagte es, den Kampf
zu eröffnen.
Die byzantinischen Streitkräfte hatten jeden Vorteil auf ihrer Seite. Zu der
zahlenmäßigen Überlegenheit kam, daß sie den Fluß vor und Berge hinter sich
hatten. Die muslimischen Heerführer forderten daher vom Kalifen Verstärkung an,
und daraufhin ließ Abu Bakr Halid sofort nach Syrien eilen.
Halid legte den Oberbefehl im Irak in die Hände von Al-Mutanna Ibn Harita. An der
Spitze von 10.000 Mann begab er sich nach Syrien, so schnell er konnte. Trotz aller
Eile eroberte Halid auf dem Weg dorthin viele Befestigungen und Städte. Er erreichte
schließlich den Al-Yarmuk fast zur gleichen Zeit, als die byzantinische Armee
ebenfalls Verstärkung erhielt. Ihre Gesamtstärke erreichte damit 240.000 Mann, die
muslimische Streitmacht umfaßte nur 36.000.

Neuordnung des Heeres:
Halid erkannte sogleich, daß er das Heer den besonderen Verhältnissen
entsprechend neu gliedern müsse, um zu siegen. Das bedeutete vor allem ein
einheitliches Oberkommando. Daher berief er die anderen Kommandeure zu sich
und sagte:
"Wir kämpfen alle für die Sache des Glaubens. Keiner darf an sich denken. Wir
können uns eine Zersplitterung der Befehlsgewalt nicht leisten. Das würde dem
Feind nur nützen. Laßt uns deshalb den Oberbefehl auf einen einzigen Mann
übertragen, meinetwegen im Wechsel. Wenn ihr damit einverstanden seid, überlaßt
mir den Oberbefehl für den ersten Tag der Schlacht!"
Dieser Plan gefiel allen, und Halid übernahm die oberste Befehlsgewalt. Er teilte das
Heer in verschiedene Abschnitte. Jeder erhielt einen Kommandeur, und jeder
Abschnitt war in Unterabschnitte aufgeteilt, von denen jeder einen Anführer hatte.
Abu Sufyan war zum anfeuernden Herold ernannt worden.
Er sprach Worte der Ermunterung zu allen Kämpfern. Als sich die beiden Armeen
gegenüberstanden, bemerkte ein muslimischer Soldat:
"Wie zahlreich der Feind ist!"
Halid hörte das und sagte:
"Die Zahl macht es nicht! Wichtig ist der Ausgang der Schlacht!"
Als die Schlacht schließlich begann, stieß Halid mit einem ausgewählten Trupp in
das Zentrum der feindlichen Kräfte. Es gelang ihm, einen Keil zwischen das
feindliche Fußvolk und die Reitertruppe zu treiben und sie voneinander
abzuschneiden.

Kampf bis zum Tod:
Auch 'Ikrima Ibn Abu Gahl kämpfte am Al-Yarmuk mit. Gleich nach der Eröffnung der
Schlacht begannen die islamischen Truppen unter dem zahlenmäßigen Übergewicht
des Feindes zu wanken. Als 'Ikrima das sah, rief er aus: "Früher kämpfte ich in allen
Schlachten gegen den Gesandten Allahs, jetzt aber streite ich für die Sache Allahs.
Auf gar keinen Fall werde ich fliehen! Wer von euch ist bereit, mit mir bis zum Tode
zu kämpfen?"
Als er dies sagte, streckte er seine Hand aus, daß sie einschlagen sollten. Sein Sohn
'Amr legte als erster den Schwur ab, vierhundert Mann folgten ihm. Dann schlugen
die Männer wie Wildkatzen auf die feindlichen Horden ein. Sie teilten so
wirkungsvolle Schläge aus, daß die Menschenwoge sich vor ihnen teilte. Ihr
verzweifelter Angriff brachte Verwirrung in die feindlichen Reihen.

Bald befand sich die feindliche Reitertruppe eingekeilt zwischen Halids Stoßtrupp
und der islamischen Hauptarmee. Verwirrung entstand, und die Feinde flohen. Die
islamische Armee machte ihnen Platz zur Flucht.
Nun konnte Halid (r) sich auf die feindliche Fußtruppe werfen. Diese wurde völlig
überrascht, da plötzlich der Schutz der Reiter fehlte. In äußerster Verwirrung zog sie
sich zurück, aber der Berg versperrte ihr den Weg. Verzweifelt rannten die Männer
zum Fluß zurück. Hier erwartete sie der Tod in den Fluten. Die meisten waren
aneinandergekettet, um eine Flucht unmöglich zu machen, und die Ketten erwiesen
sich nun als Todesfallen: Denn als einige Männer in den Fluß fielen, rissen sie ihre
Kampfgenossen mit in das nasse Grab. Nach einer Schätzung ertranken 120.000
Mann im Fluß. Die Byzantiner erlitten eine vollständige Niederlage. Dreitausend
Muslime waren als Märtyrer gefallen.

Mut der Frauen:
Die muslimischen Frauen spielten eine wesentliche Rolle in dieser Schlacht. Sie
bildeten eine Abteilung hinter der Kampftruppe und versorgten die Männer mit
Wasser, sie behandelten auch ihre Wunden und sprachen ihnen Mut zu, wenn sie
Zeichen der Schwäche zeigten. Diese Worte der Ermunterung richteten die Männer
wieder auf; wie der Blitz stürmten sie von neuem nach vorn und säten Tod in die
feindlichen Linien.
Zuerst zwang die byzantinische Armee die Muslime zum Rückzug. Da kam Halid zu
den Frauen, die auf einem Bergkamm standen, und sagte zu ihnen:
"Ihr Töchter des Islam, wenn auch nur einer dem Schlachtfeld den Rücken kehrt,
tötet ihn sofort!"
Die Frauen taten, worum Halid sie gebeten hatte; sie standen auf ihrem Posten und
erfüllten ihre Pflicht:
Mit Steinen in den Händen beobachteten sie das Schlachtfeld, und wenn einer um
sein Leben lief, empfing ihn ein Steinhagel. Er lief dann zurück und kämpfte bis zum
Letzten.
Viele Muslime hatten ihre Familien bei sich. Die Frauen lebten in Zelten hinter dem
Lager der Truppe. Ihre Worte der Ermunterung an die Tapferen und die Schmähung
der Feiglinge hatten großen Einfluß auf das Tempo und den Ausgang der Schlacht.
Der Sieg am Al-Yarmuk war also in nicht geringem Maße dem Mut der muslimischen
Frauen zu verdanken.

Zwei große Märtyrer:
Am folgenden Morgen verschaffte sich Halid einen Überblick über die Verluste der
islamischen Armee. 'Ikrima und sein Sohn Amr wurden zu ihm gebracht. Sie waren
schwer verwundet, und ihr Zustand war ernst. Halid barg ihre Köpfe in seinem Schoß
- einige Minuten später verstarben sie.
Ikrima war der Sohn Abu Gahls, eines Erzfeindes des Islam. Als Makka fiel, floh
'Ikrima, weil er um sein Leben bangte. Aber er kehrte nach Makka zurück, als er
hörte, daß der Gesandte Allahs allen Feinden vergeben habe. Der Prophet, Allahs
Segen und Friede auf ihm, kam ihm zu seiner Überraschung entgegen, um ihn zu
begrüßen. Von da an war 'Irkima (r) ein treuer Sohn des Islam; er gab sein Leben für
dessen Ruhm.

Selbstlosigkeit Halids:
Die Schlacht am Al-Yarmuk war noch nicht zu Ende, als ein Brief aus Al-Madina
eintraf und Halid ausgehändigt wurde. Darin stand, daß Abu Bakr (r) gestorben und
'Umar (r) sein Nachfolger geworden sei. Der Brief enthielt auch die Nachricht, daß
der neue Kalif Halid von seinem Kommando abgelöst und ihn durch Abu 'Ubaida
ersetzt habe. Halid las den Brief. Dann setzte er Abu `Ubaida Ibn Al-Garrah davon in
Kenntnis, daß der Oberbefehl auf ihn übergegangen sei. Aber die Nachricht wurde
nicht öffentlich bekanntgemacht, weil die Armee nicht den Mut verlieren sollte.
Der Brief änderte Halids Verhalten in keiner Weise. Er fuhr fort, so verwegen zu
kämpfen wie zuvor.
Als nach dem Ende der Schlacht Halids Absetzung bekannt wurde, sagte jemand zu
ihm:
"Warum hat die Nachricht deinen Kampfgeist nicht gedämpft?"
"Ich habe nicht für 'Umar, sondern für Allah gekämpft", entgegnete Halid (r)

Abu Bakrs letzte Krankheit:
Am 7. des Monats Gumada-1-Ahira im Jahre 13 n.H. wurde Abu Bakr krank.
Er hatte hohes Fieber; es wurde alles getan, um das Fieber zu senken, doch
vergebens. Dem betagten Kalifen wurde klar, daß sein Ende gekommen war.
Selbst in diesen letzten Tagen beschäftigte ihn der Gedanke an die Zukunft des
Islam. Er wollte ihn sichern, auch für die Zeit nach seinem Tod.
Er hatte all seine Energie darauf verwendet, die heftigen Stürme der Unruhe
niederzuhalten, die nach dem Tod des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm,
losgebrochen waren, und Abu Bakr wollte nicht, daß nach seinem eigenen Tod
solche Stürme erneut losbrächen.

Umars Ernennung:
Das Wohlergehen der Muslime war immer Abu Bakrs erste Sorge gewesen. Er wollte
nichts zulassen, was den Islam hätte schwächen können. Was er jedoch am meisten
fürchtete, war eine Spaltung unter den Muslimen. Er erinnerte sich daran, was nach
dem Tod des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, geschehen war. Daher
wollte er verhindern, daß Uneinigkeit die Muslime entzweien könnte, wenn er nicht
mehr sei. Einigkeit war das Geheimnis der Stärke und um jeden Preis notwendig.
Als er kränker wurde, beschäftigte sich Abu Bakr immer mehr mit dieser Frage. Wer
würde nach ihm Kalif sein? Sollte er selbst den Namen des besten Mannes nennen?
Oder sollte er die Entscheidung dem Volk überlassen? Im letzteren Fall würden
Streitigkeiten entstehen. Sie würden die Grundlagen des Islam erschüttern. Das
Risiko war zu groß, Abu Bakr wollte es nicht auf sich nehmen.
Nach sorgfältiger Überlegung entschied er sich, 'Umar zu ernennen. Er unterbreitete
seinen Vorschlag den führenden Männern seiner Umgebung Den meisten gefiel
der Vorschlag, nur einer sagte;
"'Umar ist ohne Zweifel der beste Mann, aber er ist zu streng!"
Darauf erwiderte Abu Bakr:
"Wenn er die Bürde des Kalifats tragen muß, wird er milder."
Nachdem alle Sahaba einverstanden waren, wurde 'Utman gerufen. Abu Bakr
diktierte ihm 'Umars Ernennung, die dem Volk verkündet wurde. Sie lautete:
"Dies ist der Wille Abu Bakrs, des Kalifen des Gesandten Allahs. Er tut seinen Willen
kund, ehe er diese Welt verläßt. Zu diesem Zeitpunkt wird sogar ein Ungläubiger
gläubig, und selbst ein Sünder vertraut auf Allah. Ich ernenne 'Umar Ibn Al-Hattab zu
eurem Herrscher. Dabei habe ich nur das Beste für euch im Sinn gehabt. Ich hoffe,
daß er gerecht und wahrhaftig sein wird. Aber ich kann nicht voraussehen, was
geschehen wird, wenn er den Pfad der Gerechtigkeit verläßt. Mir liegt einzig das
Wohlergehen der Muslime am Herzen. Jeder ist für sein Tun verantwortlich."
Nachdem dieser letzte Wille dem Volk verkündet worden war, bestieg Abu Bakr (r),
gestützt von zwei Männern, das Dach seines Hauses. Er richtete folgende Worte an
das Volk: "Meine Brüder im Islam, ich habe keinen meiner eigenen Brüder oder
Verwandten zu eurem Kalifen ernannt. Ich habe einen Mann aus eurer Mitte erwählt,
der mir am meisten geeignet erscheint. Seid ihr mit ihm einverstanden?" "Natürlich
sind wir das!" ertönte ein Ruf aus Hunderten von Kehlen.
Dann rief Abu Bakr 'Umar an sein Bett und sprach zu ihm: "'Umar! Ich habe dich zu
meinem Nachfolger ernannt. Mein letzter Rat ist, daß du Allah fürchten und für das
Wohl der Muslime arbeiten sollst. Bedenke, 'Umar, daß du die Pflichten, die du Allah
schuldest, zur rechten Zeit erfüllst, sei es bei Tag oder Nacht. Das Wichtigste muß
zuerst erledigt werden. Am Tage des Gerichts werden nur die erfolgreich sein, deren
gute Taten ins Gewicht fallen.

Die Menschen, deren böse Taten schwerer wiegen als die guten, werden eine
schreckliche Zeit haben. Der Qur'an und die Wahrheit sollen deine Führer zu Erfolg
und Wohlergehen sein. Du weißt, 'Umar, daß die Verse des Qur'an sowohl von
Belohnungen als auch von Bestrafungen sprechen. Deshalb muß man die Furcht vor
Allah in die Herzen der Gläubigen senken, damit sie um Vergebung beten. 'Umar,
wenn du im Qur'an über die Verdammten in der Hölle liest, dann bete zu Allah, daß
er dich nicht zu einem von ihnen macht. Aber wenn du über die Bewohner des
Paradieses liest, dann bete, daß auch du zu ihnen gehören wirst. Wenn du den Weg
gehst, den ich dir vorgezeichnet habe, wirst du mich an deiner Seite finden!"
Als 'Umar gegangen war, hob der sterbende Kalif seine Hände zum Bittgebet und
sagte:
"O Herr! Ich habe diesen Schritt zum größten Nutzen der Muslime getan, weil ich
Uneinigkeit zwischen ihnen befürchtete. Ihre Folgen sind Dir wohl bekannt. Nach
sorgfältigem Überlegen habe ich einen Mann ernannt, der sich am aufrichtigsten und
tatkräftigsten für das Wohl des Volkes einsetzt. Ich bin jetzt an der Schwelle des
Todes, so hilf Du, o Herr, den Muslimen, wenn ich nicht mehr bin. Sie sind Deine
Diener. Ihre Zukunft liegt in Deiner Hand. O Herr, laß sie nach Deinen Gesetzen auf
dem richtigen Weg wandeln. Mache 'Umar zu einem der edelsten Kalifen und hilf den
Muslimen, ihn zu unterstützen."

Abu Bakrs Tod:
Nach einer Krankheit von zwei Wochen starb Abu Bakr (r) im Alter von 63 Jahren. Er
wurde an der Seite des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, beigesetzt. Vor
seinem Tod sagte er noch:
"Nehmt keine neuen Tücher, um meinen Leib zu bedecken. Das Stück Tuch, auf
dem ich liege, genügt. Wascht es!" "Aber es ist zu alt und abgenutzt, Vater", sagte
seine Tochter A'ischa(r).
"Dieses alte, abgetragene Tuch genügt für mich", antwortete er.
Dieser letzte Wunsch wurde befolgt.
Der zweite Wunsch des sterbenden Kalifen war:
"Verkauft mein Land und zahlt alles Geld zurück, welches ich als Gehalt erhalten
habe!"
Auch dies wurde befolgt.
Abu Bakr war ein wohlhabender Kaufmann, als er Kalif wurde. Die Aufgaben des
Kalifats ließen ihm keine Zeit, sich um seine eigenen Geschäfte zu kümmern.
Deshalb genehmigten ihm die Sahaba ein Gehalt von 6000 Dirham jährlich. Das
ganze Geld wurde nach dem Tod des Kalifen an Baitu-1-Mal zurückgezahlt.
So gab Abu Bakr, der erste Kalif, ein edles Beispiel selbstlosen Dienens. Er lebte und
wirkte für den Islam bis zum letzten Atemzug, und für seine unermüdliche Arbeit
suchte er keine weltliche Belohnung.
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Re: Die rechtgeleiteten Khalifen!!

Beitragvon AbuBakr » Mi Jun 30, 2010 8:44 am

assalamu


Umar (Al Faruq) ra.

Der Schwiegervater des Propheten saw., der Schwiegersohn Imam Alis ra. Er ist auch der zweite Khalif und der 52. einflussreichste Mensch der Geschichte (laut Michael H. Hart's book The 100: A Ranking of the Most Influential Persons in History.)Siehe die Liste:
http://www.adherents.com/adh_influ.html

Er ist der größte Feind der Feuerdiener (Majös), weil er den Islam nach dem Iran brachte, und damit die Geschichte des Empirat Persiens beendete.


Umars Jugend
Die Sendung des Propheten Muhammad, Allahs Segen und Friede auf ihm, befand
sich noch im Anfangsstadium; der Islam war noch schwach und hilflos. Die Oberen
von Makka waren gegen ihn. Eines Nachts stand der Prophet, Allahs Segen und
Friede auf ihm, in Gedanken versunken in der Al-Ka'ba. Da erhob er seine Hände
zum Himmel:
"O Allah unser Gott", betete er, "mache den Islam stark durch einen der zwei
Männer, 'Amr Ibn Hisam oder 'Umar Ibn Al-Hattab!"
Das Bittgebet des Propheten Muhammad, Allahs Segen und Friede auf ihm, wurde
erhört. Allah (t) erwählte 'Umar Ibn Al-Hattab, dem Islam zu dienen. 'Amr Ibn Hisam
starb wie Abu Gahl (=Vater der Unwissenheit), aber 'Umar sollte eine Säule des
Islam werden.

'Umar war 12 Jahre jünger als der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm. Er war
der Sohn Al-Hattabs, seine Mutter hieß Hatima. Er stammte von den Banu 'Adyy ab,
einem Zweig der Qurais. Die Banü 'Adyy genossen großes Ansehen. Sie waren die
Wortführer in den Verhandlungen der Qurais mit anderen Stämmen. Sie schlichteten
auch als Richter deren Streitigkeiten.
Schon in früher Jugend erhielt 'Umar eine Ausbildung im Kriegshandwerk und
erlernte auch die Kunst der öffentlichen Rede. Schon früh zeigte er ungewöhnlichen
Mut und Offenheit. Er war lernbegierig und ernsthaft in allem, was er unternahm.
Diese Eigenschaften machten ihn schon in jungen Jahren im Lande bekannt. Seine
Handelsgeschäfte führten ihn in andere Länder; und diese Reisen verschafften ihm
ein umfassendes Wissen und ein großes Verständnis für Menschen und Dinge.

Umar nimmt den Islam an
Als dem Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, seine Sendung offenbart
wurde, war 'Umar 27 Jahre alt. Der junge 'Umar kümmerte sich nicht um die
Botschaft des Islam; denn er war für die gewohnte Lebensweise. Im Laufe der Jahre
machte der Islam langsam Fortschritte. Das ärgerte 'Umar. Die Leute, die den Islam
angenommen hatten, kehrten nie zu ihrem alten Glauben zurück, was die Oberen
von Makka auch immer dagegen tun mochten. Als eine von 'Umars Dienerinnen
Muslime geworden war, schlug er sie heftig. Aber sie wollte nicht von ihrem neuen
Glauben ablassen. Als im sechsten Jahr der Sendung des Propheten, Allahs Segen
und Friede auf ihm, eine Anzahl von Muslimen nach Abessinien aufbrach, kochte
'Umar vor Wut. "Da ist ein Mann", dachte er, "der das Volk gespalten hat. Es lebte
friedlich dahin. Dann erschien er und riß den Sohn vom Vater und den Bruder vom
Bruder. Nun rennen seine Anhänger in ein anderes Land. Nur Muhammad ist die
Ursache all dieser Unruhe. Ich muß ihn töten, um dem Verdruß ein Ende zu
machen."

Mit diesem Entschluß nahm 'Umar sein Schwert und zog aus, um den Gesandten
Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, zu töten. Unterwegs traf er einen Freund,
der ihn fragte, warum er so verwirrt dreinschaue. 'Umar sagte ihm, was er zu tun
gedenke.
"Du solltest erst einmal auf deine eigene Verwandtschaft achten", sagte der Freund.
"Deine Schwester und ihr Mann haben den Islam angenommen!"

Durch diese Worte wurde 'Umars Zorn in eine andere Richtung gelenkt. Er ging
geradewegs zum Haus seiner Schwester Fatima Bint Al-Hattab und klopfte an die
Tür. Drinnen rezitierte jemand den Qur'an. Fatima erschrak, als sie 'Umars Stimme
hörte. Sie versteckte die Qur'an-Blätter, in denen sie gerade gelesen hatte, und
öffnete die Tür.
"Was hast du gerade aufgesagt?" fragte 'Umar
"O, nichts", sagte die Schwester.
"Wieso nichts?" rief er zornig aus, "ich habe alles genau gehört. Ich weiß, daß ihr
beide Muhammads Glauben angenommen habt."
Während er dies sagte, begann er seinen Schwager Sa´id zu schlagen. Fatima kam
diesem zu Hilfe und bekam einen Schlag auf den Kopf, so daß er zu bluten anfing.
Dies machte das Paar erst recht mutig;
"Ja, wir sind Muslime geworden", schrien sie 'Umar an, "mach, was du willst! "
Der Anblick der blutenden Schwester berührte 'Umar sehr. Fatima war eine so liebe
Schwester! Sicher mußte im Qur'an etwas Wahres enthalten sein, das ihr
unschuldiges Herz gewonnen hatte.
"Würdest du mich einen Blick in den Qur'an werfen lassen?" fragte 'Umar.
Nach langem Zögern händigte ihm Fatima die wenigen Blätter des Qur'an aus, die
sie besaß und die die ersten acht Verse aus der 57. Sura enthielten.

'Umar setzte sich, um diese Seiten zu studieren. Sein Gesichtsausdruck änderte sich
bald, und sein Zorn kühlte sich ab, als er die ersten acht Verse las, welche lauten:
"Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen! Es preist Allah, was in den
Himmeln und was auf der Erde ist, und Er ist der Erhabene, der Allweise. Sein ist das
Königreich der Himmel und der Erde. Er macht lebendig und läßt sterben, und Er hat
Macht über alle Dinge. Er ist der Erste und der Letzte, der Sichtbare und der
Verborgene, und Er ist der Kenner aller Dinge. Er ist es, Der die Himmel und die
Erde in sechs Tagen erschuf, dann wandte Er Sich majestätisch Seinem Reich zu. Er
weiß, was in die Erde eingeht und was aus ihr hervorkommt, was vom Himmel
herniederkommt und was zu ihm aufsteigt.
Und Er ist mit euch, wo immer ihr (auch) sein möget. Und Allah sieht alles, was ihr
tut. Sein ist das Königreich der Himmel und der Erde; und zu Allah werden alle Dinge
zurückgebracht. Er läßt die Nacht in den Tag und den Tag in die Nacht eintreten; und
Er ist der Kenner all dessen, was (ihr) in den Herzen hegt. Glaubt an Allah und
Seinen Gesandten und spendet von dem, zu dessen Erben Er euch gemacht hat.
Und jenen von euch, die glauben und spenden, wird ein großer Lohn zuteil sein. Was
ist euch, dass ihr nicht an Allah glaubt, obwohl der Gesandte euch aufruft, an euren
Herrn zu glauben; und Er hat von euch bereits ein Versprechen abgenommen, wenn
ihr Gläubige seid."

Die Furcht vor Allah (t) ergriff 'Umars Herz. Er weinte und erklärte: "Sicher, dies ist
das Wort Allahs. Ich bezeuge, dass Muhammad der Gesandte Allahs ist!" ´Umar
setzte seinen Weg zum Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, weiter fort,
aber jetzt war er ein verwandelter Mann.
Jetzt ging er nicht zu ihm, um ihn zu töten, sondern um vor ihm seinen Glauben
kundzutun.
Der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, saß mit einigen Männern zusammen.
Als er 'Umar kommen sah, fragte er ihn:
"'Umar, was führt dich zu mir?"
'Umar antwortete: "O Prophet Allahs, ich komme, um den Islam anzunehmen."
Die Freude des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, und seiner Anhänger
war groß. Laute Rufe "Allahu akbar!" schallten durch Makka. Bald wußte jeder, daß
'Umar kein Feind des Islam mehr war. Es war ein großer Tag für den Islam, weil
einer seiner ärgsten Feinde sein fester Anhänger geworden war.

Der Beiname Al-Faruq
Der Übertritt 'Umars brachte für den Islam eine Wende. Vorher mußten die Muslime
in ständiger Furcht vor den Ungläubigen leben. Einige hatten ihren Glauben sogar
vor den Makkanern verheimlicht. Sie konnten ihre Gebete nicht in der Öffentlichkeit
verrichten. Dies alles änderte sich, nachdem 'Umar Muslim geworden war.
Als erstes rief 'Umar die Oberen von Makka zusammen, und vor dieser
Versammlung erklärte er, ein Anhänger des Islam zu sein. Man starrte ihn
schweigend an, niemand konnte ein Wort der Entgegnung herausbringen.
Dann bat 'Umar den Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, in der Al-Ka'ba
beten zu dürfen. Er selbst führte einen Teil der Muslime dorthin. Eine zweite Gruppe
wurde von Hamza (r) geführt. Als alle beisammen waren, wurden die Gebete unter
der Leitung des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, gemeinsam verrichtet.
Dies war das erste Gebet dieser Art in der Al-Ka'ba.
Vor der Auswanderung nach Al-Madina ereignete sich das gleiche. Die meisten
Muslime verließen Makka still und heimlich mit Ausnahme von 'Umar (r). Er legte
seine Waffen an, ging zur Al-Ka'ba und betete dort. Die Oberen von Makka schauten
ihm schweigend zu. Nach dem Gebet rief er ihnen laut zu:
"Jetzt ziehe ich nach AI-Madina. Wer mich daran hindern will, soll mich jenseits des
Tals treffen. Seine Mutter wird ihn gewiß trauernd beweinen."

Trotz dieser Herausforderung wagte es kein Makkaner, 'Umar aufzuhalten. Dies
brachte 'Umar den Beinamen "Al-Faruq" ein. "Al-Faruq" heißt einer, der zwischen
Wahrheit und Lüge unterscheidet bzw. eine Änderung herbeiführt. Durch 'Umars
Übertritt zum Islam erfuhren dieser und seine Anhänger einen großen Wandel.

Verehrung für den Propheten
In allen Schlachten und Unternehmungen stand 'Umar dem Propheten, Allahs Segen
und Friede auf ihm, zur Seite.
Seine Liebe zu Allah und Seinem Propheten war groß, stärker als Blutsbande oder
Freundschaft.
Beim Kampf von Uhud befand sich der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm,
mit seinen Sahaba auf einem nahegelegenen Hügel. Als Halid versuchte, sie
anzugreifen, stieß 'Umar mit einem Teil der Muslime vor und schlug ihn zurück.
Da rief Abu Sufyan aus: "Ist Muhammad am Leben?"
Der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, untersagte seinen Männern zu
antworten. Abu Sufyan fragte wieder:
"Dann sind also Muhammad, Abu Bakr und 'Umar alle tot?"
Da konnte 'Umar nicht länger ruhig bleiben und rief zurück:
"O Feind Allahs, wir sind alle wohlauf!"
Bei der Einnahme von Makka nahm der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm,
den Treueschwur der Männer selbst entgegen und bat 'Umar, den Treueid der
Frauen entgegenzunehmen. 'Umars Tochter Hafsa (r) war eine von Muhammads
Frauen.

Einmal war der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, unzufrieden mit ihnen.
Einige Wochen lang ging er zu keiner von ihnen und blieb allein. Er wollte mit
niemandem darüber sprechen. Eines Nachmittags suchte 'Umar (r) den Propheten,
Allahs Segen und Friede auf ihm, auf. Der Diener sagtejedoch, er dürfe niemanden
hineinlassen. Darauf sagte 'Umar laut:
"Bitte sage dem Gesandten Allahs, daß ich nicht gekommen bin, um für Hafsa zu
sprechen. Wenn es der Prophet will, schlage ich ihr den Kopf ab und lege ihn ihm zu
Füßen."
Als der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, diese Worte hörte, gestattete er
'Umar einzutreten.
'Umars Ansichten über die meisten Dinge waren sehr ausgewogen. Oft geschah es,
daß 'Umar (r) eine andere Meinung als die anderen Sahaba hatte.

Nicht selten wurden dann seine Ansichten nachträglich durch später offenbarte
Qur'an-Verse unterstützt. So kam es, dass der Prophet, Allahs Segen und Friede auf
ihm, den Worten 'Umars große Beachtung schenkte. Diese Hochachtung fand ihren
Ausdruck darin, daß er einmal sagte: "Wenn nach mir noch ein Prophet zu kommen
hätte, würde es gewiß 'Umar sein."
Als der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, das Unternehmen Tabuk
vorbereitete, unterstützte das Volk dieses Vorhaben mit Geld. 'Umar (r) gab die
Hälfte seines gesamten Vermögens ab.
'Umars Verehrung für den Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, brachte ihn
ihm sehr nahe. Um ihn noch mehr an sich zu binden, heiratete der Prophet 'Umars
verwitwete Tochter Hafsa. Sie hatte einen schwierigen Charakter, und 'Umar
befürchtete daher, daß sie den Rest ihres Lebens als Witwe verbringen müßte. Als
der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, davon hörte, nahm er sie selbst zur
Frau. Der Tod des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, war ein schwerer
Schlag für 'Umar. Er konnte nicht glauben, daß Muhammad, Allahs Segen und
Friede auf ihm, tot sein sollte, zog sein Schwert und schwor, jedem den Kopf
abzuschlagen, der behaupte, der Gesandte Allahs sei tot - so hatte der Kummer ihn
überwältigt. Ein Leben ohne den Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, war
für ihn undenkbar. Und was sollte aus dem Islam und seinen Anhängern werden,
wenn der Prophet wirklich tot war, wiedas Volk sagte? Diese finsteren Gedanken
verdunkelten seinen Verstand. Erst als Abu Bakr (r) ihn an die klare Aussage des
Qur'an über diesen Punkt erinnerte, fand er wieder zu sich selbst. Während seines
Kalifats verließ Abu Bakr (r) sich auf den Rat 'Umars. Das resultierte daraus, daß der
Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, zu seinen Lebzeiten 'Umars Worten so
große Bedeutung beigemessen hatte.

Krieg mit Persien
Eroberung des Irak
Nach Halid war Al-Mutanna Ibn Harita Oberbefehlshaber der islamischen Streitkräfte
in Al-Hira im Irak. Er wurde vom Feind angegriffen, schlug jedoch den Vorstoß
zurück. Es tauchten aber Gerüchte auf, daß die Perser einen weiteren schweren
Schlag vorbereiteten. Deshalb kam Al-Mutanna Ibn Harita nach AI-Madina, um dem
Kalifen die Lage zu schildern. Einen Tag nach der Ankunft AI-Mutannas verstarb Abu
Bakr (r). Aber vor seinem Tod hatte er 'Umar ans Herz gelegt, in erster Linie an den
Irak zu denken.

Bald kamen die Menschen aus allen Teilen des Landes nach AI-Madina, um dem
neuen Kalifen ihre Treue zu geloben. 'Urnar nutzte ihre Anwesenheit, um mit ihnen
zu sprechen und sie zu überzeugen, daß ihre Teilnahme am irakischen Feldzug
notwendig sei. Aber die meisten Leute waren der Meinung, daß Halid Ibn Al-Walid
der einzige Mann sei, der mit dem Feind fertig werden könne. Sie zweifelten am
Erfolg eines Feldzuges, der nicht von Halid geleitet würde. 'Umar fuhr jedoch fort,
seine Gedanken dem Volk eindringlich nahezubringen. Er wollte die falsche
Vorstellung ausmerzen, daß der Islam nur auf einen bestimmten Mann angewiesen
sei, so hervorragend dieser auch sein mag. Schließlich erklärte Abu 'Ubaida Ibn Al-
Garrah (r), Oberhaupt der Banu Taqif, daß er für die Sache Allahs kämpfen wolle,
und viele Männer folgten daraufhin seinem Beispiel. Abu 'Ubaida erhielt das
Oberkommando für die Kämpfe im Irak.

Sieg über Gaban und Nursyy
Die Niederlagen der Perser im Irak ließen ihre Herrscher verzweifeln. Die Führer
begruben ihre Streitigkeiten und trafen sich zu Beratungen. Nach vielen
Überlegungen krönten sie die Prinzessin Puran Duukht zur Kaiserin und ernannten
den wohlbekannten Adligen Rustum zu ihrem obersten Minister und
Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Als erstes nahm Rustum die Grenzbezirke wieder
in Besitz, die in die Hände der Muslime gefallen waren. Dann sandte er zwei große
Heere aus unter der Führung von Gaban und Nursyy, zwei Männern, die in der
Kriegsführung sehr erfahren waren. Nursyy war ein Prinz und Gaban ein Mann von
hohem Adel.

Abu 'Ubaida führte die erste Schlacht gegen Gaban bei Namariq. Gaban wurde völlig
besiegt und von einem muslimischen Soldaten gefangengenommen, der nicht
wusste, wer sein Gefangener war. Gaban sagte zu ihm: "Ich bin ein alter Mann, laß
mich gehen. Ich werde dich dafür gut bezahlen."
Der Soldat willigte ein. Bald darauf wurde Gaban aber von einem anderen Soldaten
erkannt, und man schleppte ihn vor Abu 'Ubaida. Gaban berichtete ihm von dem
Handel, den er mit einem seiner Männer gemacht hatte. Die meisten der
Anwesenden verurteilten diese Handlungsweise mit scharfen Worten, aber Abu
'Ubaida sagte: "Wir müssen ein einmal von uns gegebenes Wort halten. Der Islam
erlaubt uns nicht, unser Wort zu brechen."
So erhielt Gaban seine Freiheit wieder.
Die Perser, die von Namariq geflohen waren, stießen zur Armee Nursyys. Aber
Nursyy wurde ebenfalls besiegt. Beide Siege waren von Nutzen für den
Grenzbereich. Die Oberen und Edlen dieser Bezirke erschienen vor Abu 'Ubaida (r),
um ihm Treue zu geloben.

Ein Beispiel für die Gleichheit im Islam
Einige der Oberen brachten nach ihrer Unterwerfung ausgewählte Speisen für Abu
'Ubaida.
"Sind diese Gerichte für mich oder für die ganze Armee?" fragte er.
Sie erwiderten, es sei schwierig, in so kurzer Zeit für das ganze Heer Essen
zuzubereiten.
Aber Abu 'Ubaida sagte: "Diese Männer sind genauso wie ich bereit, ihr Blut im
Kampf zu vergießen. Also muß auch ich bereit sein, das gleiche zu essen wie sie."
Solche Worte hatten die stolzen Herren noch nie gehört, da sie einen anderen
Lebensstil in Persien gewohnt waren. Die muslimische Lebensweise versetzte sie
über alle Maßen in Erstaunen.

Die Schlacht bei der Brücke
Die Niederlagen von Gaban und Nursyy schreckten Rustum auf: er mußte etwas
gegen die Muslime unternehmen. Sogleich stellte er ein gewaltiges Heer unter dem
Befehl seines tapfersten Generals Bahman Dschaduya auf und übergab ihm die
berühmte Durfasch-i-Kawayani, die heilige Flagge Persiens, die nur bei ganz
besonderen Anlässen herausgegeben wurde.

Im Monat Sa'ban im Jahre 13 n.H. rückte Abu 'Ubaida gegen Bahman vor. Der
Euphrat trennte die beiden Heere. Bahman fragte Abu 'Ubaida, welches der beiden
Heere übersetzen solle. Die muslimischen Heeresführer wollten gern auf ihrer
Flußseite bleiben. Aber Abu 'Ubaidas Selbstvertrauen war so groß, daß er sich
entschloß, jenseits des Flusses zu kämpfen. Die Muslime überquerten daraufhin den
Fluß auf einer aus Booten gebauten Brücke. Hier waren sie jedoch erheblich im
Nachteil: Das Gelände war uneben, so daß das Heer sich nicht frei bewegen konnte.
Das schlimmste aber war, daß die Perser durch eine dicke Mauer von Elefanten
geschützt waren. Die arabischen Pferde hatten nie zuvor so große Tiere gesehen;
sie scheuten und waren schwer zu zügeln.
Als Abu 'Ubaida das sah, befahl er seinen Männern, abzusitzen. Mit ihren
Schwertern zerschnitten sie die Stricke der auf den Elefanten befestigten Sitze,
brachten so die Reiter zu Boden und töteten sie. Aber die Elefanten selbst blieben
ein Problem. Sie trampelten die Männer zu Tode. Ein weißer Elefant, der Anführer
der Herde, wurde zum Schrecken der Soldaten. Überall, wo er auftauchte, wurden
die Muslime von Panik ergriffen, und ihre Linien brachen zusammen. Abu 'Ubaida
mußte etwas unternehmen: So trennte er mit einem Schwertstreich den Rüssel des
Elefanten ab. Im nächsten Augenblick trampelte das wütende Tier den
Oberbefehlshaber der Muslime zu Tode. Sein Bruder sprang vor, um die Standarte
zu halten, aber er erlitt das gleiche Schicksal. Auf gleiche Weise fielen nacheinander
sieben Verwandte Abu 'Ubaidas.

Dadurch verlor das muslimische Heer seinen Kampfgeist. Sie wollten fliehen, aber
die Brücke war nicht mehr da. Sie war von einem jungen Mann der Banu Taqif
abgebrochen worden, um die muslimischen Soldaten an der Flucht zu hindern. Die
Lage schien hoffnungslos. Nun hatte Al-Mutanna Ibn Harita den Oberbefehl, Er
ordnete an, die Brücke wieder herzustellen. Inzwischen hielt er den Feind zurück.
Trotzdem erlitt das islamische Heer schwere Verluste. Fast 4000 Mann ertranken im
Fluß; von einer Armee mit 9000 Mann konnten sich nur 3000 retten.

Vorbereitung zur Vergeltung
'Umar (r) war sehr traurig über die Niederlage. Der Verlust so edlen Lebens bewegte
ihn sehr. Er forderte verschiedene Stämme durch Boten auf, unter dem Oberbefehl
von Al-Mutanna Ibn Harita zu kämpfen, und es dauerte nicht lange, bis Al-Mutanna
genügend Männer beisammen hatte, um den Kampf wieder aufzunehmen. Diesmal
wählte Rustum den General Mehran zum Kampf gegen die Muslime. Dieser General
hatte langjährige Erfahrung und kannte die arabische Kriegsführung. Rustum war
überzeugt, daß Al-Mutanna Ibn Harita kein leichtes Spiel gegen Mehran haben
würde. Um ganz sicher zu gehen, stellte er 12.000 Mann der kaiserlichen Garde
unter Mehrans Befehl. Die beiden Heere trafen sich da, wo heute Al-Küfa steht.
Wieder trennte sie der Euphrat. Mehran fragte Al-Mutanna, ob er übersetzen wolle;
er verneinte. Nun setzte das persische Heer über den Fluß.
Die Schlacht begann. Es war ein verbissener Kampf: Die Perser waren zahlenmäßig
um ein Mehrfaches überlegen, doch die Muslime kämpften verzweifelt. Mit
erstaunlichem Wagemut stießen sie mitten in die persischen Heere. Ein junger Mann
der Banu Taglib erkannte Mehran. Er stürzte sich auf ihn und schlug ihm den Kopf
ab. Dann rief er: "Ich bin ein junger Taglib und habe den Anführer der Perser
getötet!"

In der persischen Menge entstand daraufhin Unruhe, und es folgte ein wilder
Ansturm auf die Brücke. Al-Mutanna Ibn Harita hatte jedoch seinen Plan bereits
ausgeführt, die Brücke abzubauen, ehe der Feind sie erreichen konnte. Ohne die
rettende Brücke ertranken Tausende von Persern; nicht weniger als 100.000 verloren
ihr Leben in dieser Schlacht. Der Sieg der Muslime war vollständig. Der ganze Irak
westlich des Euphrat lag nun in den Händen der Muslime.

Yezdegerd wird Kaiser
Die Niederlage brachte die Herrscher Persiens in große Schwierigkeiten. Wieder traf
sich der Adel zu geheimer Beratung. Man war sich klar, daß das Land gerettet
werden mußte und daß kein Preis dafür zu hoch sei. Schließlich kamen sie überein,
daß eine Frau die Staatsgeschäfte nicht führen könne; und sie setzten einen
männlichen Herrscher an die Stelle der Kaiserin: Yezdegerd, ein
einundzwanzigjähriger geistvoller junger Mann, wurde Kaiser.
Der neue Kaiser nahm seine Aufgabe ernst. Er reorganisierte das Heer und
verstärkte die Grenz Verteidigung. Er regte den Adel zu neuen Taten an, und in
Persien wurde ein neues Lebensgefühl spürbar. Verlorene Teile des Irak wurden
wiedergewonnen. Als 'Umar (r) davon erfuhr, befahl er Al-Mutanna Ibn Harita, sich an
die arabische Grenze zurückzuziehen. Auf diese Anweisung hin sammelte Al-
Mutanna seine Streitkräfte in einem Lager bei Di Qar, einem arabischen
Außenposten. Der gesamte Irak war wieder einmal in persischer Hand.

Für kurze Zeit erschien das Perser-Reich so mächtig wie zuvor. Es gewann zurück,
was es verloren hatte, und der junge Yezdegerd schien Persien den früheren Ruhm
zurückgegeben zu haben. Der Adel und das Volk waren glücklich darüber, aber ihre
Freude war nur von kurzer Dauer; denn jenseits der Grenze bahnten sich furchtbare
Dinge an.

Die Schlacht von Al-Qadisiyya
Der Wiederaufstieg Persiens und die damit verbundene erneute Bedrohung für den
islamischen Staat war eine Herausforderung, der man begegnen mußte. 'Umar (r)
traf Kriegsvorbereitungen in großem Umfang. Die Gouverneure erhielten Befehle,
treue Krieger, erprobte Generäle und gute Redner in die Hauptstadt zu schicken.
Diese Befehle wurden ausgeführt, und die besten Söhne des Islam versammelten
sich in AI-Madina.
'Umar (r) wollte das Heer selbst führen. Talha, Az-Zubair Ibn AI-'awwarn,
'Abdurrahman Ibn 'Auf und andere hervorragende Sahaba des Propheten wurden zu
Anführern verschiedener Abteilungen ernannt. 'Umar (r) marschierte ungefähr drei
Meilen lang an der Spitze des Heeres; dann schlug er ein Lager auf, um endgültig zu
entscheiden, ob er selbst das Oberkommando weiter behalten sollte, wie es die
meisten wollten. Aber die alten Krieger meinten, daß dies zu gefährlich sei: Niemand
könne den Ausgang der Schlacht voraussagen, und falls die Muslime unter dem
Kommando des Kalifen unterliegen sollten, könnte ihnen nichts mehr ihr Vertrauen
und Ansehen zurückgeben. Dies leuchtete 'Umar ein. Er übertrug deshalb Sa'd Ibn
Abi Waqqas, einem Onkel des Propheten mütterlicherseits, den Oberbefehl.

Er selbst kehrte nach AI-Madina zurück. Sa'd setzte den Vormarsch fort, bis er die
Stelle erreichte, wo jetzt Al-Kufa steht. Hier erfuhr er von AI-Mutanna Ibn Haritas Tod.
Al-Mutannas Bruder stieß mit seiner Streitmacht zu Sa'd; er überbrachte dem neuen
Befehlshaber nützliche Hinweise, die sein verstorbener Bruder ihm gegeben hatte.
Von Al-Madina aus befaßte sich 'Umar (r) bis in alle Einzelheiten mit dem Feldzug,
und Sa'd erhielt vom Kalifen ständig Anweisungen. Dieser bestimmte auch, wie die
Armee gegliedert werden sollte, und er wählte Al-Qadisiyya als den Ort aus, an dem
die Muslime Halt machen sollten. Dann ließ er sich eine genaue Karte der Umgebung
anfertigen. Anhand dieser Landkarte legte er dann die anzuwendende Taktik fest.

Ungewohntes Gespräch bei Yezdegerd
Sa'd erhielt die Anweisung, dem Feind vor Beginn des Kampfes den Frieden
anzubieten. Als Unterhändler wurden die Oberen von 14 verschiedenen Stämmen
entsandt. Yezdegerd versammelte seine Ratgeber, um die Unterhändler zu
empfangen. Der Hof war ein Spiegel persischen Pomps und Glanzes; denn die
Perser wollten durch Prachtentfaltung die Augen der Wüstenbewohner blenden. Aber
es zeigte sich, daß die Muslime von anderer An waren: Mit Umhängetüchern aus
dem Yemen um die Schultern, Lederschuhen an den Füßen und Peitschen in den
Händen gingen sie unbekümmert an den Hof. Die Höflinge und der Kaiser waren
gleichermaßen über das furchtlose Auftreten der Muslime erstaunt.
Die Friedensgespräche begannen. Yezdegerd fragte die Abgesandten, weshalb sie
in sein Land gekommen seien. Nu'man Ibn Muqarrin, der Leiter der Abordnung, trat
hervor und sagte:

"Herrscher, vor nicht allzulanger Zeit waren wir noch ein unwissendes und wildes
Volk. Allah hatte Mitleid mit uns und sandte uns Seinen auserwählten Propheten. Der
Prophet zeigte uns den Weg der Wahrheit. Er rief uns zu einem besseren Leben auf
und befreite uns von allem Übel. Er versprach uns in diesem und im nächsten Leben
Erfolg, wenn wir seine Botschaft anerkennen. Wir glauben an seine Sendung.
Dann befahl er uns, seine Botschaft, den Islam, den uns umgebenden Völkern zu
bringen. Der Islam ist der Urquell alles Guten. Er sagt ganz klar, was gut und was
böse ist. Persische Edle, wir rufen euch auf den Weg des heiligen Glaubens. Wenn
ihr ihn annehmt, kann es nur das Beste für euch sein, und wir werden euch in
Frieden lassen. Wir werden euch Allahs geschriebenes Gebot übergeben. Dieses
Buch wird euer Führer sein. Ihr werdet seine Gebote befolgen. Aber wenn ihr die
Botschaft des Islam zurückweist, müßt ihr unter unserer Herrschaft leben und die
Gizya bezahlen. Auch müßt ihr dafür sorgen, daß es keine Ungerechtigkeiten und
üble Taten mehr in eurem Land gibt.

Wenn ihr auch dies verweigert, muß das Schwert entscheiden." Yezdegerd
hörte diese Rede ruhig an und sagte: "Araber, vor nicht allzulanger Zeit gab es kein
Volk, das so armselig und verkommen war wie ihr. Es genügte die Anweisung an
einen Grenzposten, um Vergehen von euch zu bestrafen und Ordnung zu schaffen.
Daher rate ich euch, eure Eroberungsgelüste aufzugeben. Sollte es euch an
Nahrung oder anderen Dingen fehlen, laßt es uns wissen. Wir werden euch mit dem
Notwendigen versorgen. Wir werden auch einen gerechten Herrscher über euch
ernennen, der euch mit Güte regieren wird."
Nach diesen Worten stand Al-Mugira Ibn Zarara auf und erwiderte:
"Kaiser, wir lebten tatsächlich so armselig, wie ihr sagtet, vielleicht sogar in noch
schlimmerem Maße. Wir aßen tote Tiere, bekleideten uns mit Fellen und schliefen
auf dem Boden. Aber seit Allahs auserwählter Prophet unter uns erschienen ist,
haben wir uns grundlegend geändert. Seine wunderbare Lehre und sein erhebendes
Beispiel haben uns zu den Führern der Welt gemacht. Auch stolze Herrscher wie ihr
fürchten uns jetzt. Kaiser, jedes weitere Gespräch ist nutzlos. Entweder erkennt ihr
den auserwählten Propheten an und beugt euch vor seiner erhabenen Lehre, oder
ihr zahlt die Gizya. Wenn ihr beides verweigert, entscheidet das Schwert!"
Al-Mugiras Worte brachten den Kaiser außer Fassung.
"Bei Yazdan", brüllte er zornig, "wenn uns nicht das Gesetz daran hinderte, das Blut
von Unterhändlern zu vergießen, hätte ich euch enthaupten lassen! Aber ich werde
Rustum beauftragen, mit euch abzurechnen. Er wird euch und alle eure Kameraden
in der Erde von Al-Qadisiyya begraben."
Dann frage er: "Wer hat das größte Ansehen unter euch?"

"Ich", antwortete 'Asim Ibn 'Umar.
Der Kaiser ließ einen Korb mit Erde füllen und ihn 'Asim auf den Kopf setzen. Dieser
lief davon und brachte ihn zu seinem Befehlshaber Sa'd. Als er den Korb vor diesem
niedergesetzt hatte, sagte er:
"Ich gratuliere dir zum Sieg! Der Feind hat uns sein Land selbst ausgehändigt!"
Sa'd gefiel dies sehr, und er nahm dies als ein gutes Vorzeichen für den Sieg der
Muslime. Der Fortgang der Ereignisse gab ihm recht.

Rustums Demütigung
Mit einer Armee von 120.000 Mann zog Rustum nach Al-Qadisiyya. Hier bezog er
Stellung für die Schlacht, aber im Innersten seines Herzens fürchtete er die Muslime.
Daher zögerte er den Beginn der Schlacht um einige Wochen hinaus. Ständig waren
Abgesandte beider Seiten unterwegs. Der letzte Abgesandte, der Rustum aufsuchte,
war Al-Mugira Ibn Su'ba. Rustum tat alles, was er konnte, um den Muslim mit Glanz
zu blenden: Er saß auf einem goldenen Thron, hatte eine Diamantenkrone auf dem
Haupt, und der ganze Hof war mit Brokat, Gold und Diamanten reich geschmückt. Al-
Mugira Ibn Su'ba stieg vom Pferd herab, ging geradewegs zu Rustums Thron, stieg
hinauf und setzte sich an Rustums Seite.
Alle Anwesenden waren aufs äußerste verblüfft; denn so etwas Ungeheuerliches
hatte noch niemand gewagt. Schließlich kamen Wachen herbeigelaufen und
zwangen Al-Mugira, vom Thron herunterzusteigen. Al-Mugira blieb jedoch kühl und
sagte, an den versammelten Hof gerichtet: "Edle von Persien! Ich hielt euch für
weise, aber ihr habt euch als töricht erwiesen. Wir Muslime erheben niemals einen
Menschen in den Rang von Göttern. Die Schwachen unter uns glauben nicht an die
Überlegenheit der Starken, und ich dachte, ihr würdet nach denselben Grundsätzen
handeln. Ich wußte nicht, daß bei euch die Starken über Schwachen stehen und von
diesen angebetet werden. Auch war mir nicht bekannt, daß ihr nicht an die Gleichheit
der Menschen glaubt. Wenn ich das gewußt hätte, wäre ich überhaupt nicht erst an
euren Hof gekommen. Aber ich sage euch, daß ihr mit diesen Methoden euer Reich
nicht halten könnt. Unruhe unter den Schwachen wird alles auf den Kopf stellen." Mit
Al-Mugiras Rede waren die Friedensgespräche beendet. Aber in den Ohren der
persischen Noblen klangen seine Worte nach.
"Wie wahr die Worte dieses freimütigen Muslims sind!" sagten einige.
"Der Bursche hetzt unser Volk gegen uns auf, sagten andere, "es wäre töricht, auf
die Muslime herabzusehen."

Die Schlacht
Im Monat Al-Muharram des Jahres 14 n.H. begann endlich die Schlacht von Al-
Qadisiyya. Sa'd Ibn Abi Waqqas (r), der muslimische Oberbefehlshaber, war jedoch
krank und erlitt starke Schmerzen. So konnte er den Einsatz nur vom Dach eines
nahe gelegenen Hauses aus leiten. Er befahl den Angriff nach dem frühen
Nachmittagsgebet. Nach islamischer Regel rief der Befehlshaber dreimal laut:
"Allahu akbar!"
Beim vierten Ausruf setzte sich das Heer in Bewegung. Der Kampf dauerte bis spät
in den Abend. Die persischen Elefanten waren wieder das Schreckgespenst für die
arabischen Pferde, und die muslimischen Bogenschützen versuchten, sie und ihre
Reiter zu treffen. Aber das Problem mit den Elefanten blieb ungelöst, und der erste
Tag endete mit einem Vorteil für die Perser.
Am Morgen des zweiten Tages wurde die Schlacht fortgesetzt. Die Toten wurden
beerdigt, die Verwundeten der Pflege der Frauen überlassen. Vor Beginn des
Kampfes traf Verstärkung aus Syrien ein. Es waren 6000 Mann, die jedoch bis zum
Abend in kleineren Gruppen heraneilten. Diese Taktik erweckte bei den Persern den
Eindruck, daß sich die islamische Armee ständig vergrößere. Der Gedanke erfüllte
sie mit Schrecken.

Die syrischen Truppen hatten sich etwas besonders Kluges ausgedacht, um gegen
die Elefanten zu kämpfen: Sie bedeckten ihre Kamele mit großen schwarzen,
wehenden Umhängen, und dieser Anblick bewirkte, daß die Elefanten verwirrt
wurden und sich nicht mehr leiten ließen. Bis Mitternacht blieben die beiden Heere in
einen Kampf auf Leben und Tod verwickelt. Bahman, Prinz Schahr Baraz und viele
andere persische Führer wurden getötet. Die Muslime erlangten insgesamt einen
klaren Vorteil.

Ein seltsamer Vorfall
Am darauffolgenden Tag ereignete sich während der Schlacht ein seltsamer Vorfall.
Abu Mahgan At-Taqafyy war ein großer Krieger und guter Dichter, aber Sa'd hatte
ihn betrunken angetroffen und ins Gefängnis geworfen. Vom Fenster seines
Gefängnisses aus sah der tapfere Krieger die bewegten Szenen der Schlacht und
wäre gern dabeigewesen. Da ging Sa'ds Frau Salma vorbei; er flehte sie an, ihn zu
befreien, damit er am Kampf teilnehmen könne. Er versicherte ihr: "Wenn ich am
Abend noch lebe, kehre ich in diese Zelle zurück und lege die Fesseln wieder an."
Salma war bewegt von seinen Worten und befreite ihn. Abu Mahgan stürzte sich
daraufhin sofort in das Getümmel der Schlacht.
Sa'd bemerkte vom Dach des Hauses aus die überragenden Heldentaten eines
einzelnen Kriegers. Überall, wo er auftauchte, brachen die feindlichen Linien
zusammen; Sa'd war voller Lob über seinen Mut und wollte wissen, wer er sei.
Am Abend kehrte Abu Mahgan freiwillig ins Gefängnis zurück und legte seine
Fesseln an. Am Morgen erfuhr Sa'd von seiner Frau alles über den tapferen
Gefangenen. Jetzt wußte er, wer der bewundernswerte Krieger des vergangenen
Tages war.
"Bei Allah !" erklärte Sa'd (r). "Ich kann einen Mann, der sich so sehr für seinen
Glauben einsetzt, nicht hinter Gitter sperren."
"Bei Allah !" erklärte Abu Mahgan nach seiner Freilassung.
"Ich will nie mehr einen Tropfen Wein zu mir nehmen!"

Niederlage der Perser
Der dritte Tag der Schlacht begann. Die persischen Elefanten waren noch immer ein
Problem, und Sa'd fragte schließlich zwei persische Muslime, wie man ihnen am
besten beikommen könne.
"Stecht ihnen die Augen aus!" rieten sie.
Es gab zwei große Elefanten, die die Herde anführten. Zwei muslimische Krieger
übernahmen es, eines der riesigen Tiere zu erledigen: Gleichzeitig stachen sie mit
ihren Speeren seine beiden Augen aus, dann schlug ihm einer von beiden den
Rüssel ab. Das gleiche geschah mit dem zweiten Riesen.

Wahnsinnig vor Schmerz taumelten beide Elefanten zum Fluß zurück, und der Rest
der Herde folgte den geblendeten Anführern. Von da an wurden die Elefanten nicht
mehr gesehen.
Die Schlacht wütete Tag und Nacht mit unverminderter Heftigkeit.
Im Morgengrauen trieben die Oberen verschiedener arabischer
Stämme ihre Männer mit lauten Rufen zu einem letzten Vorstoß an. Diese sprangen
von ihren Pferden und stürzten sich mit gezogenem Schwert in die feindlichen Linien.
Noch vor Mittag waren sie im Zentrum der persischen Streitkräfte. Einige von ihnen
drangen sogar bis zu Rustum, dem persischen Befehlshaber, vor. Dieser saß auf
seinem goldenen Thron und leitete von hier aus das Gefecht. Überrascht sprang er
herab und kämpfte vorbildlich, aber schließlich wurde er von dem muslimischen
Soldaten Hilal Ibn 'Alqama erschlagen. Hilal sprang auf Rustums goldenen Thron
und rief aus:
"Beim Herrn der Al-Ka'ba, ich habe Rustum erschlagen! " Rustums Tod besiegelte
den Zusammenbruch der persischen Streitkräfte. Die Standarte Durfasch-i-Kawayani
fiel in muslimische Hände. 30.000 Perser wurden getötet; die Muslime hatten 8000
Gefallene zu beklagen.

Der Kalif erhält die Siegesnachricht
'Umar (r) bangte sehr dem Ausgang der Schlacht entgegen. Jeden Morgen ging er
einige Kilometer vor AI-Madina hinaus und wartete auf einen Boten aus Al-Qadisiyya.
Eines Tages sah er einen Kamelreiter in der Ferne.
"Woher?" fragte 'Umar, als der Reiter nähergekommen war.
"Von Al-Qadisiyya!" hieß die Antwort, und der Mann ritt weiter. 'Umar (r) lief neben
ihm her, um Schritt zu halten, und fragte weiter:
"Aber welche Neuigkeiten bringst du denn?"
"Allah hat den Muslimen den Sieg verliehen", antwortete der Bote.
Nun lief 'Umar (r) weiter, um noch mehr Einzelheiten von ihm zu erfahren. Als beide
die Stadt erreichten, begrüßte das Volk 'Umar als den Führer der Gläubigen.
Der Bote war völlig überrascht; denn er hatte 'Umar vorher nie gesehen.
"O Führer der Gläubigen", fragte er mit leiser Stimme, "warum hast du nicht gesagt,
wer du bist?"
"Mach dir deshalb nur keine Sorgen", sagte 'Umar, "bitte fahre fort mit den
Einzelheiten deines Berichts!".

Die Eroberung Persiens
"Eine Gruppe von Muslimen wird den »Weißen Palast« des persischen Kaisers
besetzen", hatte der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, vor einigen Jahren
voraussgesagt. Die stolze Hauptstadt des Perser-Reiches war Al-Mada'in. Hier lebte
der mächtige Kaiser in seinem berühmten "Weißen Palast". Die Kaiserstadt war nicht
mehr als 40 Meilen von Al- Qadisiyya entfernt.
Nach dem Sieg von Al-Qadisiyya blieb Sa'ds Heer zwei Monate in Ruhestellung. Als
die Männer sich erholt hatten, befahl Sa'd den Marsch auf Al-Mada'in. Städte und
Befestigungen am Wege wurden mühelos eingenommen, und bald erreichten die
Muslime das Ufer des Tigris. Auf der anderen Seite glänzte der "Weiße Palast" in der
Sonne.
Die Perser hatten die Brücke über dem Fluß zerstört. Sa'd befahl einigen seiner
Leute, überzusetzen und das andere Ufer für eine Landung des Heeres zu sichern.
Sechzig Reiter stürzten sich sogleich in den Fluß. Dieser Anblick erschreckte die
persischen Wachen so sehr, daß sie laut schreiend davonliefen:
"Die Riesen sind da! Die Riesen sind da!"
So setzte Sa'd mit seinem Heer über, ohne auf Widerstand zu stoßen. Yezdegerd
und sein Hof waren schon geflohen. Als die Muslime schließlich im "Weißen Palast"
waren, fanden sie Mengen von Edelsteinen und unermeßliche Schätze. Ein Fünftel
dieser reichen Beute wurde nach AI-Madina geschickt, der Rest wurde unter die
Männer verteilt. Jeder Soldat erhielt 12.000 Goldstücke und andere wertvolle
Gegenstände. Sa'd und 'Umar dankten Allah dafür, daß ihre Männer sich während
des ganzen Feldzuges als vollkommen ehrlich und aufrichtig erwiesen hatten.

Umar weint
Als die reiche Beute aus dem "Weißen Palast" in Al-Madina eintraf und in der
Propheten-Moschee aufgehäuft wurde, brach 'Umar bei diesem Anblick in Tränen
aus.
"Das ist doch kein Grund zum Weinen", bemerkte einer, der dabeistand.
"Ich weine", sagte 'Umar (r), "weil Reichtum Feindschaft und gegenseitige Erbitterung
hervorruft, und ein Volk mit diesen üblen Eigenschaften verliert sein Ansehen."
Zur Beute gehörte auch das Schwert des Kaisers. Sein Knauf war mit Juwelen von
besonderer Schönheit verziert. Der Kalif bewunderte die Pracht des Schwertes und
lobte auch die Ehrlichkeit seiner Truppen, die nichts für sich zurückbehalten hatten
von dem, was in ihre Hände gefallen war.
"Führer der Gläubigen", bemerkte 'Alyy Ibn Abi Talib (r), "wenn du solch ein
erhebendes Beispiel von Ehrlichkeit gibst, wie sollte dann dein Volk nicht auch
ehrlich sein?“

Die Schlacht bei Nahawand
'Umar hatte nicht den Wunsch, das ganze Perser-Reich zu erobern; er wollte nur das
arabische Land von den Persern zurückbekommen. Nachdem er dies erreicht hatte,
wollte er Frieden. Er sagte oft:
"Ich wünschte mir einen feurigen Berg zwischen uns und den Persern, damit wir in
Frieden leben könnten."
Aber Yezdegerd wollte das nicht. Er versuchte immer wieder, zurückzugewinnen,
was ihm einmal gehört hatte. Dies führte zu ständigen Gefechten. Das von Gallula'
wurde zu einer der heftigsten Schlachten. Die Perser wurden überall geschlagen.
Yezdegerd floh von Ort zu Ort, wollte aber keinen Frieden schließen. Schließlich ging
er nach Khorasan und ließ sich in Merv nieder. Hier bereitete er einen umfassenden
Krieg gegen die Muslime vor.

Sa'd schrieb dem Kalifen, was in Persien vor sich ging. Einige schlugen vor, daß
'Umar selbst ein Heer gegen Yezdegerd anführen solle. Aber 'Alyy Ibn Abi Talib war
anderer Meinung. Danach sollte der Kalif in der Hauptstadt zurückbleiben. 'Umar
stimmte schließlich 'Alyy's Vorschlag zu. Er ernannte Nu'man Ibn Muqarrin zum
Befehlshaber des Heeres gegen Yezdegerd. Nu'man war im Monat Al-Muharram des
Jahres 19 n.H. zur Schlacht bereit.
Der persische Kaiser führte eine Armee von 150.000 Mann an. Beide Heere trafen
bei Nahawand aufeinander. Zwei Tage lang kämpften sie ohne einen klaren Vorteil
für eine Seite, am dritten Tag zogen sich die Perser hinter Befestigungen zurück. Da
die Muslime den Kampf nicht in die Länge ziehen wollten, lockten sie den Feind mit
einer Kriegslist aufs offene Feld.
Nun entstand ein erbarmungsloses Handgemenge, das bis in den späten Abend
anhielt. Es floß so viel Blut, daß das Schlachtfeld davon durchtränkt wurde. Das
Pferd des Kommandierenden Nu'man rutschte auf dem glitschigen Boden aus; er fiel
hinunter und wurde verwundet. Sein Bruder ließ ihn sogleich an einen geschützten
Platz bringen, dann bekleidete er sich mit Nu'mans Kopfbedeckung und Umhang und
bestieg selbst dessen Pferd. Dadurch erfuhren die Krieger nichts von der
Abwesenheit ihres Befehlshabers und kämpften weiter wie zuvor.
Im Schutz der Nacht wandten sich schließlich die Perser zur Flucht. Sie wurden aber
verfolgt und zu Tausenden getötet. Reiche Beute fiel in die Hände der siegreichen
Muslime.
Nu'mans Wunden stellten sich als tödlich heraus. Er erlebte aber noch den
glücklichen Ausgang der Schlacht.

Nu'mans Wunden stellten sich als tödlich heraus. Er erlebte aber noch den
glücklichen Ausgang der Schlacht.
"Tausendfachen Dank an Allah", hauchte er noch "gebt 'Umar Nachricht."
Im nächsten Augenblick verschied er. ´Umar war glücklich über die Siegesnachricht.
Als er aber von Nu'mans Tod erfuhr, brach der Kalif in Tränen aus und weinte lange.

Persien in muslimischer Hand
Nach dem Sieg von Nahawand entschloß sich 'Umar (r), das persische Problem ein
für allemal zu lösen. Die Städte Al-Basra und Al-Kufa im Irak waren bereits gegründet
und dienten den Muslimen als militärische Basis. Von diesen Stützpunkten aus
sollten mehrere Heere unter verschiedenen Befehlshabern in die einzelnen
persischen Provinzen einmarschieren. Die Eroberung war in rund fünf Jahren
abgeschlossen. Etwa um das Jahr 23 n.H. war fast ganz Persien Teil des
islamischen Reiches.
Al-Hakam Ibn 'Umair At-Taglabyy drang nach Osten bis Sind vor. Ein großes Heer
der Belutschen stellte sich ihm entgegen. Der Radscha von Sind sandte seine
Streitkräfte zur Verstärkung. Aber Al-Hakam gewann, und Makran wurde ein Teil des
islamischen Reiches.
Al-Hakam wollte noch weiter nach Osten ziehen: Sein Wunsch war, die Fahne des
Islam bis nach Indien zu tragen. Aber 'Umar wollte das islamische Reich nicht weiter
ausdehnen und dafür muslimisches Blut vergießen. Daher untersagte er Al-Hakam,
über Makran hinauszugehen.
Yezdegerd verursachte noch eine Zeit lang Schwierigkeiten. Er stellte einige Armeen
auf und versuchte, die Macht zurückzugewinnen. Er erhielt sogar militärische Hilfe
von den benachbarten türkischen Königreichen. Alle seine Versuche scheiterten
jedoch. Schließlich gab er die Hoffnung auf und floh nach Transoxanien, wo er
während der Regierungszeit ´Utmans getötet wurde.

Hurmuzans List
Während die Besetzung Persiens vor sich ging, verursachte Hurmuzan, ein
führender Perser, einiges Kopfzerbrechen in AI-Madina. Er war Statthalter von Al-
Ahwaz an der Küste des Golfs. Zweimal schon war er in Schlachten geschlagen
worden und hatte um Frieden gebeten, aber jedesmal hatte er sein Wort wieder
gebrochen und dadurch neue Streitigkeiten verursacht.
Der Kalif war verwirrt und fühlte sich veranlaßt, etwas dagegen zu unternehmen.
Die Befehlshaber von Al-Basra und Al-Kufa erhielten den
Befehl zu einem zangenartigen Angriff gegen den argwöhnischen Hurmuzan.
Dieser zog sich in die Festung Schuschter zurück, da er zu einer offenen Schlacht
nicht fähig war. Die Belagerung der Festung dauerte einen ganzen Monat. Hurmuzan
fühlte sich hilflos und gab schließlich unter der Bedingung auf, zum Kalifen geschickt
zu werden, der mit ihm machen sollte, was er für richtig hielt.
Bald war Hurmuzan unter Bewachung auf dem Weg nach AI- Madina. Als die Stadt
in Sicht kam, legte er glänzende, seidene Gewänder an und setzte eine
Juwelenkrone auf. Der Anblick des Kalifen in geflickter Kleidung nahm dem stolzen
Perser fast den Atem. "Warum hast du dein Wort immer wieder gebrochen?" fragte
der Kalif.

Ehe Hurmuzan auf die Frage antwortete, bat er um einen Trunk, und es wurde ihm
ein Becher Wasser gebracht. Während er diesen in der Hand hielt, rief er: "Ich
fürchte, ich werde erschlagen, ehe ich mit dem Trinken fertig bin!"
"Keine Angst", sagte der Kalif, "bevor du nicht ausgetrunken hast, wirst du nicht
getötet."
Da goß der Perser das Wasser aus und sagte: "Nun kannst du mich nicht
erschlagen; ich habe dein Wort." Alle waren sprachlos über diesen Trick. Da
erklärte Hurmuzan seinen Übertritt zum Islam, indem er die AS- Sahada sprach.
"Ich bat nur deshalb um Wasser", fuhr Hurmuzan fort, "um von dir das Versprechen
zu erhalten, daß du mein Leben schonst. Ich habe diesen Trick gebraucht, damit die
Leute nicht behaupten können, ich wäre aus Angst um mein Leben Muslim
geworden."
Der Kalif war belustigt. Hurmuzan verbrachte den Rest seines Lebens in Al-Madina.

Der Feldzug nach Syrien
Als 'Umar Kalif wurde, herrschte noch Krieg mit Byzanz. Einige Tage danach erlitt
der Feind die schwere Niederlage am Al-Yarmuk. Aber er nahm diese nicht zum
Anlaß, die Beziehungen zu den Muslimen endgültig zu regeln; denn Byzanz hielt es
für nötig, die Schande der Niederlage wieder auszumerzen. Bald wurden große
Heere in Damaskus und Fahl aufgestellt.
Der Kaiser von Byzanz wollte zurückerobern, was er verloren hatte, und außerdem
wollte er den Muslimen eine Lektion erteilen, die sie nicht vergessen sollten. Der
muslimische Befehlshaber Abu 'Ubaida (r) bat den Kalifen schriftlich um
Anweisungen. 'Umar (r) ordnete den Angriff an beiden Fronten an, worauf Abu
'Ubaida beide Städte nacheinander belagerte.

Der Fall von Damaskus
Damaskus war die Hauptstadt von Syrien, und sie war sehr stark befestigt. Abu
'Ubaida leitete den Angriff mit Hilfe fähiger Generäle wie Halid Ibn Al-Walid, 'Amr Ibn
AI-'As und Yazid Ibn Abu Sufyan. Aber die byzantinischen Streitkräfte hatten sich in
die Stadt zurückgezogen und wollten nicht zum Kampf herauskommen.
Halid suchte ständig nach einer günstigen Gelegenheit zum Angriff und schlief
deshalb nachts kaum. Eines Nachts bemerkte er in der Stadt eine ungewöhnliche
Aufregung. Spione brachten die Nachricht, daß dem Statthalter ein Sohn geboren
worden sei und daß das Volk sich dem Trunk und Vergnügen hingegeben habe.
Halid sah endlich seine Chance: Er überquerte den Festungsgraben in Begleitung
einiger sorgfältig ausgewählter Männer, die starke Seile bei sich hatten. Damit gelang
es ihnen, die Stadtmauer zu erklettern, dann sprangen sie hinab, töteten die Wachen
und öffneten das Tor. Mit dem Ruf "Allahu akbar!" drangen Halids Truppen in die
Stadt ein.

Die byzantinischen Heeresführer waren völlig überrascht. Hastig öffneten sie das
Stadttor auf der anderen Seite, liefen zu Abu 'Ubaida und baten um Frieden.
Dieser wußte noch nichts von Halids gewagtem Handstreich und gewährte ihnen
bereitwillig Frieden zu günstigen Bedingungen.
Von den entgegengesetzten Toren kommend, trafen Halid und Abu 'Ubaida in der
Mitte der Stadt aufeinander. Jetzt bemerkte Abu 'Ubaida die List des Feindes, aber er
blieb bei den Bedingungen, die er gewährt hatte.
Damaskus fiel im Monat Ragab des Jahres 14 n.H. Zum Gouverneur von Damaskus
wurde Yazid Ibn Abu Sufyan ernannt. Er und sein jüngerer Bruder Mu'awiya
eroberten das umliegende Gebiet mit seinen Städten.

Halids Verdienste werden anerkannt
Von Damaskus aus marschierte der islamischen Armee nach Fahl und eroberte es.
Dann nahm sie die Befestigungen Marg Ar-Rum, Hirns und Qansrin ein. In all diesen
Kämpfen spielte Halid (r) eine führende Rolle.
Als 'Umar von Halids gewagten Unternehmungen erfuhr, war er voller Lob für ihn.
"Möge Allah Abu Bakr segnen!" rief er aus. "Er kannte die Menschen besser als ich
und hat Halid an den richtigen Platz gestellt. Ich habe ihn nicht deshalb seines
Postens enthoben, weil er Fehler gemacht hätte, sondern weil ich befürchtet hatte,
daß die Muslime zu sehr von ihm abhängig würden. Immerhin hat Halid allein durch
seine Leistungen den Rang eines Befehlshabers verdient."
Der Kalif erhöhte Halids Rang und vergrößerte seine Macht.

Heraklios flieht aus Syrien
Als Damaskus fiel, hielt sich der Kaiser von Byzanz in Antiochia auf. Kaum hatte man
sich von dieser Niederlage erholt, fielen schnell andere wichtige Städte. Die
byzantinischen Streitkräfte waren einfach hilflos gegen die vordringende Flut des
islamischen Heeres. Nach den fortwährenden Niederlagen gab der Kaiser schließlich
die Hoffnung auf, Syrien halten zu können. Um den Rest des Reiches zu sichern,
verzichtete er auf dieses Land.
"Lebe wohl, schönes Syrien", sagte er mit einem Seufzer, als er von einem Hügel
aus das Land überblickte, "nie mehr werde ich dich wiedersehen."

Heraklios wundert sich
Als Heraklios seine Hauptstadt Konstantinopel erreicht hatte, ließ er einen
ehemaligen Kriegsgefangenen zu sich kommen. Dieser war in die Hände der
Muslime gefallen und erst vor kurzem geflohen.
"Was für ein Volk ist das?" fragte der Kaiser. Der Mann entgegnete:
"O Kaiser! Es ist ein wunderbares Volk: am Tage furchtlose Krieger, in der
Nacht andächtig Betende. Von den unterworfenen Völkern verlangen die Muslime
nichts, wofür sie nicht auch bezahlen. Überall verbreiten sie Frieden und
Gerechtigkeit. Aber wenn ein Volk sich ihnen entgegenstellt, ruhen sie nicht eher, bis
es nachgibt."
"Wenn sie solch magische Kräfte besitzen", sagte der Kaiser, "werden sie sicherlich
eines Tages auch den Boden unter meinen Füßen erobern."

Der Fall von Antiochia und Adnadain
Die Muslime nahmen Aleppo ein und zogen dann gegen Antiochia. Als "Asiatische
Hauptstadt des Kaisers" nahm diese Stadt eine Schlüsselstellung ein, aber sie
konnte ohne großen Widerstand genommen werden.
Während Abu 'Ubaida und Halid in Nordsyrien beschäftigt waren, vertrieb Yazid, der
Sohn Abu Sufyans, den Feind vom libanesischen Küstenstreifen. Nach der
Einnahme von Beirut besetzte er die Küste in ihrer ganzen Länge.
Als nächstes fiel die Festung von Adnadain. Nun kam Jerusalem an die Reihe, das
bereits von einer islamischen Armee belagert wurde

Der Fall von Jerusalem
'Amr Ibn AI-'As belagerte Jerusalem. Nach der Einnahme von Antiochia stießen Abu
'Ubaida, Halid und andere Führer des islamischen Heeres zu ihm. Die Christen in
Jerusalem hatten wenig Hoffnung auf Hilfe von Byzanz; deshalb entschieden sie sich
für die kampflose Übergabe.
Jedoch hegten die Christen einige Befürchtungen. Sie wußten, daß sich vorher auch
andere Städte kampflos ergeben hatten, und in jedem Fall hatten die Sieger das
Leben und das Eigentum der Besiegten geachtet. Sie hatten ihre heiligen Stätten
geschont und ihnen erlaubt, ihre eigene Religion auszuüben. Aber weil es sich um
Jerusalem handelte, waren sich die Christen da nicht ganz sicher. Die Stadt war
sowohl für sie als auch für die Muslime ein heiliger Ort. Vor der Übergabe wollten sie
sicher gehen, daß sie gut behandelt würden. Sie machten deshalb Abu 'Ubaida
folgenden Vorschlag:
"Wir sind bereit zur Übergabe, aber euer Kalif muß persönlich zur Unterzeichnung
des Friedensvertrages hier erscheinen."
Die Führer des islamischen Heeres kamen zur Beratung zusammen und berieten
über diesen Vorschlag; schließlich stimmten sie ihm zu; denn sie sagten sich:
"Warum sollen wir Blut vergießen für eine Sache, die auch so geregelt werden
kann?"
Der Vorschlag der Christen wurde dem Kalifen überbracht: Jerusalem könne
genommen werden, ohne einen Tropfen Blut zu vergießen, aber dazu müsse 'Umar
den weiten Weg von AI-Madina nach Jerusalem zurücklegen. Darauf ging 'Umar (r)
bereitwillig ein.
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AbuBakr
 
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Re: Die rechtgeleiteten Khalifen!!

Beitragvon AbuBakr » Mi Jun 30, 2010 8:45 am

fortsetzung..

Umar in Jerusalem
Als der Kalif nach Jerusalem aufbrach, ließ er 'Alyy (r) als seinen Stellvertreter
zurück. Er nahm nur einen Begleiter mit. Sie hatten nur ein Kamel, das sie
abwechselnd ritten. Am Tag der Ankunft in Jerusalem war der Diener an der Reihe
zu reiten.
"Führer der Gläubigen", sagte er, "es wird in den Augen der Leute seltsam aussehen,
wenn ich reite und du das Kamel führst. Sollten wir nicht lieber tauschen?"
"O nein", antwortete 'Umar, "ich will nicht ungerecht sein! Der Islam ist genug Ehre
für uns alle!"
Abu 'Ubaida, Halid, Yazid und andere Anführer gingen dem Kalifen entgegen. Sie
trugen alle feinen, luxuriösenGewänder. Als 'Umar dies sah, wurde er sehr wütend.
Er hob einige Kieselsteine auf, bewarf sie damit und sagte:
"Habt ihr euch in knapp zwei Jahren so sehr verändert? Was ist das für eine
Kleidung? Selbst wenn dies 200 Jahre später geschehen wäre, hätte ich euch
entlassen! "
Die Heeresführer antworteten:
"O Führer der Gläubigen, wir sind in einem Land, in dem die Kleidung eines Mannes
seinen Rang zum Ausdruck bringt. Wenn wir gewöhnliche Kleidung tragen, genießen
wir wenig Ansehen im Volk. Aber unter diesen Gewändern tragen wir unsere
Waffen."
Diese Antwort kühlte den Zorn des Kalifen ab. Danach unterzeichnete er den
Friedens vertrag, der wie folgt lautete: "Von 'Umar, dem Diener Allahs und Führer der
Gläubigen: Den Bewohnern von Jerusalem wird die Sicherheit ihres Lebens und
Eigentums gewährleistet. Ihre Kirchen und Kreuze bleiben unversehrt. Ihre religiösen
Stätten sollen intakt bleiben, sie sollen weder besetzt noch niedergerissen werden.
Das Volk soll in seiner Religionsausübung vollkommen frei und keiner Belästigung
ausgesetzt sein..."
Nun wurden die Tore der Stadt geöffnet. 'Umar ging direkt zum Tempel Davids, Al-
Masgid Al-Aqsa. Er betete unter Davids Bogen. Danach besuchte er die größte
christliche Kirche der Stadt. Als es Zeit zum Nachmittagsgebet war, befand er sich
gerade in der Kirche.
"Wenn du willst, darfst du in der Kirche beten", sagte der Bischof.
"Nein", antwortete 'Umar; "denn wenn ich es täte, wäre es vielleicht eines Tages ein
Vorwand für die Muslime, euch die Kirche abzunehmen."
So betete er auf den Stufen vor der Kirche. Er gab dem Bischof auch ein Schreiben,
in dem stand, daß die Stufen niemals für gemeinsame Gebete benutzt und daß auch
der Adan dort nicht gesprochen werden dürfe

Umars Moschee
'Umar (r) wollte in Jerusalem eine Moschee errichten, und er fragte den Bischof,
welcher Platz wohl dafür geeignet sei. Der Bischof empfahl die As-Sahra, den
Felsen, auf dem der Prophet Jakob (a.s.) zu Allah gebetet haben soll. Hier hatten
jedoch die Christen Müll aufgehäuft, um die Juden zu ärgern.
Die As-Sahra wurde sofort vom Unrat gereinigt. 'Umar legte zusammen mit den
anderen selbst Hand an. Jerusalem, die Stadt Davids und Jesu, Allahs Friede auf
beiden, wurde nun zum Beweis für den Frieden, den der Islam dem Christentum und
dem Judentum gewährt. Als alle Spuren von Schmutz beseitigt waren, wurde auf der
As-Sahra eine Moschee errichtet. Diese steht noch heute dort und ist als '"Umars
Moschee" bekannt.

Besetzung des Nordirak
Der Nordirak hatte bisher mit den Muslimen in Frieden gelebt. Dieser Teil des Irak
hieß Al-Gazira. Nun zettelte das Volk von Al- Gazira. eine Verschwörung an, um die
Muslime aus Syrien zu vertreiben. Der Kaiser von Byzanz wurde gebeten, ein Heer
auszusenden, damit der Plan ausgeführt werden könnte. Er entsprach diesem
Wunsch, und das Volk von Al- Gazira. nahm Verbindung mit seinem Heer auf. Abu
'Ubaida (r) und andere muslimische Heeresführer sahen sich deshalb gezwungen,
sich in die Stadt Hirns zurückzuziehen, die der Feind daraufhin belagerte. Als der
Kalif diese alarmierende Nachricht erhielt, zog er an der Spitze einer Streitmacht aus,
um seinen Leuten zu helfen. Aber ehe er die Stadt erreichte, war der Feind bereits
zurückgeschlagen.
Nun ordnete der Kalif an, Al- Gazira. zu besetzen. 'Ayaz Ibn Gannam führte den
Befehl aus und überrannte es innerhalb kürzester Zeit.

Die große Seuche
Im Jahre 17/18 n.H. wütete im Irak, in Syrien und Ägypten eine schlimme Seuche.
Die Epidemie raffte einen großen Teil der Menschen hinweg. Auch die islamische
Armee in Syrien war von dieser Plage betroffen, und die Zahl der Todesopfer war so
groß, daß 'Umar (r) selbst nach Syrien ging, um sich ein Bild von der Lage zu
machen. In Saara wurde er von den Heeresführern empfangen, und sie beschworen
ihn, dem verseuchten Gebiet fernzubleiben. Der Kalif fragte 'Abdurrahman Ibn 'Auf
(r), einen Sahabyy des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, um Rat. Dieser
zitierte ihm einen Ausspruch des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, den er
selbst von ihm gehört hatte und der lautet:
"Wenn eine Epidemie eine Stadt heimsucht, so begebt euch nicht dorthin; und wenn
ihr euch darin befindet, so verlaßt sie nicht." Daraufhin ging 'Umar schließlich zurück.
Als Abu 'Ubaida das sah, sagte er:
"'Umar, willst du vor Allahs Fügung weglaufen?" "Ja", antwortete 'Umar, "ich laufe vor
Allahs Fügung weg zu Allahs Fügung hin."
Einige Tage, nachdem 'Umar weggegangen war, starb Abu 'Ubaida (r) an der
Seuche. Seinen Nachfolger Mu'ad Ibn Gabal traf dasselbe Schicksal. Die
Befehlsgewalt ging nun auf 'Amr Ibn Al-'As über. Er befahl den Truppen sofort, sich
auf die Höhen verschiedener Hügel zu verteilen, und dieser kluge Befehl brachte die
Epidemie unter Kontrolle. Aber inzwischen waren schon 20.000 Krieger gestorben;
unter ihnen einige der fähigsten Heeresführer des Islam.
Als die Epidemie vorüber war, besuchte 'Umar Syrien zum letzten Mal. Der Grund
des Besuchs war, die Probleme zu lösen, die durch den Ausbruch der Seuche
entstanden waren. Einige Kilometer vor der Stadt Ela gab er seinem Diener sein
Pferd und ritt auf dessen Kamel. "Wo ist der Führer der Gläubigen?" fragte das Volk
den Diener.
"Da, vor euch!" antwortete dieser und zeigte auf den Kamelreiter. Die Leute
wunderten sich und trauten ihren Augen nicht. Schließlich wurde ihnen klar, daß der
Islam keinen Unterschied zwischen Herr und Diener macht.
Während seines Aufenthalts in Syrien gewährte der Kalif den Familien Unterstützung,
die ihren Ernährer verloren hatten. Anstelle der verstorbenen Hauptleute wurden
andere ernannt. Eines Abends bestand das Volk darauf, daß der Kalif Bilal ersuchen
sollte, den Adan zu sprechen. Bilal (r), der seit dem Tod des Propheten, Allahs
Segen und Friede auf ihm, nie wieder den Adan gesprochen hatte, willigte ein. Als er
begann, tauchten die Szenen aus der Propheten-Moschee in AI-Madina vor den
Augen der Männer auf, und alle fingen an zu weinen.

Die Hungersnot
Im folgenden Jahr brach eine große Hungersnot in Al-Higaz aus. Der Kalif unternahm
Schritte, um Lebensmittel von Syrien und Ägypten heranzuschaffen; trotzdem war die
Not weit verbreitet.
'Umar (r) fühlte sehr mit dem Volk, so sehr, daß er schwor, weder Butter noch Honig
zu essen, solange die Hungersnot andauere. Dies wirkte sich nachteilig auf seine
Gesundheit aus. Als sein Diener das sah, brachte er ihm einfach eines Tages Butter
und Honig zum Essen. Aber 'Umar (r) weigerte sich, es anzurühren und sagte:
"Wenn ich das Leiden nicht selbst verspüre, wie kann ich dann das Leiden anderer
verstehen?"

Der Feldzug nach Ägypten
'Amr Ibn Al-'As war versessen darauf, Ägypten zu erobern. Es muß deutlich gemacht
werden, daß von Ägypten für den Islam eine Gefahr ausging. Im Jahre 18 n.H., als
'Umar (r) Syrien besuchte, bat 'Amr um die Erlaubnis, in Ägypten einfallen zu dürfen.
Der Kalif wollte nicht recht, aber 'Amr bedrängte ihn. Schließlich erlaubte er 'Amr (r),
an der Spitze von 4000 Mann loszuziehen.
'Amr war noch nicht in Ägypten angelangt, als er einen Brief vom Kalifen erhielt, der
ihn zurückrief. Der Gedanke an unnötiges Blutvergießen hatte 'Umars Meinung
geändert. Aber 'Amr war so begierig, Ägypten zu erobern, daß er den Brief erst
öffnete, als er schon im Land war.

Ehrenvolle Behandlung
Ägypten stand unter der Herrschaft eines Vizekönigs des Kaisers von Byzanz. Der
Kaiser unterhielt ein großes Heer in Ägypten, das unter seinem Oberbefehl stand.
Die erste Schlacht führte 'Amr gegen die kaiserlichen Truppen. Sie dauerte einen
ganzen Monat. Aber am Ende siegte 'Amr (r); und das erleichterte den weiteren
Vormarsch. Dabei nahm er die Stadt Balqis ein, wo die Tochter des Vizekönigs lebte.
Sie war mit dem Sohn des Kaisers verheiratet und wollte gerade nach Byzanz
aufbrechen. Mit ihrer reichen Aussteuer fiel sie in die Hände der Muslime. Aber 'Amr
schickte sie zu ihrem Vater mit allem, was sie besaß. Der Vizekönig war 'Amr sehr
dankbar für diese Güte.

Der Vizekönig gibt auf
'Amr zog nun vor die stärkste Festung der kaiserlichen Streitkräfte. Sie lag am
östlichen Ufer des Nil. Gegenüber auf dem westlichen Ufer befand sich der Palast
des Vizekönigs. Der Befehlshaber der kaiserlichen Streitkräfte zog sich in seine
Festung zurück.
Die Belagerung dauerte lange und versprach wenig Hoffnung auf einen Sieg. 'Amr
schrieb nach Al-Madina, worauf ihm der Kalif eine Verstärkung von 12.000 Mann
sandte. Mit ihr kamen einige der bekanntesten früheren Kriegsteilnehmer. Einer von
ihnen, Az-Zubair Ibn Al-'awwam, war ein sehr starker Mann. Ihm gelang es, auf die
Festungsmauer zu klettern, und viele andere machten es ihm nach. Als sie
zusammen in den Ruf "Allahu akbar!" ausbrachen, verlor der kaiserliche
Befehlshaber die Nerven. Er und seine Männer bestiegen die auf der Flußseite
liegenden Boote und segelten davon.

Der Vizekönig war nun seines stärksten Schutzes beraubt und bat daher um Frieden.
Die von ihm entsandten Unterhändler behielt 'Amr zwei Tage bei sich, damit sie die
islamische Lebensweise kennenlernen sollten. Dann sandte er sie mit einer
hoffnungsvollen Antwort zurück. Der Vizekönig fragte seine Unterhändler, was für
eine Art Menschen die Sieger seien.
"Herr", antworteten sie, "die Muslime sind Menschen, die den Tod mehr lieben als wir
das Leben und die Bescheidenheit mehr als den Stolz. Habgier ist ihnen unbekannt.
Sie halten es nicht für unwürdig, auf dem Boden zu sitzen, und sie essen nicht an
einem Tisch. Ihr Befehlshaber ist einer wie sie, er hat kein besonderes äußerliches
Kennzeichen. Die Muslime kennen keinen Unterschied zwischen hoch und niedrig,
Herr und Knecht. Wenn die Zeit des Gebets kommt, nehmen alle ihre Waschungen
vor und stehen Schulter an Schulter voll Demut vor dem Herrn."
Der Vizekönig war sehr beeindruckt.

"Solch ein Volk", erklärte er, "wird jede Macht erringen. Es ist besser, wir machen
Frieden mit ihm." Daraufhin unterzeichnete der Vizekönig den Friedensvertrag. Darin
gewährten die Muslime den Kopten Sicherheit des Lebens und des Eigentums und
Glaubensfreiheit. Die Kopten ihrerseits verpflichteten sich, den Muslimen im Kampf
gegen die kaiserlichen Truppen beizustehen.
Der Kaiser von Byzanz war sehr verärgert über diesen Vertrag, aber der Vizekönig
von Ägypten störte sich nicht daran. Er stand fest zu den Vertragsbedingungen
genauso wie die Muslime. Die Folge war, daß in kurzer Zeit der größte Teil Ägyptens
von den kaiserlichen Truppen geräumt war.

Der Fall Alexandriens
Alexandrien war die letzte Festung der kaiserlichen Streitkräfte in Ägypten. Weil
Byzanz die Stadt auf dem Seeweg mit Menschen und Hilfsgütern versorgen konnte,
schien ihre Eroberung schwierig.
Schließlich belagerte 'Amr die Stadt, aber selbst nach sechs Monaten schien man
einem Sieg nicht näherzukommen. Dies ärgerte 'Umar, und er schrieb folgenden
Brief an ' Amr: "Ich fürchte, daß die Muslime nicht nach den Lehren des Qur'an und
dem Beispiel des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, gelebt haben!
Sage ihnen allen, daß sie diese Pflicht nicht versäumen dürfen! Mache ihnen
eindringlich klar, daß sie aufrecht, kühn und kampfbereit sein müssen! Hole vereint
mit anderen Heeresführern zum endgültigen Schlag aus!"
'Amr gab diesen Brief der Armee bekannt. Die darin ausgesprochenen Befehle
wurden sofort ausgeführt, und am Ende des sechsten Monats der Belagerung fiel
Alexandrien. Es war Mittag, als der Bote Al-Madina mit der Siegesnachricht erreichte.
Er wollte den Kalifen zu dieser Tagesstunde nicht stören und setzte sich in die
Moschee des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm. Aber ein Diener
berichtete 'Umar von der Ankunft des Boten. Der Kalif lief hinaus und fragte diesen:
"Warum bist du nicht gleich zu mir gekommen?"
"Ich dachte", antwortete der Bote, "du hieltest vielleicht einen Mittagsschlaf."
"Wie schade, daß du so gedacht hast!" rief 'Umar.
"Wenn ich anfangen würde, am Tage zu schlafen, wer sollte sich dann um die
Staatsgeschäfte kümmern?"
Ägypten war nun vollständig erobert. 'Amr gründete eine Stadt am Nilufer und nannte
sie Al-Fustat. In ihrer Mitte errichtete er eine große Moschee. Später entwickelte sich
im Laufe der Zeit in der Nähe dieser Stadt die Stadt Kairo.
Im Jahre 23 n.H. hatte 'Amr die muslimische Armee westwärts bis Tripolis geführt.

Umars Brief an den Nil
Die Kopten waren Christen, aber sie befolgten auch heidnische Bräuche. Jedes Jahr
im Frühsommer feierten sie ein großes Fest, das ein Tag allgemeiner Vergnügungen
war. Das Fest wurde aber durch Menschenopfer beeinträchtigt: Eine schöne, als
Braut geschmückte Jungfrau wurde in den Nil geworfen. Das Volk glaubte, daß
dieses Opfer notwendig sei, um den Nil zu beschwören, große Wassermengen für
ihre ausgetrockneten Felder herbeizubringen. Wenn der Nil beleidigt wäre, dachten
sie, würde es keine Flut und somit keine Ernte geben.
Die Kopten baten 'Amr um die Erlaubnis, wie gewöhnlich eine Jungfrau opfern zu
dürfen. Erverweigerte natürlich seine
Einwilligung zu diesem heidnischen Brauch, und ausgerechnet in diesem Jahr
hatte der Nil wenig Wasser; es gab eine Mißernte und viele Bauern verließen das
Land. 'Amr bat den Kalifen schriftlich um Rat.
Der Kalif billigte 'Arnrs Entscheidung, und sandte einen an den Nil gerichteten Brief.
Darin stand:
"Vom Diener Allahs und Führer der Muslime an den Fluß Nil in Ägypten: O Nil, wenn
du aus eigenem Willen fließt, dann fließe nicht. Aber wenn dein Fließen von Allah
dem Allmächtigen bestimmt wird, dann beten wir zu Ihm, dich fließen zu lassen."
Dieser Brief wurde in den Fluß geworfen, so wie es der Kalif angeordnet hatte - und
der Nil trat in diesem Jahr über die Ufer; seit Jahren hatte es keine so große Flut
mehr gegeben. So hatte der Nil wohl dem Kalifen gehorcht. Das Land war wieder
einmal grün und fruchtbar, die Bauern waren glücklich, und der heidnische Brauch
des Menschenopfers war für alle Zeiten abgeschafft.

Umars Tod
In Al-Madina lebte ein persischer christlicher Sklave mit Namen Abu Lu'lu'a Firoz.
Eines Tages kam er zum Kalifen und sagte:
"Mein Herr verlangt eine zu hohe Gebühr für mich. Sorge bitte dafür, daß sie
herabgesetzt wird."
"Wie hoch ist denn die Gebühr?" fragte 'Umar.
"Zwei Dirham täglich", antwortete der Sklave.
"Was kannst du?" war die nächste Frage des Kalifen.
"Ich bin Schreiner, Maler und Schmied", sagte Abu Lu'lu'a.
"Dann ist die Gebühr keinesfalls zu hoch", erwiderte der Kalif.
"Na gut", brummte der Sklave, als er wegging, "ich werde noch mit dir abrechnen."
'Umar schenkte diesen Worten keine Beachtung.
"Ich bin von einem Sklaven getadelt worden", bemerkte er lächelnd.
Früh am nächsten Morgen ging 'Umar (r) wie gewöhnlich zum Gebet in die Moschee.
Abu Lu'lu'a hielt sich bereits mit einem Dolch in der Hand in einer Ecke versteckt. Als
'Umar mit dem Gebet begann, sprang der Sklave plötzlich auf ihn zu und stieß
sechsmal mit dem Dolch auf ihn ein. Als die entsetzten Gläubigen den Mörder
überwältigten, tötete der Schurke sich selbst mit dem gleichen Dolch.
'Umar (r) lag in seinem Blut bis zum Ende des Gebets, dann wurde er heimgetragen.
"Wer ist mein Mörder?" fragte'Umar.
"Abu Lu'lu'a", sagten die Leute.
"Alles Lob gebührt Allah!" sagte 'Umar, "Es ist wenigstens kein Muslim, der mein Blut
vergossen hat."
Ein Arzt wurde gerufen, um die Wunden des Kalifen zu behandeln. Als er sagte, sie
seien zu schwer, um zu heilen, begannen viele der Umstehenden zu weinen.
"Weint bitte nicht", flehte 'Umar. "Wißt ihr denn nicht, dass der Gesandte Allahs
gesagt hat, das Weinen der Verwandten vergrößere den Schmerz des Sterbenden?"
Als er sein Ende nahen fühlte, rief 'Umar seinen Sohn ´ Abdullah zu sich.
"Mein Sohn", sagte er, "gehe zu 'A'ischa; grüße sie von 'Umar. Sprich zu ihr nicht von
mir als dem Führer der Gläubigen; denn ich bin es nicht mehr. Übermittle ihr meinen
letzten Wunsch, in ihrer Gruft an der Seite des Gesandten Allahs und meines großen
Vorgängers beigesetzt zu werden."
´A'ischa (r) weinte, als 'Abdullah ihr den Wunsch seines Vaters überbrachte.
"Ich wollte diesen Platz eigentlich für mein eigenes Grab freihalten, aber 'Umar gilt
mir mehr", sagte sie. 'Abdullah brachte seinem Vater 'A'ischas Einverständnis.
"Alles Lob gebührt Allah!" sagte 'Umar. "Das war mein größter Lebenswunsch. Aber
höre, 'mein Sohn, wenn du meinen Leichnam zu 'A'ischas Gruft bringst, grüße sie
nochmals von mir und bitte sie nochmals um ihre Erlaubnis. Willigt sie ein, bestatte
mich dort. Sonst bringe mich auf den Friedhof von AI-Madina."

Die Frage nach dem Nachfolger
Die Leute baten den sterbenden Kalifen, seinen Nachfolger zu bestimmen.
"Wenn ich es tue", sagte 'Umar, "folge ich Abu Bakrs Beispiel. Aber wenn ich es nicht
tue, handle ich nach dem Beispiel des Gesandten Allahs. Wenn Abu 'Ubaida noch
am Leben wäre, würde ich ihn ernennen, weil der Prophet ihn den "Treuhänder der
Umma" genannt hat. Oder wenn Hudaifa, der Sklave Salims, noch lebte, hätte ich ihn
ernannt, weil der Prophet ihn "einen glühenden Verehrer Allahs" genannt hat."
"Ernenne deinen eigenen Sohn 'Abdullah", schlug einer vor.
"Aufgrund seines Wissens und seiner Frömmigkeit ist er sehr geeignet."
"Aus Al-Hattabs Familie ist ein Mann genug, um vor Allah die Sache des Islam an
führender Stelle zu verantworten", entgegnete 'Umar. Wenn 'Umar diese Erwartung
erfüllt hat, wird er sehr glücklich sein. Ich habe diese Bürde während meines Lebens
getragen, ich möchte sie nach meinem Tode nicht auch noch auf meinen Schultern
haben."
Als man ihm die Frage noch einmal vorlegte, sagte er: "Da sind sechs
Männer, denen der Gesandte Allahs vorhergesagt hat, daß ihnen das Himmelreich
sicher sei. Es sind 'Alyy Ibn Abi Talib, 'Utman Ihn 'Affan, 'Adurrahman Ibn 'Auf, Sa'd
Ibn Abi Waqqas, Az-Zubair Ibn al-'Awwam und Talha Ibn 'Ubaidullah.
Ich bitte sie, sich zusammenzusetzen und aus ihrer Mitte den Kalifen zu wählen.
Wenn sie sich nicht auf einen Namen einigen können, soll die Mehrheit der Stimmen
entscheiden."
'Umar hinterließ folgendes Vermächtnis an seinen Nachfolger:
"Fürchte Allah und schütze die Rechte der Muhagirun und der Ansar! Gib den Armen
vom Überfluß der Reichen! Behandle die Andersgläubigen gut und stehe immer zu
deinem Wort!"

Die Todesstunde
Als es mit ihm zu Ende ging, weinte 'Umar aus Furcht vor Allah.
"Mein Sohn", bat er' Abdullah, ''hilf mir, meine Stirn auf den Boden zu drücken.“,
Abdulla gehorchte.
"O Allah", murmelte der sterbende Kalif, "vergib mir. Tust du es nicht, dann wehe mir
und meiner Mutter, die mich gebar."
Im nächsten Augenblick war 'Umar im Schöße Allahs Vergebung und Erbarmen.
'Umar (r) starb am Mittwoch, dem 27. des Monats Du-1-Higga des Jahres 23 n.H,
nachdem er drei Tage verwundet gelegen hatte. Er war 63 Jahre alt geworden.

Die zehn Jahre von Umars Kalifat
'Umar war zehn Jahre und sechs Monate Kalif. Diese Periode wird als das "Goldene
Zeitalter des Islam" bezeichnet: Die zarte Pflanze, die der Gesandte Allahs, Allahs
Segen und Friede auf ihm, hinterlassen und die Abu Bakr (r) gegen Stürme geschützt
hatte, wuchs unter 'Umars unermüdlicher Pflege zu einem hohen und
weitverzweigten Baum heran. Der Islam wurde zu einer Weltmacht und konnte nun
die Zeiten überstehen. Jetzt war Wirklichkeit geworden, wofür der Prophet, Allahs
Segen und Friede auf ihm, vor Jahren gebetet hatte: 'Umar (r) hatte den Islam stark
und groß gemacht! Damit ist auch sein eigener Name unsterblich geworden.
'Umars erstaunlicher Erfolg hatte zwei Ursachen - seine Gottesfurcht und seine
Liebe zum Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm. In allem, was er tat, vergaß
er keine Sekunde lang, daß er Allah (t) verantwortlich war. Er folgte genau dem
Beispiel des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm. Diese beiden
Eigenschaften machten ihn zugleich zum mächtigsten Herrscher und selbstlosesten
Mann seiner Zeit.

Seine ganze Macht setzte er ein zum größeren Ruhm Allahs und Seines Gesandten.
'Umars Heere warfen zwei mächtige Weltreiche nieder. Aber er selbst führte ein
einfaches und strenges Leben.
Außer der geringen monatlichen Zuwendung, die ihm bewilligt worden war, erhielt
'Umar keinen Pfennig aus der Staatskasse für sich oder seine Familie.
Als Kalif unterhielt er diplomatische Beziehungen zu anderen Herrschern. Einmal bat
seine Frau den Gesandten in Byzanz, der Kaiserin eine Flasche Parfüm als
Geschenk mitzunehmen.
Als Gegengeschenk sandte die Kaiserin ihr ein Perlenhalsband. Als 'Umar
davon erfuhr, gab er das Halsband zum Staatsschatz und sagte zu seiner Frau:
"Der Bote reiste auf Kosten der Allgemeinheit."
Abends pflegte der Kalif aus dem Baitu-1-Mal Öl für seine Lampe zu verbrauchen.
Dies tat er aber nur so lange, wie er die Papiere für die Staatsgeschäfte
durcharbeitete. Danach löschte er die Lampe, obwohl er kein anderes Licht in seinem
Hause hatte.
'Umar kümmerte sich persönlich auch um die geringsten Angelegenheiten des
Volkes wobei er sich wie ein Schwerarbeiter abmühte. Jeden Abend machte er einen
Rundgang durch die Stadt, um sich mit eigenen Augen zu überzeugen, wie das Volk
lebte und fühlte. Er war stets bereit, denen zu helfen, die seine Hilfe brauchten. Auf
seinen Schultern schleppte er Proviant herbei und gab ihn in den Häusern der Armen
ab. Nichts konnte 'Umar davon abhalten, seine Pflicht gegenüber dem Volk zu
erfüllen. Alle Bürger einschließlich des Kalifen waren vor dem Gesetz gleich. Einmal
mußte 'Umar vor dem Gericht in AI-Madina erscheinen; denn jemand hatte gegen ihn
geklagt. Als er das Gericht betrat, stand der Richter auf, um ihm seine Achtung zu
erweisen.

"Das ist die erste Ungerechtigkeit, die du dem Kläger gegenüber begangen hast",
sagte 'Umar zum Richter. Moderne, demokratische Staaten müssen dieses Maß an
Aufrichtigkeit erst noch erreichen; denn ihre höchsten Vertreter dürfen vor ein
gewöhnliches Gericht nicht vorgeladen werden.
Der größte Wunsch 'Umars war es, die Segnungen des Islam in vollem Maße allen
Völkern zuteil werden zu lassen, die unter seiner Herrschaft standen. Er war für
jedermann erreichbar. Selbst der einfachste Mann konnte ihn auf der Straße
ansprechen. Er konnte den Kalifen fragen, warum er diese oder jene Anordnung
getroffen habe. Auch eine arme Frau konnte ihm widersprechen und ihn auf
irgendeinen Fehler aufmerksam machen. Trotz all seiner Macht und Frömmigkeit
hielt er sich nicht für fehlerlos. Er begrüßte es, wenn Ansichten geäußert wurden, die
mit seinen nicht übereinstimmten.
"Allahs Gnade komme über die, welche mich zur Erkenntnis meiner Unzulänglichkeit
bringen", sagte er.

'Umar (r) wünschte, daß seine Gesandten ebenso handelten wie er selbst. Er dachte
vor allem an die unwürdigen Traditionen von Persien und Byzanz und fürchtete, daß
diese Traditionen den freien Geist des Islam überziehen würden. Deshalb hatten die
Statthalter strenge Anweisung, sich nicht vom Volk abzusondern. Sie erhielten den
Befehl, einfach zu essen und sich einfach zu kleiden. Es war ihnen untersagt,
Vorhallen vor ihren Häusern zu errichten. Sie durften auch keine Wächter vor den
Türen haben. 'Umar (r) bestand darauf, daß die Herrscher mit dem Volk eins sein
sollten und verlangte, daß sie sich zwanglos unter das Volk mischten. Sie sollten für
jeden Mann und für jede Frau, die unter ihrer Herrschaft lebten, erreichbar sein.
'Umar (r) suchte die enge Verbindung zur Alltagsarbeit seiner Verwalter, um sicher
zu sein, daß seine Anordnungen auch befolgt würden. Vertrauenswürdige
Beobachter bereisten das weite persische Reich, um den Kalifen Bericht zu erstatten.
Einmal erfuhr 'Umar (r), daß einer seiner Statthalter sich vom Volke abgesondert
hatte. Er wurde daraufhin sofort nach Al-Madina zurückberufen. Der Kalif ließ ihn
sein seidenes Gewand ablegen und schickte ihn als Schafhirten in die Wüste. 'Umars
Gerechtigkeit machte auch vor dem höchsten Rang nicht Halt.
'Umar hatte ein großes Reich zu verwalten und erwies sich dieser Aufgabe mehr als
gewachsen. Sie bestand darin, sich um ausgedehnte militärische Unternehmungen
zu kümmern, die gleichzeitig im Osten und im Westen stattfanden. Er meisterte diese
Herausforderung mit erstaunlichem Erfolg. Danach mußte er Frieden und Ordnung in
seinem riesigen Reich schaffen. Auch hierin war sein Erfolg unerreicht. Nirgendwo in
der übrigen Welt kannte man so viel Freiheit, Gerechtigkeit und Sicherheit, wie er sie
seinem Volk gab. Kurz gesagt: 'Umar (r) wurde zur Quelle, aus der unverfälscht der
Segen floß, den der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, der
Menschheit gebracht hatte.
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