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Die Blöße Deines Bruders! Erläuterung von Riyāḍu ṣ-Ṣāliḥīn.

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Die Blöße Deines Bruders! Erläuterung von Riyāḍu ṣ-Ṣāliḥīn.

Beitragvon Moe » Sa Jan 19, 2013 1:56 pm

In seiner Erläuterung zu 'Riyāḍu ṣ-Ṣāliḥīn' von Ibn ‘Uṯaymīn (رحمه الله), namentlich (شرح رياض الصالحين من كلام صيد المرسلين), Verlag: Dār al-Āṯār, Algier 2004, 1. Auflage, 2. Band, erläutert der Gelehrte das 28. Kapitel des besagten Buches von Imān Nawawī (رحمه الله), welches lautet:

„(Fehler)bedeckung der Blöße der Muslime und das Verbot ihrer Verbreitung ohne notwendigen Grund“.

Es folgt meine aus mehreren Teilübersetzungen bestehenden Translation, so Allāh will.
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Re: Die Blöße Deines Bruders! Erläuterung von Riyāḍu ṣ-Ṣāliḥ

Beitragvon Moe » Sa Jan 19, 2013 1:58 pm

S. 3-7 im besagten Buch:

„Allāh, der Erhabene, sagte

{24.19. Diejenigen, die möchten, daß die Abscheulichkeit sich über diejenigen, die glauben, verbreitet, für sie gibt es schmerzende Strafe in dieser Welt und im Jenseits}.

*** Die Erläuterung ***

Es sagte der Großgelehrte Ibn ‘Uṯaymīn (رحمه الله):

„Es sagt der Autor (رحمه الله):
„Kapitel: (Fehler)bedeckung der Blöße der Muslime und das Verbot ihrer Verbreitung ohne notwendigen Grund“, wobei mit der Blöße hier die wörtlich gemeinte Blöße gemeint ist. Denn die Blöße ist von zwei Arten:

Die sinnliche Blöße (العورة الحسية): Diese ist das, worauf das Anblicken ḥarām ist, wie den Geschlechtsorganen und dem Gesäß und das, wovon im Fiqh ähnliche Urteile bekannt sind (A.d.Ü.: Das heißt - und Allāh weiß es besser -: Körperstellen, welche islamrechtlich ebenso nicht angesehen werden dürfen, wie die Oberschenkel einer fremden Frau, wohingegen dessen Anblick ihrem Ehemann erlaubt sind.)

Die begriffliche (Bedeutung der) Blöße: Sie ist die Schande (العيب - Dies ist jegliche Tat, die als unsittlich und als Schande bringend gilt) und der schlechte Charakter und die schlechtem Taten.

Und es gibt keinen Zweifel, dass der Mensch so ist, wie Allāh (سبحانه و تعالى) ihn in Seiner Aussage attribuiert hat:

{33.72. Wir haben ja das Anzuvertrauende den Himmeln und der Erde und den Felsenbergen angeboten, da weigerten sie sich, daß sie es tragen und schreckten davor zurück, und der Mensch hat es getragen, er ist ja unrechthandelnd, unwissend.}.

So ist der Mensch mit diesen beiden Eigenschaften attribuiert worden:
Das Unrecht und das Unwissen. Wenn er einen Fehler mit Absicht begeht, so ist er unrechttuend und wenn er einen Fehler aus Unwissenheit begeht, so ist er unwissend. Dies ist die Lage des Menschen, außer jenen, die Allāh (سبحانه و تعالى) davor bewahrt und ihm Verständnis in Wissen und Gerechtigkeit gibt, sodass er mit Wahrheit agiert (wörtlich: geht) und zur Wahrheit leitet.

Da der Mensch aus seiner fehlerhaften, versäumnisreichen und Schande begehenden Natur aus so ist, wie er ist, so ist es obligatorisch für den Muslim, seinen Glaubensbruder anzuweisen (نحو أخيه), seine Blöße zu bedecken und diese nicht zu verbreiten (A.d.Ü.: Also nicht herumerzählt, das man eine bestimmte Sünde begangen hat), außer es handelt sich um eine Dringlichkeit. [...] Der Mensch ist (nunmal) menschlich, welcher Fehler begeht aus seinem Befolgen seiner Gelüste - also seinem schlechtem Willen (heraus) - oder aufgrund einer mehrheutigen Sache, wo er diese ungewisse Sache mit der Wahrheit verwechselt (wörtlich: gleichsetzt) und Unwahrheit sagt und tut und so ist dem Gläubige befohlen worden, die Blöße seines Glaubensbruder zu bedecken.

Wenn Du einen Mann siehst, welcher lügt und beim Handeln betrügt, so stelle ihn nicht in der Öffentlichkeit bloß, sondern gib ihm (A.d.Ü.: nämlich im Verborgenen) einen Ratschlag und bedecke seine Blöße. Wenn dies (A.d.Ü.: also der Ratschlag) Erfolgreich und er rechtgeleitet ist und er sein lässt, was er tat (wörtlich: worauf er sich befand), so ist dies die Motivationen der Sache [...].

[...]

Hiernach schloss der Autor (رحمه الله) mit der Aussage Allāhs (سبحانه و تعالى) (A.d.Ü.: die Einleitung zum Kapitel, bevor der Autor (رحمه الله) begann, die Aussprüche des Propheten aufzuzählen)

{24.19. Diejenigen, die möchten, daß die Abscheulichkeit sich über diejenigen, die glauben, verbreitet, für sie gibt es schmerzende Strafe in dieser Welt und im Jenseits}.

Diese sind es, die es lieben, dass die Blöße der Menschen offenkundig verbreitet werden. Wie ist es dann mit dem, welcher die Abscheulichkeit (الفاحشة) öffentlich verbreitet - und bei Allāh ist die Zuflucht zu suchen - ?!

Und die Liebe zur Offenlegung der Blöße und dessen Verbreitung unter denjenigen, die glauben, ist von zweierlei Bedeutungen:

Die erste Bedeutung:
Bestimmte Leute lieben es, Abscheulichkeiten einer oder mehrerer Personen offenkundig und öffentlich unter allen Muslimen zu verbreiten, wie wenn er anstößige Filme oder obszöne Seiten verbreitet. Es gibt keinen Zweifel daran, dass diese Leute es lieben, dass offenkundige Abscheulichkeiten sich unter der Gemeinschaft der Muslime verbreitet und diese die Muslime einer Versuchung aussetzen aufgrund dem, was diese Leute an besagtem öffentlich verbreiten.
Und selbiges gilt für jene, welche in der Lage sind, die Verbreitung solcher Filme und Seiten zu verbieten (und es aber nicht tut). So ist dieser ebenfalls jemand, der es liebt, dass solche Abscheulichkeiten öffentlich unter den Muslimen verbreitet wird (, so gilt für diese):

{für sie gibt es schmerzende Strafe in dieser Welt und im Jenseits.}

Die zweite Bedeutung:
Jemand, der es liebt, dass solche Abscheulichkeiten nur an eine bestimmte Person verbreitet wird. Für diesen gilt auch, dass er im Diesseits und Jenseits schmerzliche Strafe geben wird, besonders für jene, in dessen Zusammenhang der genannte Vers zum Schutz herabgesandt worden ist, nämlich zum Schutz der Mutter der Gläubigen, ‘Ā’išah (رضي الله عنها)

Denn diese Verse stehen im Zusammenhang zum Lügentrug (ihr gegenüber). Der Lügentrug ist einer erfundene Lüge jener, welcher den Propheten (صلى الله عليه و سلم) hassen [...] , nämlich von den Heuchlern und ihres gleichen.

(A.d.Ü.: jetzt erzählt der Autor die Geschichte dieses Lügentrugs, welches ich aber als bekannt voraussetze)

[...]

Jener, welcher dies (an großer Lüge) vortrug war der Kopf der Heuchler, ‘Abdullāh bin ‘Ubayy. Er war es, welcher diese Nachricht öffentlich verbreitete, obwohl seine verbreitete Verleumdung uneindeutig war. So sagte er: „Wahrlich, der So und So beging Unzucht mit der So und So.“

[...]

Allāh (سبحانه و تعالى) sagte:

{24.11-12. Diejenigen, die die ungeheuerliche Lüge vorgebracht haben, sind eine (gewisse) Schar von euch. Meint nicht, es sei schlecht für euch; nein! Vielmehr ist es gut für euch. Jedermann von ihnen wird zuteil, was er an Sünde erworben hat. Und für denjenigen unter ihnen, der den Hauptanteil daran auf sich genommen hat, wird es gewaltige Strafe geben. 24.12. Hätten doch, als ihr es hörtet, die gläubigen Männer und Frauen eine gute Meinung voneinander gehabt und gesagt: "Das ist deutlich eine ungeheuerliche Lüge!"}

Bei dieser Zurechtweisung Allāhs (سبحانه و تعالى) jenen gegenüber, welche in dieser Angelegenheit (zu Unrecht) sprachen, sagte Er (A.d.Ü.: also: meint Allāh (سبحانه و تعالى) damit folgendes:
„[...] Dies, weil nicht sein kann, dass jene von der Mutter der Gläubigen vermuteten, was nicht angemessen war und es obligatorisch ihrerseits gewesen wäre, dass sie, nachdem sie von dieser (erlogenen) Nachricht gehört hatten, gutes angenommen und vermutet hätten und sich von jenen, die dies sagten und vom Gesagten selbst, distanziert hätten.

{24.13. Hätten sie doch darüber vier Zeugen beigebracht! Da sie aber die Zeugen nicht beigebracht haben, so sind diese bei Allah die Lügner.}

Das heißt: Warum sind jene nicht mit vier Zeugen gekommen, um über diese Angelegenheit zu bezeugen? (Folgende Stelle ist zusammengefasst) Wäre jemand zu einem Richter gekommen und würde jemanden anderes der Unzucht vorwerfen, gäbe es für ihn 80 Peitschenschläge. Auch wenn es zwei wären und auch, wenn es drei wären, so würden sie jeweils 80 Peitschenhiebe erhalten.

[...]

Ferner (ist folgende Behauptung) der Heuchler über den Gesandten (صلى الله عليه و سلم) (abzulehnen), denn Allāh (سبحانه و تعالى) sagt:

{24.26. Schlechte Frauen gehören zu schlechten Männern, und schlechte Männer gehören zu schlechten Frauen. Gute Frauen gehören zu guten Männern, und gute Männer gehören zu guten Frauen.}

Wäre es so, dass ‘Ā’išah (رضي الله عنها) eine schlechte Frau gewesen sei, so müsste dies implizieren, dass auch ihr Mann schlecht sei! Vielmehr war sie gut und ihr Mann (صلى الله عليه و سلم) war ebenfalls gut. Sie war die Wahrhaftige und die Tochter des Wahrhaftigen. (Der Autor wiederholt sich hier wieder und sagt, wie sich die Gläubigen hätten verhalten sollen. Hiernach nannte er den Vers):

{24.17. Allah ermahnt euch, niemals wieder dergleichen zu tun, wenn ihr gläubig seid.}

mit der Bedeutung, niemals wieder zu solch einer Tat zurückzukehren. Hiernach sagte der Erhabene:

{24.18. Und Allah macht euch die Zeichen klar, und Allah ist Allwissend und Allweise.}

Alles lob gebührt Allāh aufgrund seiner Verdeutlichung (dieser Angelegenheit). Aus diesem Grund kamen die Gelehrten über ein, dass wer der Mutter der Gläubigen vorwirft, womit der Lügentrug gekommen ist, ungläubig und abtrünnig geworden ist; ungläubig wie jemand, der sich vor einer Götze niederwirft [...].
Dies gilt für alle Frauen des Gesandten (صلى الله عليه و سلم) und wer dies (trotzdem) tut und hierauf nicht bereut, so ist dieser ungläubig und abtrünnig und mit dem Schwert zu töten und sein Leichnam in eine Grube unter der Erde zu werfen, ohne dass man vorher diesen wäscht und ihn in das Totengewand (كفن) zu umhüllen und ohne, dass man für ihn das Totengebet verrichtet.

(Das folgende ist ebenfalls zusammengefasst)

Unter den Gläubigen, welche öffentlich die Lüge über die Mutter der Gläubigen verbreitet hatten, waren es drei, möge Allāh mit ihnen zufrieden sein:
Ḥassān bin Ṯābit, Muṣṭaḥ bin Aṯāṯah und Ḥumminah bint Ǧaḥš, die Schwester von Zaynab bint Ǧaḥš, also der Frau von Muḥammad (صلى الله عليه و سلم).
Diese wurden jeweils 80 mal ausgepeitscht.

Was die Heuchler angeht, so hat Muḥammad (صلى الله عليه و سلم) nicht anbefohlen, sie auszupeitschen. Die Gelehrten sind sich unterschiedlicher Meinung.

Die eine Meinung: Die Heuchler sagten nicht konkret, dass Unzucht begangen worden ist. Vielmehr sagten sie „Es wird erzählt“ oder „Es wird gesagt“ oder „wir haben gehört“ oder ähnliches.
Die andere Meinung: Die Heuchler sind keine Leute der Reinigung, denn die Bestrafung reinigt den Übertreter von der Übertretung. Deshalb hat Muḥammad (صلى الله عليه و سلم) diese nicht bestrafen lassen, wohl auch, weil sie (A.d.Ü.: wie es im Qur’ān heißt) in der tiefsten Stelle der Hölle sein werden. So ließ Er sie mit ihren Sünden. Denn in ihnen steckt nichts gutes und es wurde anderes an möglichen Gründen gesagt.

Wie dem auch sei: Diese Angelegenheit beinhaltet eine gewaltige Geschichte und eine Vielzahl an Moral“
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Re: Die Blöße Deines Bruders! Erläuterung von Riyāḍu ṣ-Ṣāliḥ

Beitragvon Moe » So Jan 20, 2013 9:37 am

S. 7f. im besagten Buch

Ḥadīth Nummer 245 (Die Übersetzung dieser Aussage ist von Frank Bubenheim):

Überliefert von Abū Hurayrah (رضي الله عنه), vom Propheten (صلى الله عليه و سلم), der sagte:
„Kein Gottesdiener deckt einen anderen Gottesdiener im Diesseits, den nicht Allāh am Tage der Auferstehung deckt.“
Dies ist bei Muslim, Nr. 2590, überliefert.

*** Erläuterung ***

Es sagte der Großgelehrte Ibn ‘Uṯaymīn (رحمه الله):

„Der Autor (رحمه الله) sagte jenes, was Abū Hurayrah (رضي الله عنه) vom Propheten (صلى الله عليه و سلم) überliefert; nämlich dass er sagte:
„Kein Gottesdiener deckt einen anderen Gottesdiener im Diesseits, den nicht Allāh am Tage der Auferstehung deckt.“

Das Bedecken:
Das heißt das Verbergen. Und uns hat erreicht, dass die Bedeckung nicht unter allen Umständen lobenswert ist, aber auch nicht unter allen Umständen tadelnswert. Diese (also: Die Bedeckung) ist von zweierlei Arten:

1. Art:
Das lobenswerte Bedecken ist für einen Menschen auf geradem Weg, von welchem keine Abscheulichkeiten (فاحشة) aufgezählt werden können und vom ihm, bis in seltenen Fällen, Übertretungen bekannt sind.
So soll dieser bedeckt und Rat gegeben und (über seine Sünden und Fehltritte) aufgeklärt werden. So ist dies die lobenswerte Bedeckung.

2. Art:
Das Bedecken einer Person, welche nachlässig und unbekümmert in den Angelegenheiten ist und böswillig gegenüber den Gottesdienern agiert.
Dieser wird nicht bedeckt, aber es ist (islamrechtlich) gesetzt, dass er aufgeklärt wird [...] und abgeschreckt wird davon, was er (an Übertretungen) tut, sodass dies auch für andere eine Abschreckung darstellt.

Das Bedecken folgt der Rechtschaffung. Wenn es also rechtschaffener ist, dass bedeckt wird, so ist das Bedecken vorzuziehen und wenn es rechtschaffener ist, (die Fehltritte einer Person) zu entblößen, so ist dies vorzuziehen und wenn der Mensch zwischen beiden Herangehensweisen schwankt, so ist es vorzuziehen, (die Fehltritte) zu bedecken (und sie nicht rumzuerzählen, um so die Person zu schaden).“
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Re: Die Blöße Deines Bruders! Erläuterung von Riyāḍu ṣ-Ṣāliḥ

Beitragvon Majid Omar » So Jan 20, 2013 10:51 pm

assalamu

baarak allahu fiik fleißiger Bruder Moe,

ich habe nur einpaar Fragen !

kann man Aura mit Blöße übersetzen? ich dachte bis Heute es gibt für Aura keine direkte Übersetzung :)

Welche deutsche Begriff wiedergibt den Sinn des Begriffes Aura ambesten ? Blöße, Nudität oder Nacktheit des Körpers

ich persönlich habe den Begriff Blöße nie gehört :)
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Re: Die Blöße Deines Bruders! Erläuterung von Riyāḍu ṣ-Ṣāliḥ

Beitragvon Moe » Mo Jan 21, 2013 6:13 am

Majid Omar hat geschrieben:assalamu

baarak allahu fiik fleißiger Bruder Moe,

ich habe nur einpaar Fragen !

kann man Aura mit Blöße übersetzen? ich dachte bis Heute es gibt für Aura keine direkte Übersetzung :)

Welche deutsche Begriff wiedergibt den Sinn des Begriffes Aura ambesten ? Blöße, Nudität oder Nacktheit des Körpers

ich persönlich habe den Begriff Blöße nie gehört :)


السلام عليكم ورحمة الله وبركاته

Nenn mich nicht fleißig bitte. Danke.

Ibn ‘Uṯaymīn (رحمه الله) definierte die ‘Awrah (عورة) zweifach:
1. ‘Awratu l-ḥasiyyah (عورة حسية), welches ich als den islamrechtlichen Schambereich definieren würde:
Alles, was ḥarām ist anzusehen/anzufassen gehört dazu. Ich habe extra nicht das Wort 'Nacktheit' benutzt, weil dieser Begriff nicht genau definiert ist: Für mich persönlich ist eine Frau in Bikini nackt, aber ein anderer wird dir erklären wollen, dass sie ja noch was an hätte... Wie dem auch sei. Besser man umschreibt den Begriff, als dass man uneindeutige Wörter benutzt.

2. ‘Awratu l-ma‘nawiyyah (عورة معنوية), welches nicht die körperliche, sondern der unantasbare Bereich der Würde eines Menschen ist: Wenn ich jemanden öffentlich beleidige, so habe ich ihn entehrt. Dies wäre auch eine Offenlegung seiner Blöße.

Beides ist ‘Awrah und 'Schambereich' kommt daher höchstens, aber nicht unbedingt, in der 1. Definition in Frage.
Das Wort 'Blöße' ist da allgemeine und daher empfand ich dies als bessere Übersetzung.

Und Allāh weiß es besser.

السلام عليكم ورحمة الله وبركاته
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Re: Die Blöße Deines Bruders! Erläuterung von Riyāḍu ṣ-Ṣāliḥ

Beitragvon Majid Omar » Mo Jan 21, 2013 7:58 am

assalamu


Danke.


assalamu
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Re: Die Blöße Deines Bruders! Erläuterung von Riyāḍu ṣ-Ṣāliḥ

Beitragvon Moe » Mo Jan 21, 2013 7:15 pm

bismillah


S. 8f. im besagten Buch:

Ḥadīṯ Nr. 246:
Überliefert von Abū Hurayrah (رضي الله عنه), der berichtete:
„Ich hörte Allāhs Gesandten (صلى الله عليه و سلم) sagen:
„Allen Mitgliedern meiner Gemeinschaft werden ihre Sünden verziehen (oder: begnadigt), außer denjenigen, die sie öffentlich begehen und bekanntmachen. Das Bekanntmachen geschieht dadurch, daß jemand nachts eine sündhafte Handlung begeht und Allah sie hierauf am Morgen verborgenhält. Doch dann sagt jener Sünder: 'Heda, du Soundso, ich habe gestern Abend das und das getan!' So hat sein Herr seine Sünde die Nacht über verborgen gehalten, doch am Morgen deckt jener Sünder Allahs Schutz selbst auf.““

Buḫārī Nr. 6069, Muslim Nr. 2990

*** Erläuterung ***

Es sagte der Großgelehrte Ibn ’Uṯaymīn (رحمه الله):
„Der Autor (رحمه الله) erwähnte, was von Abī Hurayrah (رضي الله عنه) überliefert worden ist, nämlich dass der Prophet (صلى الله عليه و سلم) sagte:

„Allen Mitgliedern meiner Gemeinschaft werden ihre Sünden verziehen, außer denjenigen, die sie öffentlich begehen und bekanntmachen.“, was heißt: (Verziehen) wird jeder Gemeinschaft, welche den Gesandten (صلى الله عليه و سلم) annehmen (und ihm folgen) und „verziehen“ heißt, dass Allāh ihre Sünden begnadigen wird und „außer denjenigen, die sie öffentlich begehen und bekanntmachen“ heißt: Es sind jene, welche ihre Sünden öffentlich verbreiten und diese sind von zweierlei Sorte:

Die Erste:
Dass die Person öffentlich und bekanntmachend, also in Anwesenheit der Menschen, Sünden begeht und sie ihn dabei sehen. Es existiert kein Zweifel, dass ihm nicht Begnadigung (A.d.Ü.: in Form von Bedeckung seiner Blöße) zuteil wird und er von den Öffentlichmachenden (seiner Sünden) gehört. Denn er zog über sich selbst das Unheil und ebenso auch das Unheil über andere.

Was er über sich selbst zog (an Unheil):
(Dies), weil er sich selbst Unrecht antat, als er Allāh und Seinen Gesandten zürnte, wobei jeder Mensch Allāh und seinen Gesandten zürnt, denn wahrlich, (deshalb) tut er sich selbst Unrecht. Allāh sagte:

{2. 57. Und sie fügten nicht Uns Unrecht zu, sondern sich selbst.}

Die Seele ist das Dir Anvertraute. So hast Du sie angemessen zu hüten und zu erziehen. Sie ist wie das Herdenvieh (über die Du hütest). Du entscheidest Dich für sie für ein gutes Weidenfeld und nicht für ein schlechtes und schädliches und so ist es auch mit der Seele. Entscheide Dich für ein gutes Weidenfeld für sie, nämlich die guten Taten und dass Du sie von den schlechten Weidenfeldern entfernst, nämlich den schlechten Taten.

Was er über andere zog (an Unheil):
Die Menschen, wenn sie jemanden sehen, welcher eine Sünde begeht, fällt es ihnen leichter, selbiges zu tun (A.d.Ü.: Man ist also eher darin geneigt, zu sündigen, wenn man sieht, dass andere dies auch tun, insbesondere, wenn die Sünde gesellschaftskonform ist, wie dass es gesellschaftlich vertretbar ist, sich zu besaufen, Unzucht zu begehen, Musik zu hören, eine verbotene Liebesbeziehung zu haben, Zinsen zu nehmen, andere Länder auszubeuten, etc.) und so tun sie (vielleicht) selbiges und so werden sie - und bei Allāh ist Zuflucht zu suchen - von den Führern (oder: Leuten), welche zum Höllenfeuer rufen, so wie es Allāh (سبحانه و تعالى) über die Gefolgschaft Pharaos sagte:

{28.41. Und Wir haben sie Vorsteher gemacht,- sie rufen zum Feuer, - und am Tag der Auferstehung wird ihnen nicht geholfen.}

Und es sagte der Prophet (صلى الله عليه و سلم) ... (A.d.Ü.: Sinngemäß: Wer eine Sünde öffentlich begeht, trägt die Last bis zum jüngsten Tag und wer ihm aufgrund dieser öffentlichen Sünde nachahmt, so tragen beide die Last der Sünde bis zum jüngsten Tag und so weiter) ...

So ist dies eine Art der Öffentlichmachung und der Prophet (صلى الله عليه و سلم) hat die Öffentlichmachung nicht extra erwähnt (A.d.ü.: nämlich im Ḥadīṯ hier vor, welchen ich sinngemäß wiedergab und nicht traue, zu übersetzen), weil dies klar ist (wovon er sprach). Vielmehr erwähnte er (صلى الله عليه و سلم) eine andere Angelegenheit, welches manchen Menschen verborgen ist, nämlich dass Allāh den Fehltritt bei Nacht verdeckt [...] und wenn er reuig umkehren würde zu seinem Herrn, wäre es besser für ihn (A.d.Ü.: Das heißt: Es ist besser, eine Sünde geheim zu machen und hierauf zu bereuen anstatt eine Sünde geheim zu machen und nicht zu bereuen. Beides ist allgemein gesehen jedoch besser als eine Sünde öffentlich zu machen).
Wenn er aber den Menschen erzählt, dass er soundso getan hat, so ist dies keine Verzeihung (seitens Allāh); dies ist - und bei Allāh ist Zuflucht zu suchen - eine Selbsterniedrigung und Selbstbloßstellung und eine Schande, nachdem Allāh ihn bedeckte. Dass manche Personen sich selbst bloßstellen, liegt an folgenden Gründen:

Der erste Grund:
Ein Mensch ist unaufmerksam und möchte nichts schlechtes und sich keine Gedanken macht. Dann legt er seine Sünde öffentlich dar und spricht darüber, während er guten Herzens und keiner schlechten Absicht ist.

Der zweite Grund:
Er spricht öffentlich über seine Sünden und ist sich der Gewaltigkeit seines Schöpfers nicht bewusst. So findet er sich vor, wie er über seine Sünden öffentlich spricht, wie als hätte er eine Kriegsbeute bekommen und dies ist - und bei Allāh ist Zuflucht zu suchen - die schlechteste Stufe (an möglichem Gründen ?).

[...]

Das Einzutreffende ist, dass der Mensch sich mit der Bedeckung Allāhs (سبحانه و تعالى) bedecken soll (wenn er denn sündigt) und dass er Allāh (سبحانه و تعالى) preisen soll für die Begnadigung (A.d.Ü.: Die Begnadigung ist hier die, dass Allāh (سبحانه و تعالى) Dich davor beschützt, dass die Leute von Deinen Sünden erfahren und Du so an Ansehen, Respekt und Ehre einbüßt) und dass er sich reuig umkehrt bzgl. dem, was sich zwischen ihm und zwischen seinem Herrn an Sünden befindet, welcher er begangen hat.

Und wenn er zu Allāh reuig umkehrt, so wird Er ihn im Diesseits und im Jenseits bedecken.“


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