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ibn ʿUmar (Vorstellung) + eine Anmerkung zum Forum

Bitte jedes neue Mitglied sollte sich hier vorstellen, und uns kurz von seiner Religion, oder Ideologie erzählen.

Re: ibn ʿUmar (Vorstellung) + eine Anmerkung zum Forum

Beitragvon Moe » Mo Apr 29, 2013 8:42 am

ibn ʿUmar hat geschrieben:
Moe hat geschrieben:Will ich auch hoffen! Dieses mal verzeihe ich Dir noch einmal!

Nicht, dass jemand die Ironie noch falsch versteht... ;-)


Ironie auch noch!!!
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Moe
 
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Re: ibn ʿUmar (Vorstellung) + eine Anmerkung zum Forum

Beitragvon Abu Sulayman » Mo Jul 15, 2013 12:36 pm

Assalamu 'alaykum wa rahmatullah,

Ramadhan karim :-)

Bruder "Ibn 'Umar" da mir aufgefallen ist, dass du manchmal theologische/philosophische Fragen im sogenannten "ahlu-sunnah.com"-Forum stellst, wollte ich dir diesbezüglich etwas mitteilen, wenn du mir gestattest:

Du wendest dich hierbei definitv an die falsche Seite. Der Grund ist einfach der, dass dort eine Light-Version des Najdi-Gedankengutes verbreitet wird und die Najdis alles andere als Leute waren, die sich gut mit logischem und rationalem Denken auskannten.
Ich weiß nicht ob du dir schon mal ein bisschen Najdi-Literatur angeschaut hast, aber wenn du es tust, so wird dir gewiss auch auffallen, dass sie sehr sehr oberflächlich im Denken waren also ganz im Gegensatz zu den klassischen Gelehrten, bei denen man mascha`Allah sehr deutlich ihren hohen Verständnisgrad bemerkt. Dementsprechend kannst du von denjenigen, die derartige Leute (also: die Najdis) anhimmeln auch nicht erwarten, dass sie sonderlich weniger oberflächlich in ihrem Denken sind.
(So habe ich z.B. einen der Briefe aus den "ar-Rasa`il asch-Schakhsiyyah" gelesen und es war schon erstaunlich wie absolut laienhaft und oberflächlich darin argumentiert wurde - wie gewöhnlich um Muslime ohne berechtigten Grund zu takfirieren - und derartige Argumentation würden die richtigen Fuqaha` nie und nimmer akzeptieren.)

Und ich wollte dir aufgrund deines Interesses an philosophischen Themen noch etwas mitteilen:

Wenn du in die islamische Geschichte schaust, so wirst du generell sehen, dass eine klare Feindschaft zwischen den "muslimschen" Falasifah (Philosophen) und den Mutakallimun [der Ahl as-Sunnah] bestand.

Falls du dich frägst wieso ich bei den Falasifah das "muslimisch" in Anführungszeichen gesetzt habe, so sei gesagt, dass die Falasifah, die sich dem Islam zugeschrieben haben, voller Zanadiqah (Ketzer) und Malahidah (Atheisten) waren (wie z.B. Ibn Sina, den al-Ghazali - möge Allah ta'ala sich seiner erbarmen - widerlegt und (zurecht!) takfiriert hat) und der beste unter ihnen war immer noch Ibn Ruschd - möge Allah ta'ala ihm seine Fehler verzeihen und barmherzig sein -, aber auch er hatte so einige eigenartige/falsche Ansichten. (Nach Ibn Ruschd ist von den Falasifah auch nicht mehr sonderlich viel gekommen, da sie einfach bereits argumentativ vernichtet worden waren.)

Im Gegensatz dazu wirst du unter den Mutakallimun (ich meine hierbei nur diejenigen der Ahl as-Sunnah (wie die Ascha'irah und Maturidiyyah) und nicht Mubtadi'ah (Neuerungstäger) wie die Mu'tazilah oder gar die Jahmiyyah) sehr große und gute Gelehrte finden.

Darum würde ich dir bei derartigen Themen definitiv die Werke der klassischen Gelehrten, die Asch'ari waren, empfehlen, da sie zum einen wenn es um Logik und rationale Argumentation geht wirklich sehr sehr gut sind und schön argumentieren und zum anderen auf einer klaren islamischen Basis stehen anders als die Falasifah, die so einige Aussagen hatten, die alles andere als logisch waren und auch noch Kufr dargestellt haben.

Die Falasifah standen ja unter einem klaren Einfluss der Ideen der achso tollen Griechen. Die Mutakallimun unter der Ahl as-Sunnah haben in vielen Angelegenheiten aufgezeigt, dass so einiges der Aussagen der alten Griechen nicht rational/logisch waren z.B. in der Angelegenheit dessen, dass das Universum angeblich ewig sei.

Ein Thema, was mir persönlich sehr gefallen hat ist wie die Ascha'irah die Existenz von Allah ta'ala logisch bewiesen haben. (Einige Leute werden zwar sagen, dass die Fitrah bereits auf die Existenz von Allah ta'ala hinweist, was auch stimmt, allerdings gibt es auch logische Begründungen/Beweise, die man nicht außer Acht lassen sollte. Insbesondere wenn es darum geht, dass man zeigen will, dass der Islam die richtige Religion ist, so kann man ja nicht einfach sagen "der Islam ist richtig, weil es im Qur`an steht", denn dies wäre ein Kreisargument, sondern man muss dann eben externe Beweise anführen.)
Als Stichwort sei hier die Kategorisierung der Existenz in notwendig und möglich genannt. Und aufgrund der Unmöglichkeit eines infiniten Regresses wird man dem nicht entkommen etwas zu bestätigen, dessen Existenz notwendig ist (Wajib al-Wujud) und aus sich selbst heraus ohne auf irgendetwas anderes angewiesen zu sein existiert [und dementsprechend auch ewig ist] (und dies ist Allah subhanahu wa ta'ala). Man könnte dies natürlich viel ausführlicher erklären, was ich aber jetzt nicht machen will.
(Nebenbei erwähnt: Da ich schon mehrmals gesehen habe, dass einige Muslime bei Diskussionen immer wieder diesen Fehler begehen, wollte ich nur anmerken, dass die Ansicht derjenigen, dass Gott [lediglich] der "erste unbewegte Beweger" sei, der eine Kausalkette in Gang gesetzt hätte, und hiernach sich die Sachen gegenseitig verursachen falsch und nicht islamisch ist und logische Probleme mit sich bringt. Man bedenke hierbei einfach, dass wir nicht umsonst "la hawla wa la quwwatta illa billah" ("Es gibt keine Macht und keine Kraft außer durch Allah") sagen und das wir nicht umsonst glauben, dass sowohl wir als auch unsere Taten erschaffen sind und auch nicht umsonst glauben, dass sich kein Atom vom Fleck rühren kann außer mit der Erlaubnis und unter der Kontrolle des Herren der Welten subhanahu wa ta'ala. Ich empfehle hierzu folgendes Artikel mit den Namen "Clearest Rational Argument for the Existence of a Creator":http://www.deoband.org/2010/03/aqida/allah-and-his-attributes/clearest-rational-argument-for-the-existence-of-a-creator/ )

Wenn man die Argumentation der Ascha'irah bei derartigen Themen anschaut, so wird einem noch mehr bewusst, dass der Islam alleine schon aus rationalen und logischen Gesichtspunkten heraus anderen Überzeugungen - sei es der Ilhad (Atheismus), das Christentum oder etwas anderes - wirklich sehr überlegen ist.

Und bei derartigen Themen ist man bei der sogenannten "Salafiyyah" meist an der falschen Addresse, da Mantiq (Logik) nicht gerade ihre Stärke ist, sondern sie sich sogar manchmal in so was auf dem Niveau der Christen befinden.

Man bedenke z.B. dass die "Salafis" (oder zumindest ihre Maschayikh) den infiniten Regress für möglich halten und dies nur deswegen, weil dies auch die Position von Ibn Taymiyyah - möge Allah ta'ala seine Fehler verzeihen und ihm barmherzig sein - ist und sie befolgen dies ohne mal sich über die Implikationen ihrer [falschen] Aussage Gedanken zu machen.
Ich denke mal, dass ich dir spezifisch nicht erklären muss wieso ein infiniter Regress keinen Sinn macht.

Aber für andere Mitleser:
Ich hatte in einem Thread im genannten Forum angeschnitten gehabt, wieso es problematisch ist, so etwas anzunehmen:

Abu Sulayman hat geschrieben:So ist z.B. seine Ansicht bezüglich der Angelegenheit des "Tasalsul al-Hawadith" oder auch "Hawadith la awwala laha" problematisch.
Um dies zu erklären: Er hat es für möglich gehalten, dass Allah ta'ala seit Ewigkeit Sachen erschaffen hat (sprich: unendlich viele Universen vor unserem Universum erschaffen hat), so dass es bei ihm möglich war, dass es keine erste Schöpfung im absoluten Sinne gibt.
Einige Mutakallimun haben dies missverstanden und haben gedacht, dass er hiermit bestätigen würde, dass das Universum seit Ewigkeit exisitieren würde (Qidam ul-'Alam) und so etwas zu glauben wäre an und für sich Kufr, weil kein Geschöpf seit Ewigkeit bestehen kann und so etwas hat er auch nicht bestätigt, denn er hat ziemlich oft gesagt, dass ein jedes Geschöpf einen Beginn in der Zeit hat nachdem es nicht existiert hat.
Und auch wenn die Behauptung, dass er an den Qidam ul-'Alam glauben würde aus "fardi"-Sicht falsch ist, so wäre aus "naw'i"-Sicht diese Behauptung korrekt, da er eben es für möglich gehalten, dass es keine erste Schöpfung im absolten Sinne gibt.
Nur um ein Beispiel zu nennen wieso es bereits aus logischer Sicht problematisch ist: Wenn jemand z.B. einen Knopf drücken will und er zuvor noch um Erlaubnis bei einer anderen Person fragen müsste und diese Person von einer anderen Person fragen müsste und dies unendlich lang so weiter gehen würde, würde die Person am Ende je den Knopf drücken können?! Nein! (Genau aus diesem Grund werden ja Argumentationen, die auf infiniter Regression bauen, als unlogisch angesehen.)
Und genauso: Wenn es unendliche viele Universen vor unserem Universum existiert hätten, wäre es überhaupt möglich, dass wir existieren? Die Antwort ist wieder nein!
(Desweiteren hängt damit noch eine andere Sache zusammen: Bei dieser Vorstellung spielt auch das Verständnis bezüglich dem, was Zeit überhaupt ist, eine Rolle. So wird bei dieser Sicht die Zeit lediglich als Konzept, das nur in unseren Köpfen vorhanden ist und keine reele Existenz hat, betrachtet. Würde man aber die Zeit als erschaffene Sache, die eine reele Existenz hat betrachen, so würde die obige Ansicht nochmal problematischer werden, denn Allah ta'ala muss ja dann zwingender Weise außerhalb der Zeit sein, was ja die obige Ansicht nicht annimmt.
Mit dieser Angelegenheit - also wie man Zeit betrachtet - hängt wiederum die Angelegenheit dessen, was die Mutakallimun als "Hulul al-Hawadith" [im Bezug auf das Wesen Allahs] bezeichnen würden , zusammen und dies spielt bei Eigenschaften wie der Ridha (Zufriedenheit) Allahs oder auch dem Ghadhab (Zorn) Allahs eine Rolle, allerdings will ich hier nicht noch mehr vom Thema abdriften.)


Quelle: http://www.ahlu-sunnah.com/threads/52233-Brauche-Antwort-auf-Im%C4%81m-al-A%C2%9A%CA%BFar%C4%AB?p=508433&viewfull=1#post508433

Ma'assalamah.
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Re: ibn ʿUmar (Vorstellung) + eine Anmerkung zum Forum

Beitragvon Moe » Di Jul 16, 2013 1:52 pm

Kennt den jemand ein Buch in arabisch, wo der Stellenwert der Ration im Islam erörtert wird?

Ich kenne 3 Ansichten (kann diese bei Anfrage belegen). Die Beschäftigung mit Mantiq ist

1. allgemein erlaubt
2. allgemein verboten
3. allgemein verboten, außer für jene, denen es nicht die Religion schadet und deren Verstand dies verträgt.

Mich würde auch interessieren, welchen Stellenwert die Ration bei der Argumentation aufweisen kann. Besonders hier im Westen ist die Beschäftigung damit nicht unnütz.

السلام عليكم ورحمة الله وبركاته
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Re: ibn ʿUmar (Vorstellung) + eine Anmerkung zum Forum

Beitragvon ibn ʿUmar » Mi Jul 17, 2013 5:59 pm

wa 'alaykum as-Salaam wa rahmatullaah wa barakaatuh

Abu Sulayman hat geschrieben:(Einige Leute werden zwar sagen, dass die Fitrah bereits auf die Existenz von Allah ta'ala hinweist, was auch stimmt, allerdings gibt es auch logische Begründungen/Beweise, die man nicht außer Acht lassen sollte. Insbesondere wenn es darum geht, dass man zeigen will, dass der Islam die richtige Religion ist, so kann man ja nicht einfach sagen "der Islam ist richtig, weil es im Qur`an steht", denn dies wäre ein Kreisargument, sondern man muss dann eben externe Beweise anführen.)

Ich habe einen Gottesbeweis aus der Intuition/Doppelmoral entwickelt, der darauf baut, dass jener, der - ohne jeden weiteren Grund als den, dass uns der Glaube an diese "auf solch natürliche Weise zufällt", um es in den Worten Thomas Nagels zu sagen - an eine Außenwelt glaubt, dazu gedrängt wird, auch die Idee eines Gottes zu akzeptieren, um nicht der Doppelmoral zu verfallen:

"Man muß jedoch zugeben, daß die Neigung, die wir zur Anerkennung der Gottesidee haben, in der menschlichen Natur liegt. Und selbst wenn man die erste Belehrung darüber auf die Offenbarung zurückführte, so stammt die Leichtigkeit, die die Menschen beim Annehmen dieser Lehre erkennen ließen, stets aus der natürlichen Veranlagung ihrer Seelen. Doch werden wir in der Folge zu dem Urteil gelangen, daß die äußere Lehre hier nur das erweckt, was in uns ist." [Gottfried Wilhelm Leibniz: Neue Abhandlungen über den menschlichen Verstand]

Wollte das nur am Rande erwähnt haben, dass die Fitra selbst als Gottesbeweis Genüge tut für jenen, der kein Solipsist, und erst recht ein Realist ist.


Abu Sulayman hat geschrieben:Und bei derartigen Themen ist man bei der sogenannten "Salafiyyah" meist an der falschen Addresse, da Mantiq (Logik) nicht gerade ihre Stärke ist, sondern sie sich sogar manchmal in so was auf dem Niveau der Christen befinden.

Ja, darunter leide ich auch des Öfteren.


Abu Sulayman hat geschrieben:Ich denke mal, dass ich dir spezifisch nicht erklären muss wieso ein infiniter Regress keinen Sinn macht.

Ich lese gerade antike(re) philosophische Texte und muss mir immer wieder an den Kopf fassen, wenn sie von einem möglichen infiniten Regress oder einer quantitativen Unendlichkeit sprechen... Nein, du musst es mir selbstverständlich nicht erklären ;-*
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